III. Abteilung. Litterarischer Wegweiser.
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daß wir vor der Hand besser thäten, das Gebiet der principiellen Auseinander
setzung zu verlassen. Das gegenseitige Nichtverstehen könnte nur schwinden, wenn
das Studium der beiderseitigen Litteratur jedem, der in dieser Sache sich
beteiligen will, zur ernstesten Pflicht gemacht werden könnte; eine Forderung die
angesichts der Sachlage ganz vergeblich wäre. Vielleicht würde man auf der
Herbartischen Seite weiter kommen, wenn man von den Gegnern lernen wollte,
die ethischen Grundsätze aus die mannigfachen Verhältnisse und Aufgaben des
Lebens anzuwenden; davon würde ja auch die Schularbeit, in erster Linie der
Gesinnungsunterricht, Vorteil haben. Gerade das hat dem Paulsenschen Werk
soviel Freunde erworben, daß es die Anwendung der Ethik auf die vielgestaltigen
Verhältnisse des wirklichen Lebens in so gewandter, anziehender und allgemein
verständlicher Form zeigt. — Wer freilich die Herbartische Ethik in ähnlicher
Weise ausbauen wollte, müßte die Grundlegung derselben viel genauer studiert
und viel mehr nach den gegenseitigen Beziehungen der Ideen durchdacht haben,
als dies bei der evolutionistischen Ethik, die von vorn herein dem Farbenreichtum
des Lebens näher bleibt, erforderlich ist. Die Aufgabe ist gewiß nicht klein.
Hartenstein und Nahlowsky haben in dieser Richtung vortrefflich vorgearbeitet.
Diese Arbeit würde den Herbartianern ein Prüfstein für den Wert ihres Systems
werden können, sie würde zugleich am wirksamsten den Einwand der Gegner von
der Starrheit, dem Mechanismus, der Unanwendbarkeit und Unzulänglichkeit der
Herbartischen Jdeenlehre entkräften helfen. A.
III. Abteilung. Litterarischer Wegweiser.
Zum Geschichtsunterricht.
Besprochen von Adolf Rüde in Rakel a. d. Netze.
Stacke, Hülfsbuch für den Unterricht in der Geschichte. 3. Teil. Neuere Zeit.
2. nenbearbeitete Auflage. 239 S. Oldenburg 1895, Stalling.
Stacke ist durch seine Erzählungen aus der Geschichte recht bekannt geworden. Sie
liegen in vielen Auflagen vor. Sein Hilfsbuch ist weniger verbreitet. Ein kurzes Ein-
leiiungskapitel bespricht die Zeichen einer neuen Zeit und die Bedeutung des branden-
burgisch-preußischen Staates. Die Gliederung des Stoffes ist folgende: Die Entdeckungen.
Die Reformation. Der 30jährige Krieg. Brandenburgisch-preußische Geschichte bis
1640. Die Zeit Ludwigs XIV. Peter der Große und Karl XII. Die Zeit Friedrichs
des Großen. Die französische Revolution und das Kaisertum Napoleons I. Wilhelm I. —
Der Stoff entspricht der Obertertia und Untersekunda. Die Darstellung ist frisch und
lebendig und hebt sich zu ihrem Vorteil von dem Leitsadenstil ab. Auszusetzen ist an
dem Buche, daß es die Kulturgeschichte viel zu wenig berücksichtigt. Abgesehen von den
Entdeckungen an der Schwelle der Neuzeit und einigen Partien bei Kaiser Wilhelm I.
bietet das Buch fast durchweg politische Geschichte. Der Verfasser hat die sonderbare
Auffassung, die kulturgeschichtlichen Stoffe gehörten meist der Litteraturgeschichte an
und sonst überhaupt nicht in die Schule.
Hübner, Handbuch der brandenburgisch-preußischen Geschichte. In ausgeführten Lek
tionen und Lektwnsentwürfen. Mit besonderer Berücksichtigung des kaiserlichen
Erlasses und der neueren Bestrebungen. 500 S. Breslau, Goerlich. Preis 4,80 M.
Der Verfasser war Seminarlehrer, Rektor, Kreisschulinspektor und ist jetzt Seminar
direktor. Seine reiche Erfahrung zeigt sich auch in der Bearbeitung des vorliegenden
Buches. Es ist zunächst jür junge Lehrer bestimmt, die sich auf den Schulunterricht
vorbereiten und sich methodisch fortbilden wollen, und denen doch eine eingehendere
Kenntnis der so reichhaltigen Litteratur abgeht. Das Buch bietet sehr viel Stoff, zieht
auch prosaische Ouellenstücke und Gedichte heran. Der Vorkursus behandelt regressiv