Full text: Evangelisches Schulblatt - 39.1895 (39)

Die psychologisch-pädagogischen Grundsätze Dörpfelds. 
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dafür opferte und ohne, daß irgend eine andere Lernaufgabe auch nur im 
geringsten etwas einbüßt. Durch das Lesen an diesem Stoffe werden den 
Schülern die Sprachformen, wie sie im sachlichen Lernbuche vorkommen, 
geläufig gemacht, sie prägen sich dieselben dadurch am sichersten ein und 
zwar die richtigen, und zugleich machen sie sich dadurch die Zierden der 
sprachlichen Darstellung zu ihrem Eigentum; d. h. sie lernen sich klar, be 
stimmt und kurz ausdrücken. So wird auch der Forderung Dr. Magers 
genügt, welcher bekanntlich rät: „Man mache ein gut geschriebenes Buch 
zum völligen Eigentum des Schülers, er spricht dann ebenso gut, wie der 
Autor schreibt."*) 
Nun sollen die sachunterrichtlichen Lektionen womöglich auch eine schrift 
liche Wiedergabe erfahren. Wenn sich dieselbe nun bloß auf das Münd 
liche stützt, so können die Schüler möglicherweise auf die sachliche Wieder 
gabe gerüstet sein, aber nicht auf die sprachliche. Bei diesen schriftlichen 
Arbeiten ist nicht nur an den sog. Aufsatz zu denken, der gründlich durch 
gesehen werden kann, sondern auch an die Arbeiten, die auf die Tafel ge 
fertigt werden, bei denen eine genaue Korrektur ausgeschlossen ist. Damit 
die Schüler wirklich Vorteil von diesen Arbeiten haben, und man nicht 
schließlich darüber im Zweifel sein muß, ob der Schaden derselben in 
sprachlicher Beziehung nicht größer ist als der Nutzen, so muß die Hülse 
in der Vorsorge gesucht werden. Durch das Lesen aber prägen sich die 
Schüler nicht nur die grammatische Form richtig und sicher ein, sondern 
auch die stilistische und die Orthographie; die Sprachbildung wird besser, 
weil richtiger. 
Ist nun die schriftliche Arbeit angefertigt, so wird der Lehrer auch 
freie mündliche Reproduktionen im Zusammenhange vornehmen lassen. Diese 
erfordern dann aber wohl kaum noch eine weitere Vorübung von seilen 
des Kindes. Denn wenn Anschauung, frageweise Reproduktion, Lesen und 
schriftliche Übung ihre Schuldigkeit gethan haben, so ist ein Memorieren 
geschehen, nicht ein wörtliches, aber ein judiciöses, und eben das ist gemeint. 
In einem der sachunterrichtlichen Fächer, der bibl. Geschichte, ist das, 
was die drei Grundsätze fordern, bereits im Gange, da hier ein Lesebuch 
vorhanden ist. Sollen die drei Grundsätze nun auch in den beiden Real 
fächern zur Ausführung kommen, so darf auch hier ein sachliches Lesebuch 
nicht fehlen. 
: ) Vgl. o. S. 118. D. H.
	        

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