Full text: Evangelisches Schulblatt - 42.1898 (42)

Februar 1898. 
Wider die Schulkasernen. 
Wie wir seinerzeit berichteten (Ev. Schulbl. 1897 S. 225), ist in Barmen 
eine „Freie Vereinigung ev. Schulvorsteher" entstanden. Diese Vereinigung bat 
ihre erste Aufgabe darin gesehen, wider die „Schulkasernen", zu denen man trotz 
aller, Gegenvorstellungen und trotz des Widerspruchs der beteiligten Schulvorstände 
seit einigen Jahren auch in Barmen übergegangen ist, Front zu machen. Die 
Denkschrift, die sie zu diesem Zwecke an das Stadtverordneten-Kollegium 
richtete, dürfte auch wohl weitere Kreise interessieren, weshalb wir sie in Folgendem 
der Hauptsache nach wiedergeben. 
Barmen, im Januar 1898. 
Unsere städtischen Behörden sind in den letzten Jahren bei den Neubauten 
für Volksschulen von den 8klassigen zu größeren — 9-, 12-, 14-, 16klassigen — 
Schulsystemen übergegangen. Die hiesige Freie Vereinigung evangelischer Schul- 
vorsteher hat nun diese Angelegenheit in vier Sitzungen, an denen insgesamt 
120 Barmer Schulvorsteher teilnahmen, eingehend geprüft und allseitig erörtert 
und in der letzten Versammlung einstimmig beschlossen, ihre Bedenken gegen die 
großen Schulsysteme der Stadtverordnetenversammlung in der vorliegenden Ein 
gabe zu unterbreiten. 
Die Nachteile der mehr als 8 Klassen umfassenden Schulsysteme erblicken 
wir hauptsächlich in folgenden Übelständen: 
1. Die für den Erfolg der Schularbeit durchaus notwendige Einheitlichkeit 
in Unterricht, Erziehung und Schulleben und die Einmütigkeit im 
Lehrerkollegium werden hier ungemein erschwert, ja fast unmöglich gemacht. 
2. Die 16klassigen Schulen mit 1000 und noch mehr Schülern sind nicht 
imstande, dem einzelnen Kinde die notwendige individuelle Be 
rücksichtigung und Pflege angedeihen zu lassen. 
3. Die Verbindung zwischen den beiden Erziehungsfaktoren, die am meisten 
zu gemeinsamer, sich gegenseitig unterstützender Arbeit berufen sind — der 
Familie und der Schule — wird gelockert, wenn nicht ganz zerrissen. 
4. Mit der Größe der Schulsysteme steigert sich auch die Gefahr, daß bei 
dem einzelnen Lehrer das Gefühl der Verantwortlichkeit, das 
Interesse an der Schularbeit und die Berufsfreudigkeit ab 
nehmen. Dazu wird einer großen Zahl der zu einer leitenden Stellung 
berechtigten und befähigten Lehrer die Aussicht auf ein Vorwärts- und 
Aufwärtskommen geraubt. 
5. Mit den übergroßen Schulen sind auch Nachteile äußerer Art verbunden, 
z. B. die Gefahren, welche für die Kinder durch die Massen - 
ansammln ng in den Straßen entstehen, die damit verbundene Be 
lästigung des Verkehrs, sowie die Vermehrung der Ansteckungs 
gefahr bei epidemischen Krankheiten. 
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