Full text: Evangelisches Schulblatt - 44.1900 (44)

III. Abteilung. Litterarischer Wegweiser. 
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daß wir vor der Hand besser thäten, das Gebiet der principiellen Auseinander 
setzung zu verlassen. Das gegenseitige Nichtverstehen könnte nur schwinden, wenn 
das Studium der beiderseitigen Litteratur jedem, der in dieser Sache sich 
beteiligen will, zur ernstesten Pflicht gemacht werden könnte; eine Forderung die 
angesichts der Sachlage ganz vergeblich wäre. Vielleicht würde man auf der 
Herbartischen Seite weiter kommen, wenn man von den Gegnern lernen wollte, 
die ethischen Grundsätze aus die mannigfachen Verhältnisse und Aufgaben des 
Lebens anzuwenden; davon würde ja auch die Schularbeit, in erster Linie der 
Gesinnungsunterricht, Vorteil haben. Gerade das hat dem Paulsenschen Werk 
soviel Freunde erworben, daß es die Anwendung der Ethik auf die vielgestaltigen 
Verhältnisse des wirklichen Lebens in so gewandter, anziehender und allgemein 
verständlicher Form zeigt. — Wer freilich die Herbartische Ethik in ähnlicher 
Weise ausbauen wollte, müßte die Grundlegung derselben viel genauer studiert 
und viel mehr nach den gegenseitigen Beziehungen der Ideen durchdacht haben, 
als dies bei der evolutionistischen Ethik, die von vorn herein dem Farbenreichtum 
des Lebens näher bleibt, erforderlich ist. Die Aufgabe ist gewiß nicht klein. 
Hartenstein und Nahlowsky haben in dieser Richtung vortrefflich vorgearbeitet. 
Diese Arbeit würde den Herbartianern ein Prüfstein für den Wert ihres Systems 
werden können, sie würde zugleich am wirksamsten den Einwand der Gegner von 
der Starrheit, dem Mechanismus, der Unanwendbarkeit und Unzulänglichkeit der 
Herbartischen Jdeenlehre entkräften helfen. A. 
III. Abteilung. Litterarischer Wegweiser. 
Zum Geschichtsunterricht. 
Besprochen von Adolf Rüde in Rakel a. d. Netze. 
Stacke, Hülfsbuch für den Unterricht in der Geschichte. 3. Teil. Neuere Zeit. 
2. nenbearbeitete Auflage. 239 S. Oldenburg 1895, Stalling. 
Stacke ist durch seine Erzählungen aus der Geschichte recht bekannt geworden. Sie 
liegen in vielen Auflagen vor. Sein Hilfsbuch ist weniger verbreitet. Ein kurzes Ein- 
leiiungskapitel bespricht die Zeichen einer neuen Zeit und die Bedeutung des branden- 
burgisch-preußischen Staates. Die Gliederung des Stoffes ist folgende: Die Entdeckungen. 
Die Reformation. Der 30jährige Krieg. Brandenburgisch-preußische Geschichte bis 
1640. Die Zeit Ludwigs XIV. Peter der Große und Karl XII. Die Zeit Friedrichs 
des Großen. Die französische Revolution und das Kaisertum Napoleons I. Wilhelm I. — 
Der Stoff entspricht der Obertertia und Untersekunda. Die Darstellung ist frisch und 
lebendig und hebt sich zu ihrem Vorteil von dem Leitsadenstil ab. Auszusetzen ist an 
dem Buche, daß es die Kulturgeschichte viel zu wenig berücksichtigt. Abgesehen von den 
Entdeckungen an der Schwelle der Neuzeit und einigen Partien bei Kaiser Wilhelm I. 
bietet das Buch fast durchweg politische Geschichte. Der Verfasser hat die sonderbare 
Auffassung, die kulturgeschichtlichen Stoffe gehörten meist der Litteraturgeschichte an 
und sonst überhaupt nicht in die Schule. 
Hübner, Handbuch der brandenburgisch-preußischen Geschichte. In ausgeführten Lek 
tionen und Lektwnsentwürfen. Mit besonderer Berücksichtigung des kaiserlichen 
Erlasses und der neueren Bestrebungen. 500 S. Breslau, Goerlich. Preis 4,80 M. 
Der Verfasser war Seminarlehrer, Rektor, Kreisschulinspektor und ist jetzt Seminar 
direktor. Seine reiche Erfahrung zeigt sich auch in der Bearbeitung des vorliegenden 
Buches. Es ist zunächst jür junge Lehrer bestimmt, die sich auf den Schulunterricht 
vorbereiten und sich methodisch fortbilden wollen, und denen doch eine eingehendere 
Kenntnis der so reichhaltigen Litteratur abgeht. Das Buch bietet sehr viel Stoff, zieht 
auch prosaische Ouellenstücke und Gedichte heran. Der Vorkursus behandelt regressiv
	        
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