Full text: Evangelisches Schulblatt - 39.1895 (39)

414 
I. Abteilung. Abhandlungen. 
..Siegfrieds Tod." L.: Wie nennt man solche Männer, die einen schönen In 
halt auch schön darzustellen wissen? Sch.: Man nennt sie Dichter. L.: Wozu 
muß also ein Dichter imstande sein? Sch.: Einen schönen Inhalt schön darzu 
stellen. L.: Wie heißt der Dichter des Gedichts, von dem wir ausgegangen 
sind? Sch.: Ludwig Uhland. L.: Welche Gedichte von Uhland kennst du schon? 
Sch.: „Der gute Wirt/' „Lied eines Armen," „Schwäbische Kunde," „Der gute 
Kamerad." L.: Nenne andere berühmte Dichter! 
II. Theoretische Erläuterungen. 
Gut Ding will Weile haben. Das gilt auch von der Erkenntnis der sog. 
formalen Stufen und ihrer durchweg richtigen Anwendung auf die 
verschiedenen Unterrichtsstoffe. Die Theorie der Formalstufen, obgleich ursprüng 
lich von Herbart herrührend, hat doch erst durch Ziller eine praktische Be 
deutung, einen Einfluß auf den Unterricht der Gegenwart gewonnen. Unter den 
Schriften, die Zillers Ideen weiteren Kreisen zugänglich machten, müssen in erster 
Linie Neins „Schuljahre" und Staudes „Präparationen zu den biblischen Ge 
schichten" genannt werden. Das „Erste Schuljahr" wurde von Dörpfeld u. a. 
auch deshalb so freudig begrüßt, weil es an einer ganzen Reihe von Beispielen 
zeigte, daß sich mit den Ausdrücken „Analyse, Synthese, Association, System, 
Methode" ein Sinn, und zwar ein sehr bedeutungsvoller Sinn verknüpfen lasse. 
Seitdem ist eine Fülle von Schriften erschienen, die darauf ausgehen, Herbarts 
und Zillers Gedanken dem allgemeinen Verständnis näher zu bringen und für 
die Unterrichtsarbeit zu verwerten. Allein noch sind wir weit entfernt von einer 
allgemeinen Übereinstimmung in der Auffassung der Maßregeln, die den einzelnen 
formalen Stufen obliegen. Insbesondere herrscht große Unklarheit über die Stu 
fen der Association, des Systems und der Methode; sie werden oft 
ganz falsch, d. h. nicht im Geiste Zillers gedeutet, und das geschieht von 
Männern, die sich ausdrücklich zur Zillerschen Theorie bekennen. Nach Zillers 
(und Dörpfelds) Ansicht soll bekanntlich das System aus einem Abstraktions 
prozeß hervorgehen, und es ist Aufgabe der Association, diesen Prozeß 
einzuleiten/) Das Ergebnis der Abstraktionsthätigkeit ist natürlich ein Ab- 
„Der Unterricht bezweckt nicht bloß, daß der Zögling den besonderen Inhalt des 
Neuen sich aneigne. Das soll vielmehr nur den Übergang dazu vermitteln, daß er zu 
dem Allgemein giltigen und Notwendigen gelange, das in jenem Inhalte ver 
borgen ist . . . Das Allgemeingiltige und Notwendige muß aus dem konkreten Inhalte 
früherer Synthesen und dem konkreten Inhalte von Erfahrungen und Gesinnungen des 
Zöglinges so ausgesondert werden, daß es doch fort und fort mit ihm zusammen 
hängt ■ . . Daher geschieht die rechte Aussonderung nur durch einen echten Ab 
straktionsprozeß, bei dem für das Ausgesonderte doch zugleich der Zusammenhang 
mit dem, woraus es hervorgehoben ist, bewahrt wird • . . Jetzt sei die Stufe der
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.