Full text: Evangelisches Schulblatt - 39.1895 (39)

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I. Abteilung. Abhandlungen. 
der Löwenanteil des Sieges. Bei Leipzig haben preußische Führer und preußische 
Soldaten das Beste zum Gelingen des großen Werkes vollbracht. Bei Sedan 
bildeten preußische Krieger unter Führung ihres Königs die Mehrzahl des deut 
schen Heeres. An beiden Ruhmestagen bewährte sich so recht die Tüchtigkeit des 
Volksheeres gegen Söldnerscharen, so daß unsere Wehrordnung später von andern 
Staaten nachgeahmt worden ist. 
Beachten wir nun auch den Unterschied der beiden Gedenktage. 
Die Befreiungskriege dauerten länger, als der letzte Krieg. Es gab vor und 
nach der Leipziger Schlacht viele Unglückstage; auch wurden die meisten Kämpfe 
auf deutscher Erde ausgefochten. Aber im letzten Kriege hatten wir nur Siege 
zu berichten, wogegen kleine Unfälle gar nicht in Betracht kommen. Alle 
Schlachtfelder lagen in Feindesland. 
Bei Leipzig kämpften größere Truppenmassen; es war eine „Völkerschlacht," 
worin „die Russen und Schweden, die tapfern Preußen und die nach dem ruhm 
reichen Österreich heißen" alle verbündet gegen Napoleons Scharen stritten. Leider 
wurden die geknechteten Westdeutschen in dieser Schlacht gegen ihre ostdeutschen 
Brüder vom fremden Zwingherrn in den unnatürlichen Kampf geschleppt, „wie 
man das Vieh mit dem Stecken treibt", bis sie in und nach der Leipziger 
Schlacht zu den Siegern übertreten konnten. Ein erfreuliches Bild zeigt Sedau, 
„Hier stritt mit uns im Bunde nur unser Gott allein." Alle deutschen Volks 
stämme stritten unter einer Führung vereint gegen einen Feind; es war 
ein Zweikampf zwischen Deutschen und Franzosen. Teilen sich 
andere Völker mit uns in den Ruhm der Leipziger Schlacht, so ist und bleibt 
Sedan ein deutscher Ehrentag. 
Drei Tage dauerte die Völkerschlacht. Der erste Napoleon zeigte noch 
mals seine Feldherrngröße und wähnte am ersten Schlachttage sogar, noch als 
-Sieger aus dem furchtbaren Kampfe hervorzugehen, weshalb er bei den an 
geknüpften Friedensunterhandlungen seine Forderungen zu hoch schraubte. Ein 
Schlachttag genügte bei Sedan, um Frankreichs Heer völlig zu bezwingen; dessen 
Kaiser war hier schon nicht mehr Feldherr seiner Truppen. Der erste Napoleon 
rettete aus einer verlornen dreitägigen Schlacht noch einen großen Teil des 
Heeres; ja die Macht des fliehenden Feindes war noch so groß, daß selbst ein 
starker deutscher Heeresteil es nicht ungestraft wagen konnte, ihm den Weg zu 
verlegen. Die vielköpfige Leitung der verbündeten Heere ermöglichte und er 
leichterte Napoleons Abzug aus Deutschland. Bei Sedan hingegen machten die 
Deutschen reine Arbeit. Durch einheitliche und geschickte Führung der deutschen 
Truppen wurde das französische Heer so geschickt umstellt, daß seine tapferste 
Gegenwehr unnütz und eine Flucht unmöglich war. Nach verlorner Schlacht 
zogen die französischen Truppen mit ihrem Kaiser — aber ohne Waffen nach 
Deutschland in Gefangenschaft. Bei Leipzig ist das Blutbad viel gräßlicher gewesen
	        

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