Full text: Evangelisches Schulblatt - 39.1895 (39)

Kleine Chronik. 
399 
trieben wird, wie die Klassen organisiert sind, das kümmert sie nicht. Mit 
kleineren, einfachen Gebäuden kann man nicht nach außen imponieren. Mich 
wundert immer, daß die Ärzte keine Einsprache erheben, die doch jede Kleinigkeit 
in der Schulhygiene aufgreifen. Wenn etwa 30 oder 25 Klassen mit 1000 
Schülern zusammengehäuft sind, so entsteht doch rings herum eine Schulatmosphäre, 
die gewiß unter Umständen sehr schädlich sein kann. Bei allen epidemischen 
Krankheiten, Keuchhusten, Masern rc. muß dann das ganze Haus geschlossen 
werden, während man bei kleineren Schulhäusern nur das betreffende zu schließen 
hat. Diese großen Schulsabriken begünstigen auch das Fachlehrersystem, über 
haupt die Verwendung von Lehrern in verschiedenen Klassen; man kann bei 
großen Schulsystemen die verschiedenen Konfessionen besser vereinigen, das sind 
angebliche Vorteile, die aber eher Nachteile sind. Kalt, wie der ganze große 
Steinpalast, so ist auch die Schularbeit darin; jeder ist nur ein Glied einer 
großen Kette, die wenig Zusammenhang hat. Konferenzen mit 25—30 Lehrern 
sind gewöhnlich nicht fruchtbar. Es fehlt solchen Schulen das herzliche Band, 
das alle Glieder vereinigt, und wie bei solcher Fabrikarbeit eine Berufssreudigkeit 
entstehen soll, das ist mir unbegreiflich. Nicht unbedeutend sind auch die Störungen 
auf den Treppen, im Hofe, in den Aborten; denn die Lokalitäten sind doch 
nicht dutzendweise vorhanden; da giebt es mit der Aussicht so viele Unannehmlich 
keiten, wovon der Bauherr nichts weiß, die aber einem die Schule verleiden 
können. 
Doch solange noch auf den Bureaus, am grünen Tisch, pädagogische Rück 
sichten unbekannt sind, so lange werden wir nichts ausrichten. Auf die Ärzte 
hört man noch am meisten; doch diese schweigen über den Gegenstand, und die 
Lehrer — na, die braucht man nicht zu fragen. 
So steht's." 
Hiermit schließen wir die Reihe der gutachtlichen Zeugnisse über die 
Schulkaserne. Wir haben sie zusammengestellt, damit sie, zum Chore verstärkt, 
um so lauter und eindringlicher ihre Stimmen erheben wider jenen verderblichen 
Größenwahn. Es liegt uns nun noch ob, allen denen, die unserem Unternehmen 
ihre Unterstützung geliehen, herzlichen Dank zu sagen für den Dienst, den sie der 
Schule erwiesen haben. Möge ihr Zeugnis überall die Beachtung finden, die es 
verdient; möge die, Einstimmigkeit ihres Urteils dazu beitragen, daß die Wahrheit 
allenthalben ihre befreiende Wirkung äußert! 
Elberfeld. Aug. Lomberg. 
Zur Schulanfflcht. 
Die Stöckersche Kirchenzeitung giebt in Nr. 10 eine summarische Bericht 
erstattung über eine Pfarrvereinskonferenz zu Gießen am 20. Febr. dss. Jahres, 
welche „das Recht der Kirche an die Schule" behandelte. Wir entnehmen ihr die 
von dem Referenten Direktor Prof. Dr. Zimmer aufgestellten Thesen. 
1. Das Recht der Kirche an die Schule ist das Korrelat der Pflicht der 
Kirche, die Lämmer zu weiden. 
2. Die Seelsorge an den Unmündigen übt die Kirche nicht durch die Geist 
lichen, die zur Seelsorge der Erwachsenen berufen sind, sondern durch die Eltern 
in der Familie, durch die Lehrer in der Schule. Der Seelsorger der Kinder 
30*
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.