Full text: Evangelisches Schulblatt - 39.1895 (39)

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Konferenz des ev. Lehrervereins Minden-Ravensberg 
am 6. Juni in Herford. 
(Flicker: Über darstellenden Unterricht.) 
Nach einigen einleitenden Worten erteilte der Vorsitzende Rektor Hark- 
Glltersloh Herrn Kreisschulinspektor Superintendent Kindermann aus Minden 
das Wort zur religiösen Ansprache. Dieser lenkte auf Grund von Ps. 119, 5 
den Blick auf den heute allenthalben auch in der Pädagogik tobenden Kampf 
zwischen Glauben und Unglauben, mahnte, denselben nicht leicht zu nehmen, forderte 
aber auch zu freudigem, zuversichtlichen Auftreten dem mit dem Flitter der Bildung 
sich spreizenden Gegner gegenüber auf, denn „zuletzt ist es ja doch viel schwieriger 
die Vernunft vor der Offenbarung, als die Offenbarung vor der Vernunft zu 
retten." 
Alsdann nahm Rektor Flicker-Barmen das Wort zum Vortrage „über 
den darstellenden Unterricht." Die Hauptgedanken des Vortrages waren 
etwa folgende: 
Obgleich fast 100 Jahre verflossen sind, seit Pestalozzi jenen „höchsten, obersten" 
Grundsatz des Unterrichts zur Anerkennung gebracht hat, daß die Anschauung 
das absolute Fundament aller Erkenntnis ist, so sind doch die größten Meister 
auf dem Gebiete der Pädagogik noch immer an der Arbeit, um die besten Mittel 
und Wege zur Erfüllung jener Forderung zu erforschen. Diese Thatsache mag 
uns aufs neue bezeugen, daß die rechte Vermittelung der Anschauung 
das wichtigste und schwierigste Stück unserer unterrichtlichen Thätigkeit ist. 
Denn es handelt sich hier nicht bloß um die Erkenntnis im gewöhnlichen Sinne, 
sondern um die gesamte Geistesbildung. Leider wird die Wahrheit, daß die An 
schauung das Fundament auch der Gemüts- und Willensbildung sein muß, noch 
heute nicht überall begriffen und beherzigt. Die Anschauungen sind die Nahrungs 
mittel der Kittdesseele, auch die geistlichen, sagt Dörpfeld. 
Besonders schwierig ist die Vermittlung der Anschauung bei denjenigen 
Unterrichtsstoffen, deren Objekte nicht unmittelbar der sinnlichen Wahrnehmung 
dargeboten werden können. Hierher gehören zum Teil die wichtigsten Lehrfächer, 
nämlich Religion, Geschichte, Geographie, Naturkunde (mit Ausnahme der Heimat- 
lichen) und die Behandlung der belletristischen Lesestücke. 
Für diese schwierige Aufgabe bietet sich nuu neuerdings der sog. dar 
stellende Unterricht als die zweckmäßigste und vielleicht einzig richtige Lehr 
weise an. Seine Anwendung ist also zwiefach beschränkt, einmal auf die genannten 
Lehrfächer und sodann auf die erste Operation, auf die Anschauungsstufe. 
Die Einführung d. d. U. in die Pädagogik verdanken wir Herbart; doch hat 
weder er noch Ziller sich über das Wesen und die Anwendbarkeit desselben so 
klar und deutlich ausgesprochen wie später Dörpfeld in dem durchaus wertvollen 
Anhange zu seinem „didaktischen Materialismus." (S. a. den Aufsatz von 
Hindrichs, Schulblatt 1888, Heft 3, sowie d. betr. Art. iu Reius eucyklop. 
Handb. der Päd. v. O. Foltz). 
Referent verliest die wichtigsten Erklärungen Herbarts und Zillers über diesen 
Gegenstand und hebt als wesentlichen Kern besonders den Satz heraus: Das 
räumlich und zeitlich Ferne muß aus den im Anschauungskreise des Kindes liegenden 
Elementen so zusammengesetzt werden, daß die Täuschung in ihm entsteht, als ob es 
wirklich gesehen und überhaupt sinnlich wahrgenommen werde; denn ihrer Natur
	        

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