Full text: Evangelisches Schulblatt - 39.1895 (39)

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I. Abteilung. Abhandlungen. 
Zum 2. September 1895. 
Leipzig und Sedan. Eine Vergleichung. 
Von Hauptlehrer Sterzenbach in Freudenberg. 
„So lange scheinet der Sonne Strahl, „Es ward eine Schlacht geschlagen 
So lange die Ströme zum Meere reisen, Bei Sedan auf dem Feld, 
Wird noch der späteste Enkel preisen Davon wird man singen und sagen 
Die Leipziger Schlacht." Bis an das Ende der Welt." 
E- M. Arndt. F. Bodenstedt. 
Leipzig und Sedan! An diese Namen knüpfen sich Erinnerungen an 
Kämpfe zweier Nachbarvölker, welche mit unverlöschlicher Schrift ins Buch der 
Weltgeschichte eingetragen worden sind. Beide Namen haben für uns Deutsche 
einen guten Klang; sie werden von uns zu allen Zeiten mit Stolz erwähnt, 
wie es in den vorstehenden Dichterworten ausgesprochen ist. Bei Leipzig wurde 
die Übermacht des großen Napoleon in blutiger Völkerschlacht gebrochen. Besiegt 
und zerrissen floh sein gewaltiges Heer; hinterdrein stürmten die Sieger und 
ruhten nicht, bis der Emporkömmlung vom angemaßten Throne herunter mußte 
und in der Verbannung endete. Die Leipziger Schlacht befreite Europa von 
Franzosenherrschast. — Vor 25 Jahren schlug bei Sedan seine Schicksalsstunde 
dem dritten Napoleon, dessen Frevel und Frechheit ebenso groß war wie die des 
ersten; sein Ende war noch kläglicher. Bei Sedan wurde sein letztes Heer ge 
schlagen, er mitgefangen, vom eigenen Volke verstoßen und verflucht. In fremdem 
Lande endete er in freiwilliger Verbannung sein Leben; er ist verdorben, ge 
storben." 
Vergleichen wir die beiden entscheidenden Schlachtentage nun näher und be 
achten zuerst, was ihnen voraus vorging. Der erste Napoleons war 
der Erbe der ersten französischen Revolution. Durch Krieg und Sieg war er 
emporgekommen. Krieg und Eroberung blieb seine Losung. Ein Volk nach dem 
andern wurde von ihm bezwungen, so daß er schließlich von einer Weltherrschaft 
träumte. Das deutsche Volk namentlich hat Unsägliches gelitten; seine Zwie 
tracht und Ohnmacht erleichterten des Feindes Erfolge. Voll Übermut verkleinerte 
„Der erste Napoleon mußte, durch seine ungezügelte Eroberungs- und Welt 
herrschaftslust getrieben, das alte deutsche Reich, das nicht mehr leben und sterben 
konnte, samt seinen Feudalbildungen zerschlagen und moderne Staatengefüge herbei 
führen, ohne daß es bei uns darüber zu Revolution und Bürgerkrieg kam, und seine wei 
tere Maßlosigkeit rief in den Befreiungskriegen die nationale Erhebung hervor, welche 
wenigstens die Grundlage zur künftigen Einigung wurde. Den andern Napoleon mußte 
sein Intriguen- und Verschwörungsspiel, sein auf Korruption beruhendes Regierungs 
system und das Streben nach Befestigung seiner Dynastie dazu bringen, daß wir nach 
kurzem Bruderkriege das neue Reich gründen und Straßburg und Metz wiedergewinnen 
konnten." Aus einer Zeitbetrachtung in der Luthardtschen Kirchenzeitung. 
D. Schrift!.
	        

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