Full text: Evangelisches Schulblatt - 39.1895 (39)

Zum 2, September 1895. 
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als bei Sedan; auch ging von den zahlreichen Verwundeten durch mangelhafte 
Pflege ein großer Teil zu Grunde. Bald nach der Sedaner Schlacht waren 
die Verwundeten von Freund und Feind in Lazaretten verbunden, und die 
meisten davon genasen unter treuer, geschickter Pflege. — Verwundete Krieger 
aus den Befreiungskriegen fristeten später oft ein kümmerliches Dasein; ihr Vater 
land war durch die vielen Kriege zu arm geworden, um gebührend für seine In 
validen sorgen zu können. Die reichliche französische Kriegsentschädigung beim 
letzten Friedensschluß ermöglichte es auch, in anständiger Weise das harte Los 
der Schwerverwundeten und die Lage der Hinterbliebenen von Gefallenen zu 
mildern. 
Der Erfolg der Sedaner Schlacht und der andern Siege ist beim 
jüngsten Friedensschluß von unserer Diplomatie besser ausgenutzt 
worden, als der Erfolg der Leipziger Schlacht beim Pariser Frieden. Da 
mals hatten auf unserer Seite auch andere Völker mitzureden, und so konnte es 
geschehen, daß deutsche Landesteile in fremdem Besitz verblieben. Nicht umsonst 
klagte Held Blücher: „Was wir mit dem Schwerte erwarben, das haben uns 
die Federfuchser verdorben!" Der „eiserne" deutsche Reichskanzler hat im Franko 
furter Frieden die Erfolge der deutschen Waffen auch zum Vorteile unseres 
Vaterlandes auszunutzen verstanden. Der Rhein ist Deutschlands Strom; die 
lange vermißten Grenzländer Elsaß-Lothringen sind wieder mit dem Mutterlande 
vereinigt. 
Die Befreiungskriege zerstörten das stolze französische Kaisertum; aber e i n 
neues deutsches Kaiserreich kam nicht zustande. Dem deutschen 
Volke blieb seine Zerrissenheit, Vielherrschaft und — Ohnmacht; fremder Einfluß 
durfte sich noch viele Jahre zu Ungunsten unseres Volkes geltend machen. Se 
dan hingegen besiegelte die deutsche Einheit, offenbarte unseres 
Volkes Stärke; der Gründung eines neuen deutschen Kaisertums unter Preußens 
Führung stand nun nichts mehr hindernd im Wege. Das französische Kaiserreich 
sollte nach Napoleons III. Ausspruch den Frieden bringen; aber es brachte 
Angriffskriege bis zu seinem Sturze. An seine Stelle trat das neue deutsche 
Reich als Hort des Friedens. Wenigstens bis jetzt hat sich das Dichterwort 
bewährt: 
„Nun mög' verwandelt werden 
Das Schwert zum Palmenzweig 
Und Friede sein auf Erden, 
Beschützt vom deutschen Reich!" 
Deutschland ist zur Weltmacht geworden seit dem Tage von 
Sedan. 
Jahrzehntelang ist der Leipziger Schlachtentag in Deutschland gefeiert 
worden mit Glockengeläute und Böllerschüssen, mit Flaggeuschmuck und Freuden-
	        

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