Full text: Evangelisches Schulblatt - 39.1895 (39)

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l. Abteilung. Abhandlungen. 
Abschnittweises Lesen des Gedichts. Sachliche Erläuterungen zu den einzelnen 
Abschnitten. Konzentration, d. h. genauere Betrachtung der Personen, die in dem 
Gedichte vorkommen. Totalauffassung nach dem Schluffe der eingehenden Be 
sprechung (d. h. eine genaue Inhaltsangabe, die die Resultate der Besprechung 
in die Darstellung des Geschehens mit aufnimmt). Ausdrucksvolles Lesen des 
Gedichts, Memorieren und Rezitieren desselben. — Die Schüler werden also 
nur in den Inhalt des Gedichtes eingeführt; die Schönheit der sprachlichen 
Darstellung soll ihnen lediglich durch das ausdrucksvolle Vorlesen zum Bewußtsein 
kommen. Das mag gerechtfertigt sein bei diesem Gedichte und im sechsten Schul 
jahre ; aber wenn wir auf der Oberstufe der Volksschule und bei jedem Gedichte 
so verfahren wollten, so würden wir uns doch einer schweren Unterlassungssünde 
schuldig machen. Kehr z. B. bespricht das Lied vom braven Mann, ohne nur 
ein Wort über die dichterische Bearbeitung des Stoffes zu verlieren; er vertraut 
lediglich der Macht der Erzählung, und sein ganzes Bestreben ist darauf gerichtet, 
Charaktere, Handlung und Situationen recht anschaulich zu machen (vgl. Kehr, 
Anweisung zur Behandlung deutscher Lesestücke. 8. Ausl. S. 452 ff.). Das ist 
löblich, sogar die Hauptsache, aber doch nicht genug. Der Genuß, den die Dich 
tung den Kindern gewährt, wird entschieden erhöht, wenn wir sie aus die meister 
hafte Behandlung der Sprache, das Charakteristische derselben aufmerksam machen 
(z. B. Es dröhnt und dröhnte dumpf heran — Die Schollen rollten Stoß aus 
Stoß u. s. w.). Eberhardt vergleicht das Gedicht mit der überlieferten Prosa 
erzählung und gewinnt dadurch folgende Einsichten: 
Hinzugefügt ist Anfang und Schluß; sie weisen darauf hin, daß die edle 
That durch den Dichter unsterblich wird. 
Hinzugefügt ist ferner die eingehende Schilderung des Tauwetters, die Ur 
sache der Zerstörung der Brücke. Wir sehen so das Unglück nach und nach 
heranziehen, unsere Teilnahme wird dadurch mehr erregt. 
Hinzugesetzt ist die anschauliche Schilderung der Ankunft des Grasen, des 
Bauersmannes (der Graf 'auf edlem Roß, von fern schon den Beutel schwenkend, 
der Bauer im Kittel am Stabe u. s. w.). 
Hinzugesetzt ist die dreimalige Fahrt. Dadurch wird das Wagnis größer, 
die That noch verehrungswürdiger. 
Bürger ist ein Meister der Sprachmalerei, besonders gelingt ihm die Dar 
stellung des Schauerlichen. 
Auch das Metrum ist der Erzählung angemessen. Die vier ersten Verse 
jeder Strophe sind reine, vierfüßige Jamben, in den beiden letzten Versen wird 
der zweite und dritte Versfuß durch Anapästen ersetzt. Dieser geschickt angebrachte 
Wechsel entspricht ganz dem Geschilderten. Haben nämlich die vier ersten Verse 
stets die Aufgabe, ein Vorkommnis in einfacher Weise zu schildern, so soll der 
erregte Gang der Anapästen bald die zerstörende Gewalt der Elemente („segle
	        

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