Full text: Evangelisches Schulblatt - 39.1895 (39)

Zum 2. September 1895. 
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er im Tilsiter Frieden unser Königreich Preußen um die Hälfte, weil es im 
Rückblick auf eine ruhmvolle Vergangenheit es gewagt hatte, sich mit ihm in einen 
Kampf einzulassen. Nachdem er Östreich zweimal besiegt und auch Rußland be 
zwungen, verkündete er 1812 prahlend der Welt: „Asiens Thore haben den 
Donner meiner Geschütze vernommen!" Doch bald leuchtete in Moskaus Brand 
das Morgenrot des Befreiungstages auf. Im Jahr 1813 stellte sich dem 
Völkerbezwinger ein überstarkes Völkerbündnis entgegen. Es folgten die Be 
freiungskriege. Napoleons Stern erbleichte; die Schreckenstage von Leipzig 
bewirkten seinen Nieder- und Untergang. — 
Napoleon der dritte, ein Neffe des ersten, war der Erbe der dritten fran 
zösischen Revolution. Durch List und Gewalt machte er sich zum französischen Kaiser, 
wie sein Oheim. Ihm versuchte er nachzuahmen. War er auch keineswegs so 
tüchtig, wie sein Vorbild, so hatte er doch lange Zeit viel Glück und Erfolg. 
Mit großer Spannung lauschte die Welt viele Jahre deu Aussprüchen des neuen 
französischen Emporkömmlings. Geschickt suchte er durch Kriege den Blick der 
mißvergnügten Franzosen von den inneren Verhältnissen nach außen zu lenken. 
Rußland wurde durch Frankreich im Krimkriege empfindlich gedemütigt; Östreich 
verlor durch Napoleon III. die Lombardei an Italien. In fremden Erdteilen 
hatten französische Truppen Erfolge errungen; Frankreichs Kolonien mehrten sich 
wie seine Seemacht. Da glaubte Napoleon III. Zeit und Umstände dazu an 
gethan, das emporstrebende Preußen zu bezwinge» und die längst ersehnte Rhein 
grenze seinem Volke zu erringen. Er rechnete dabei auf das alte Erbübel des 
deutschen Volkes, die deutsche Uneinigkeit und Zerrissenheit. Aber diesmal hatte 
sich der Schlaue gründlich verrechnet. Sein mit beispielloser Frechheit dem fried 
lichen Nachbar aufgedrungener Krieg kostete ihm die Kaiserkrone und Frankreich 
den Verlust der deutschen Länder, die man ihm allzu großmütig 1815 noch ge 
lassen hatte. Die Begeisterung, Opferwilligkeit und Einigkeit des deutschen Volkes 
im letzten Kriege ist und bleibt ein Glanzpunkt in der deutschen Geschichte. All 
deutschland zog zur „Wacht an den Rhein" und auch nach Frankreich hinein. 
Jede Schlacht war Sieg. Am 1. September 1870 erlag das französische Heer 
abermals in blutiger Feldschlacht; der Rest geriet in deutsche Gefangenschaft 
und mit ihm der französische Kaiser; ohne Heer zog er als Gefangener am 
2. September „ab nach Kassel." 
Leipzig und Sedan brachten die Entscheidung blutiger 
Kriege. Zwar ist nach diesen Tagen noch oft und blutig gekämpft worden in 
beiden Kriegen, weil Frankreich hartnäckig auf einen billigen Frieden verzichtete, 
bis nach der Einnahme von Paris seine Kraft völlig erschöpft war, und es nun 
endlich die ihm vorgeschriebenen härteren Bedingungen annehmen mußte. Beide 
Siegestage erschütterten ein morsches französisches Kaiserreich, daß es zerfiel und 
vom eigenen Volke verwünscht wurde. In beiden Schlachten gebührt den Preußen 
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