Full text: Evangelisches Schulblatt - 39.1895 (39)

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I. Abteilung. Abhandlungen. 
solche von 3 m für das größere nicht als übermäßig bezeichnet werden. Demnach 
ist bei einer Haustiefe von 14 m eine Bodenersparnis von 14 qm vorhanden. 
Wer denken würde, daß auch au der Abortanlage durch Einrichtung großer 
Systeme Bodenersparuisse gemacht werden könnten, der wäre in Gefahr, der 
Lächerlichkeit anheim zu fallen. Nirgends würde die Sparsamkeit übler angebracht 
sein als bei den Aborten, daher für deren Anlage als feststehendes Gesetz gelten 
muß: Für die doppelte Anzahl der Personen ist auch die Gelegenheit zur Be 
friedigung unabweislicher Bedürfnisse zu verdoppeln. Da man aber selbst in 
unserer fortgeschrittenen Zeit noch nicht auf den Gedanken gekommen ist, diese 
Lokalitäten bei Schulanstalten in die Höhe wachsen zu lassen, um an Fläche zu 
ersparen, so ist unwiderleglich, daß an dieser Stelle durch Einrichtung großer 
Schulsysteme schlechterdings nichts herausgeschlagen werden kann. 
Zusammenfassung: 
1. Achtklassige Schulen benötigen eines doppelt so großen Spielplatzes 
als vierklassige. 
2. Achtklassige Schulen bedürfen im allgemeinen einer doppelt so großen 
Baufläche als vierklassige. 
3. Eine unwesentliche Flächenersparnis könnte die achtklassige Schule durch 
eine bestimmte Anlage des Flurs erzielen. 
4. Bei der Abortanlage ist eine Flächenersparnis unbedingt ausgeschlossen. 
Nun der Bau selbst. Die erste Arbeit beim Hausbau ist die Ausschachtung 
des Bodens. Dieselbe wird per cbm der ausgeschachteten Erdmasse berechnet. 
Die doppelte Baufläche verursacht demnach die doppelte Ausgabe für die erwähnte 
Arbeit. Für unsere in Vergleich gestellten Schulbauten folgt hieraus eine Er 
sparnis zu Gunsten des achtklassigen Systems. Sie entspricht den Kosten, welche 
die Aushebung der auf die oben herausgefundene Flächenersparuis von 14 qm 
entfallenden Erdmasse verursacht. Bei einer Tiefe von 2,5 m beträgt diese Erd 
masse 14 X 2,5 - 35 06m Da auf gewöhnlicher Bodenart 1 cbm mit 
0,50 M. bezahlt wird, ergiebt sich ein Vorteil von 35 X 0,50 - 17,50 M. 
Bei der Maurerarbeit ist jedoch ein größerer Nutzen zu konstatieren, indem 
nicht weniger als zwei ganze Giebelwände profitiert werden, wenn man statt 
zweier vierklassigen Schulen eine achtklassige erbaut. Was diese Ersparnis in 
Geldes Wert bedeutet, ist nicht schwierig auszurechnen. Die Breite der Wand 
betrage 14 m, (die Klassenzimmer sind dann reichlich 6 m breit), die Höhe bis 
zum Dachsims 17 m, und nehmen wir statt des übrigen Dreiecks bis zur Firste 
ein Rechteck vou 3 m Höhe an, so beträgt die Wandfläche (17 -f- 3 . 14 = 280 
qm.) Bei einer durchschnittlichen Mauerstärke von 0,50 m erhalten wir für eine 
Wand 140 cbm Mauerwerk, für die beiden Wände 280 cbm. Der Preis 
eines cbm stellt sich auf 14 M. Demnach sind zu Gunsten der achtklassigen 
Schule zu verrechnen 280 . 14 - 3920 M.
	        

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