Full text: Evangelisches Schulblatt - 39.1895 (39)

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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens :c. 
Nächstenliebe beseelt und in den Tugenden der Mäßigkeit, Genügsamkeit und Zu 
friedenheit geübt sein; b) sie sollen befähigt sein, am socialen Leben thätigen An 
teil zu nehmen; o) sie sollen imstande sein, sich leichter als bisher eine angemessene 
Stellung im Leben zu erringen, und im Wechsel ihrer Lebenslagen sollen sie eine 
größere Anpassungsfähigkeit zeigen. 4, Um diesen Forderungen gerecht zu werden, 
muß die Schule a) neben allen andern Tugenden die in These 3* genannten mit 
allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln pflegen, b) die Lehrstoffe noch viel mehr 
in Beziehung zum praktischen Leben setzen und die Elemente der Volkswirtschafts 
lehre, Verfassungs- und Gesetzeskunde in den Rahmen der bestehenden Unterrichts 
fächer einfügen, c) wieder mehr die formale Geistesbildung, wenn nötig unter 
Beschränkung des Lehrstoffes, betonen, das Mädchenturnen, die Jugendspiele, das 
Schwimmen, die Schulspaziergänge, die Gewöhnung der Schüler zur Befolgung 
der Gesundheitslehren obligatorisch pflegen und, wo es erforderlich erscheint, ein 
fache Buchführung, Stenographie, Handfertigkeits-Unterricht für Knaben und 
hauswirtschaftlichen Unterricht für Mädchen fakultativ betreiben. 5. Die voll 
kommene Durchführung dieser Aufgaben ist jedoch nur möglich, wenn a) ein neuer, 
nach dem Gesetze der Konzentration aufgebauter Normal-Lehrplan dem Unterricht 
zu Grunde gelegt; b) der Organismus der Volksschule nach dem Ideal der all 
gemeinen Volksschule umgestaltet; e) die Lehrerbildung erhöht wird." 
Der zweite Gegenstand der Tagesordnung war ein Vortrag des Privat 
dozenten Dr. Kafemann über „di e Pflege des Gehörs und der 
Stimme in der Schule." Dem Vortrage lagen folgende Thesen zu Grunde: 
1. Es ist Thatsache, daß ein nicht geringer bestimmter Prozentsatz aller der Schule 
zugeführten Kinder an Harthörigkeit leidet, die nicht selten sowohl in der Schule 
wie im Elternhause irrtümlich aufgefaßt und auf Rechnung einer gewissen Nach 
lässigkeit gesetzt wird. 2. Es ist deshalb die hohe Regierung zu ersuchen, in den 
einzelnen Bezirken durch eine gemischte, aus Organen der Regierung, der Schule 
und Ärzten zusammengesetzte Kommission die neu eintretenden Schüler untersuchen 
zu lassen. 3. Eine sachkundige Untersuchung der Ohren bei den in das Seminar 
eintretenden Zöglingen ist bis jetzt auch nicht verlangt worden, erscheint aber min 
destens ebenso wichtig als eine solche der Augen und Lungen. 4. die gesanglichen 
Übungen sind mit Rücksicht auf die bedeutsame ethische und physisch äußerst heil 
same Einwirkung des Gesanges intensiver zu betreiben, und zwar streben wir 
folgendes an, daß «a) auf den untern Stufen einmal täglich eine halbe Stunde 
gesanglicher Unterricht zwischen die übrigen Stunden eingeschaltet und daß b) auf 
den höhern Stufen der Unterricht bis auf eine Stunde ausgedehnt werde. 5. Es 
ist eine unzweifelhafte Thatsache, daß Erkrankungen der obern Luftwege und der 
Stimme im Lehrerstande in auffallender Häufigkeit auftreten. Die Ursachen sind 
zu suchen a) in verschiedenen hygienischen Mißständen, insbesondere der noch häufig 
anzutreffenden Übersüllung der Klassen, b) in eine vorzeitigem Ermüdung der 
Stimme herbeiführenden falschen Gebrauch der Stimmwerkzeuge. 6. Als vor 
beugende Maßregeln wären anzustreben a) eine Verkleinerung der auf die ein 
zelnen Klassen entfallenden Schülerzahl, b) eine auf physiologische Grundsätze ba 
sierte wissenschaftliche Trainierung der Stimme in den Seminaren durch eigens zu 
diesem Zwecke ausgebildete kompetente Lehrkräfte." 
Am zweiten Hauptversammlungstage hielt zunächst Herr Lehrer 
Fett-Königsberg einen Vortrag über „Die Stellung des Lehrers in 
der Schulverwaltung." Nach demselben wurden folgende vom Vortragenden
	        

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