Full text: Evangelisches Schulblatt - 39.1895 (39)

III. Abteilung. Litterarischer Wegweiser. 
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als einzelne konkrete Verhältnisse berührende biblische Geschichten aus dem Leben Jeiu, 
die die Verfasser aber abweisen. (Vergl. zu diesem Punkte auch unsere Bemerkungen 
im Evang. Schulbl., Jahrg. 1891, S. 190 u. 191.) 
Nun noch zu einer irrtümlichen Auffassung ein Wort. In dem Kapitel, wo von 
der Behandlung des Lehrstoffes die Rede ist, wird dem Verein für Herbartische Päda 
gogik in Rheinland und Westfalen eine Epistel gelesen, weis er angeblich auf einer seiner 
Hauptversammlungen den darstellenden Unterricht in schroffer Weise zurückgewiesen habe. 
Die Polemik stützt sich auf einen Bericht über jene Versammlung, der in den „Deutschen 
Blättern" erschienen ist. Zur Richtigstellung sei hier bemerkt, daß jener Bericht ganz 
subjektiv gehalten ist und kein zutreffendes Bild von jenen Verhandlungen giebt. Der 
darstellende Unterricht wurde auf jener Versammlung von fast allen Rednern als das 
bildendste, die Selbstthätigkeit der Schüler am meisten fördernde Unterrichtsverfahren 
angesehen, und nur hinsichtlich der Behandlung von Gedichten gingen die Meinungen 
weiter auseinander. 
Zum Schlüsse bemerken wir noch, daß unsere kleinen Ausstellungen die Bedeutung 
der Schrift in keiner Weise beeinträchtigen wollen. Wir zollen ihr vielmehr die dank 
barste Anerkennung: vor allem erscheint sie uns geeignet, eine tiefe Abneigung gegen 
allen Verbalismus einzuflößen und eine bessere, nach psychologischen Gesetzen geordnete 
Lehrweise in unseren Schulen herbeizuführen. Wir betrachten die Schrift in diesem 
Sinne mit Dörpfeld als ein „hoffnungsfreudiges Frühlingsanzeichen," „als eine echte 
krimula veris, die uns mit ihren vollen Blüten sonnenhell entgegenlacht." Möchten 
darum alle, denen die Schrift seither noch unbekannt geblieben ist, sie voll und ganz 
auf sich wirken lassen, damit jeder zu dem Segen komme, der ihr in so reichem Maße 
entsprießt. 
Elberfeld. Aug. Lomberg. 
Auf weißen Flügeln. Von A. F. Dudok van Heel. Mit Illustrationen von A. I. 
Hoogewerff van Stolk. Autorisierte deutsche Ausgabe von M Karstens. Basel 
1894, bei Adolf Geering. 
Das Büchlein enthält eine kleine Sammlung sinniger Märchen, die wohl geeignet 
sind, Mädchen der oberen Schulklassen als Lektüre zu dienen. Liebe zur Natur und ein 
feines, gemütvolles Beobachten der geringsten Vorgänge in derselben sprechen uns aus 
jedem der fünf Märchen an. — Auch durch die freundlichen Illustrationen wird sich 
das kleine Werk bald Freunde unter seinen Leserinnen erwerben. K. P- 
„Choralbuch für Kirche, Schule und Haus" im Anschluß an das neue Rhein.-Westfäl. 
Kirchengesangbuch herausgegeben von Witte, Königlicher Musikdirektor in Essen, 
Verlag der Bädeker'schen Buchhandlung daselbst, Preis fein gebunden 6 M- 
Dem Herausgeber ist ein Werk gelungen, welches den Wettbewerb mit den bisher 
erschienenen neuen Ehoralbüchern von Hollenberg-Nelle, Hesse-Niemeyer, König, von der Heydt 
in jeder Hinsicht aufnehmen kann. Sein Choralsatz ist zwar auch einfach gehalten, doch 
sind Härten glücklich vermieden und die Sprödigkeit mancher Melodie wird durch eine 
reichere Harmonisierung gemildert. Auch haben diejenigen Melodiezeilen, welche inner 
halb derselben Strophe wiederkehren, bei der Wiederholung eine andere Harmonisierung 
erfahren, wodurch Eintönigkeit vermieden wird, die besonders beim Spielen mehrerer 
Strophen auffallen müßte. Jeder Choral ist mit einer vier bis zwölftaktigen Einleitung 
(Vorspiel) mit zwei Überleitungen und einem Schluffe versehen; Einleitung und Über 
leitungen sind in bewegtem Tempo (meist Achtelnoten) gehalten, besonders künstlich aus 
gebildet und schön sind die Schlüsse. Das Werk überhaupt entspricht einem mehr künst 
lerischen Bedürfnisse ohne, jedoch dem Grundsätze der Volkstümlichkeit und kirchlichen 
Brauchbarkeit irgendwie zu nahe zu treten. Auch für die Familie wird es dadurch 
wertvoll, daß die geistlichen Lieder des Anhangs für Klavier gesetzt sind und zwar so, 
daß sie mit Begleitung ein- und zweistimmig gesungen werden können. 
D. G. 
Praktische Anleitung zur Obst-Kultur. Bearbeitet von Th. Jaeger. Zweite umgearbeitete 
und verbesserte Auflage. Gießen, Emil Roth. 70 S. 0,80 M. 
Das Bedürfnis, seinen Schülern zur Ersparung zeitraubender Diktate einen Leit 
faden in die Hand zu geben, hat den Verfasser, der Vorsteher der Lehranstalt für Obst 
baumwärter zu Bensheim a. d. B. ist, zur Herausgabe der vorliegenden Schrift bewogen. 
Der knappen, aber doch umfassenden Darstellung wegen ist das Büchlein wohl geeignet, 
ratsbedürftigen Obstzüchtern, die nicht gern lange Abhandlungen lesen mögen, als 
Nachschlagebuch zu dienen. Wertvoll sind vier dem Schriftchen angehängte Tabellen,
	        

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