Full text: Evangelisches Schulblatt - 39.1895 (39)

Die formalen Stufen in ihrer Anwendung auf poetische Lesestücke. 413 
aus Trochäen zusammengesetzt, die Zahl der Trochäen ist verschieden. L.: Drücke 
das ganze Ergebnis der Vergleichung durch einen allgemeinen Satz aus! Sch.: 
In manchen Gedichten bestehen die Verse aus Jamben, in ande 
ren aus Trochäen. Die Zahl der Jamben und Trochäen ist ver 
schieden. Ein Jambus besteht aus einer Senkung und einer 
Hebung, ein Trochäus aus einer Hebung und einer Senkung. 
L.: Fünfter Satz ? Sch.: Die Verse reimen sich. L.: Vergleiche nach 
dieser Seite hin andere Gedichte! Sch.: Auch in ihnen reimen sich die Verse. 
L.: Vergleiche aber das Gedicht „Das Amen der Steine," „Ein Schifsbruch!" 
Sch.: Die Verse reimen sich nicht. L.: Allgemeiner Satz? Sch.: In den 
ni e i st e n Gedichten reimen sich die Verse. 
L.: Letzter Satz? Sch.: Die Reime folgen aufeinander in der Ordnung 
ababcdcd. L.: Vergleiche andere Gedichte! Sch.: Die Reimfolge 
ist in verschiedenen Gedichten verschieden. 
L.: Stelle die allgemeinen Sätze zusammen, die wir gefunden haben. 
Methode. 
L.: Wende diese Sätze auf das Gedicht „Der Ring des Polykrates" an! 
Sch.: Das Gedicht „Der Ring des Polykrates" besteht aus Strophen, die Zahl 
der Strophen beträgt 16. Jede Strophe besteht aus Versen, die Zahl der Verse 
beträgt 6. Jeder Vers ist aus Jamben zusammengesetzt; Vers 1, 2, 4 und 5 
bestehen aus vier Jamben und einer Senkung, Vers 3 und 6 aus vier Jamben. 
Die Verse reimen sich; die Reimfolge bezeichnen die Buchstaben a a b c c b. 
L.: Sprich dich in gleicher Weise über das Gedicht „Kaiser Rudolfs Ritt zum 
Grabe" aus! —- Renne Wörter, die einen Jambus, einen Trochäus bilden! 
Sch.: gesund, erfreut, behend, beherzt, gewiß — lieben, sehen, reiten, scherzen, 
lachen, Fähre, Lehne, Höhe. L.: Was möchtest du lieber entbehren, Verse und 
Reime, oder den interessanten Inhalt? Sch.: Verse und Reime! L.: Begründe 
das Urteil in Bezug auf das Gedicht „Der blinde König!" Sch.: Die Ge 
schichte, die darin erzählt ist, gefällt uns auch dann, wenn Verse und Reime 
fehlen. Es ist so rührend, wie der alte, blinde König den Raub seiner Tochter 
beklagt. Es ist schön, daß Gunilde ihren alten Vater durch Harfenspiel und 
Gesang zu erfreuen sucht. Es ist schön, daß der Königssohn so mutig ist; er 
liebt Vater und Schwester, wagt sein Leben, um Gunilde zu befreien und sie 
dem Vater wiederzugeben, dem sie so lieb ist. L.: Was brauchen wir nicht, um 
diese Schönheiten zu erkennen? Sch.: Wir brauchen Vers und Reime nicht 
dazu. L.: Aber? Sch.: Dadurch, daß der Dichter in Versen spricht, und daß 
sich die Verse reimen, wird die Erzählung noch schöner. L.: Renne schöne 
Prosaerzählungen! Sch.: „Lohengrin," „Wenn die Rot am größten, ist Gottes 
Hilfe am nächsten," „Gudruns Entführung und Befreiung," „Siegfrieds Werbung,"
	        

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