Full text: Evangelisches Schulblatt - 39.1895 (39)

Kleine Chronik. 
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Auswahl von geeigneten Bibeltexten und Liederversen für alle Tage des Jahres. 
Nun wird aber keine freie Ansprache, sondern nur ein Gebet nach „der freien 
Wahl dessen, der die Andacht hält," im Anschluß an die Schriftverlesung vorgesehen. 
Die Schriftstellen sollen sich also jedes Jahr wiederholen und so den Schülern 
vertraut werden. Und gewiß sind es nicht zu wenige. Herr Koppelmann meint 
in einer Anzeige dieser Schulagende (Zeitschr. f. Relig.- U. V. S. 241) wohl 
nicht mit Unrecht, daß auch ein ganzer Jahrgang verschiedener Texte schon zu viel 
für die Schüler seien; es laufen in einer so großen Zahl auch zu schwierige 
unter. Borne mann erklärt sich überhaupt gegen eine Schulagende, denn er 
fürchtet, unsere Jugend hat für liturgisches Handeln und regelmäßige Schrift 
verlesung ohne Erklärung weniger Sinn und kann sich gar leicht gerade durch 
tägliche, agendarische Andachten eine gewisse Unaufmerksamkeit bei der Verlesung 
der heil. Schrift angewöhnen. Denn nur wenige Schristtexte können durch bloße 
Verlesung jugendlichen Gemütern innerlich angeeignet werden und wirklich zum 
Verständnis gebracht werden" (Vorwort zu Bornemann Schulandachten). Ich 
stimme dem zu und sehe dadurch wieder das an die Spitze gestellte Princip 
bestätigt, daß die Schulandacht ohne nähere Beziehung auf den Religionsunterricht 
Gefahr läuft unfruchtbar und darum schädlich zu werden. Damit ist aber solchen 
fein zusammengestellten Lektionarien wie dieser Zangeschen kleinen oder der großen 
Palmieschen Schulagende durchaus nicht ihr Wert und mittelbare Brauchbarkeit 
für ihren Zweck abgesprochen. Die liturgischen Schulfeiern Weihnachten, 
Luthers Geburtstag rc., die Zange bietet, scheinen mir interessant zu sein. 
Zu diesem Thema verweise ich auf die beachtenswerten Aufsätze von Koppel 
mann, der ebenfalls von einer notwendigen engen Beziehung der Andacht aus 
deu Religionsunterricht redet, wenn auch in anderem Sinne wie wir, Zeitschr. f. 
Rel.- U. IV. S. 177 ff; sowie von Rinneberg a. a. O. IV. S. 158 ff. 
der mit Wärme und überzeugender Kraft sich gegen solche Schulgebete wendet, die 
keine wirklichen Gebete sind, sondern belehren, ermahnen, zurechtweisen wollen, 
das Kind sozusagen anbeten, überhaupt gegen Andachten, die bloß aus „Schul 
gebeten" bestehen. 
Schließlich nenne ich noch ein Buch unseres verehrten Mitarbeiters Seminar 
direktor G. Heine, das obwohl nicht streng zu unserm Thema gehörig, doch in 
diesem Zusammenhang neben dem oben gerühmten Band Kinderpredigten von 
Tiesmeyer-Zauleck erwähnt zu werden verdient. Heines Kinderpredigten 
über Geschichten aus dem Alten Testament/) zeichnen sich durch schlichte 
ruhige Darlegung des Gedankengehaltes der biblischen Geschichten aus und können 
auch sehr wohl zur unterrichtlichen Darbietung im Dörpfeldschen Sinne mitbenutzt 
werden. Geistreich und sehr brauchbar sind auch die Kinderpredigten von 
Decoppet, übersetzt von O. Gleiss. Doch müßte dies Thema der Kinder- 
predigten wohl noch einmal besonders und principiell besprochen werden, v. Rohden. 
Kleine Chronik. 
Gegen die Lchulkasernen. 
Während man in Elberfeld dazu übergegangen ist, einzelne der mit der 
Zeit zu sehr angewachsenen Schulsysteme in je zwei selbständige Anstalten zu zer- 
9 Cöthen 1889, Verlag von Paul Schettlers Erben. 278 S. Preis 3 M.
	        

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