Full text: Evangelisches Schulblatt - 39.1895 (39)

Kleine Chronik. 
361 
Hermann Beyer in Langensalza erschienen, umfaßt 21 Seiten und kostet 40 Pf. 
Wir empfehlen ihn allen Lehrern und Freunden der Volksschule aufs beste. Einige 
Abschnitte aus der Schrift, die „dem Andenken Friedr. Wilh. Dörpfelds" gewidmet 
ist, werden den Inhalt genügend kennzeichnen. 
S. 6. „Eine Gesellschaftsordnung, die sich von ethischen Gesichtspunkten 
durchdriugen und leiten läßt, wird daher in erster Linie darauf sehen, daß denen 
die Wege für eine freudige Berufserfüllung geebnet werden, denen sie die Erziehung 
der Jugend anvertraut. Daß dies bisher noch nicht geschehen ist, weiß jeder. 
S. 10. Wie im Forstwesen Forstmeister die Aufsicht führen, die, aus der 
Mitte der Förster herausgewachsen, die gründlichste Kenntnis der Forstkultur mit 
der Einsicht in die persönlichen Lebensbedingungen der Forstbeamten verbinden, so 
sollen im Schulwesen Schulmeister die Aufsicht führen. Wie auf alle» anderen 
Gebieten der unumstößliche Grundsatz gilt, daß die Aufsicht eines bestimmten 
Faches nur von Fachleuten und von Fachkenuern geführt werden kann, so sollte 
es auch auf dem Gebiete des Erziehuugswesens nur eine Fachaufsicht geben. In 
keinem Fall ist einzusehen, warum dieses Gebiet, das an Wichtigkeit in dem Leben 
des Volkes doch keinem andern nachstehen dürfte, hierin eine Ausnahme von der 
allgemeinen Regel bilden sollte, nachdem es sich zu einem selbständigen Zweig 
der Kulturarbeit entwickelt hat. Oder sollte diese Thatsache einem Zweifel unter 
liegen? Wer da zweifelt, weiß nichts von der Entwicklung der Pädagogik, 
speziell der Volksschulpädagogik, seit Pestalozzi, Herbart, Harnisch, Diesterweg, 
Dörpfeld u. a. 
S. 11. Der Staat darf sich in allen Instanzen der Schulaufsicht nur der 
Fachmänner bedienen, die theoretisch gründlich durchgebildet und praktisch erprobte 
Männer sind. Nur unter solcher sachkundigen, warm fühlenden und einheitlichen 
Leitung kann das Schulwesen gedeihen. Selbst vorausgesetzt, daß alle nicht fach 
männisch gebildeten Schulaufseher von dem besten Willen beseelt und von Eifer 
und Liebe für die Sache getragen sind, so fragt es sich doch bei der umfassenden 
Entwicklung der Methodik der Unterrichtsfächer, ob der gute Wille ausreichend, 
ob der Sache und den Personen damit geholfen sei. Wir können nur den Stand 
punkt aller der Staatsregierungen gutheißen, die vor allem in die Kreisschul 
inspektionen nur Fachmänner eingesetzt und das Kreisschulamt damit als Hauptamt 
eingerichtet haben. 
S. 13. Die Einsichtigen und Verständigen unter den Geistlichen, die sich 
auf einen höheren Standpunkt erheben können, werden deshalb ohne weiteres dem 
Satze zustimmen, daß die Geistlichen von der Fachaufsicht über die Schule ent 
bunden werden müssen, weil die Förderung des Schulwesens nach der technischen 
Seite hin heutzutage nur von Personen erwartet werden kann, die ihre Lebens 
aufgabe in der Bethätigung auf diesem Felde erblicken. Mögen es jetzt noch nur 
wenige unter den Geistlichen sein, die freiwillig von der Schulaufsicht zurücktreten 
wollen, ihre Zahl wird steigen, so wie man sieht, daß aus der äußeren Trennung 
der in der technischen Ortsschulaufsicht in unnatürlicher Weise zusammengeschmiedeten 
Glieder eine innere Vereinigung erwachsen wird, bei der beide Teile fröhlich ge 
deihen. Ja ich möchte sagen, die Beseitigung der technischen Ortsschulaufsicht liegt 
noch mehr im Interesse der Kirche als der Schule, vorausgesetzr, daß es ihr 
nicht darum zu thun ist, ein Herrschaftsgebiet äußerlich zu behaupten, sondern 
um Förderung des Volkes in allem Guten. Letzteres ist ein echt evangelischer 
Gedanke.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.