Full text: Evangelisches Schulblatt - 39.1895 (39)

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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc. 
feuern, mit Ausflügen ins Freie und in gastlichen Zellen, mit Gesang bei 
Becherklang. Allmählich nahm dies ab; die Glut der ersten Begeisterung schien 
äußerlich zu erlöschen, flammte aber immer hellleuchtend wieder auf, wenn uns 
der „alte böse Feind" aufs neue mit Krieg bedrohte. Dann saugen die Deutschen 
ihr Trutzlied: 
„Sie sollen ihn nicht haben 
Den freien deutschen Rhein, 
Ob sie wie gier'ge Raben 
Sich heiser darnach schrein." 
Die Erinnerung an die großen Thaten der Befreiungskriege pflanzte sich im 
deutschen Volke fort von Geschlecht zu Geschlecht und schwellte den Mut zu ähn 
lichen Heldenthaten. Ja die Siege der Enkel haben die Erfolge der Großväter 
übertroffen. - 
An Leipzigs Stelle ist Sedan getreten. Nach Abschluß dieser 25jährigen 
Gedenkfeier wird der Sedantag unserem Volke noch lange ein lieber Gedenktag 
bleiben, wenn er auch dann nicht mehr in früherer Art allgemein gefeiert wird. 
Das deutsche Volk will den Frieden, wie solches auch unser erhabner Herrscher 
wiederholt versichert hat. Aber „es kann der Frömmste nicht in Frieden bleiben, 
wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt." Sollte unserem deutschen Volke noch 
mals der Krieg aufgezwungen werden (— was Gott verhüten wolle! —), dann 
möge unser Heer abermals als Sieger aus einem die Welt erschütternden Kampfe 
hervorgehen! Gott schütze unser Volk und segne unsern lieben Kaiser! 
II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens, Biogra 
phien, Korrespondenzen, Erfahrungen aus dem Schul- 
und Lehrerleben. 
Zur Reform der Klasseuorganisation. 
Die Konferenz der vereinigten Elberfelder Herbart-Vereine beschäftigte sich 
in mehreren Sitzungen mit der „Durchführung der Schulklassen," einer Arbeit 
von Joh. Tews, die in dem XXI. Jahrbuch des Vereins für wissenschaftliche 
Pädagogik Seite 120—248 abgedruckt ist. Die Abhandlung ist durchdrungen 
von einer idealen Auffassung der Schule und des Lehrerberufes und mit einer 
Ursprünglichkeit und Frische geschrieben, daß sie jeder Lehrer trotz ihres umfang 
reichen Inhaltes von Anfang bis zum Ende mit anhaltendem Interesse lesen wird. 
Sie will darthun, daß unser jetziges Klassensystem mit seinen jährlichen Ver 
setzungen der Schüler von einem Lehrer zum andern zu schweren pädagogischen 
Bedenken Veranlassung giebt, und statt dessen eine Schuleinrichtnng empfehlen, bei 
welcher Lehrer und Schüler, soweit es möglich ist, bei einander bleiben. An Stelle 
des jetzt üblichen Wechselsystems soll das Durchführungssystem treten, so daß der 
Lehrer mit seinen Schülern von der Unterstufe an durch alle Klassen hindurch bis 
zur Oberstufe aufsteigt und in jeder Klasse den Unterricht thunlichst in allen
	        

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