Full text: Evangelisches Schulblatt - 46.1902 (46)

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I. Abteilung. Abhandlungen. 
Metapher von der harten Arbeit unserer Vorfahren, sowie von ihren heiteren 
Spielen, ihrem Glauben und ihrer Sitte. Mit der Bedeutungs- 
Übertragung begann eine neue Periode in der Sprache. Die 
Metapher stiftete immer neue Verschmelzungen und bahnte das Verständnis an; 
sie beleuchtete die Vorstellungen, die sie verband, scharf aber flüchtig; sie nahm 
nicht selten „den Weg durch ein Leises Kontrastieren und erhob sich selbst zu 
einer ästhetischen Bedeutung." *) Sie regte die poetische Gestaltungskraft an^) 
und hob die Sprache empor zur Dichtersprache. Und doch, weil sie 
auch mit Notwendigkeit aus der Natur der menschlichen Seele fließt, machte sie 
sich auch in der volkstümlichen Umgangssprache geltend, die ja immer 
zu Anschaulichkeit und drastischer Charakterisierung neigt. Daher ist sie von 
einem bedeutenden Sprachforscher 3 ) einer der mächtigsten Tragpseiler 
in dem Gebäude der menschlichen Sprache genannt worden. „Wir 
können uns kaum denken, wie irgend eine Sprache ohne sie die einfachsten Ele 
mente hätte überschreiten können, ohne sie würde die Sprache an dem Boden der 
Sinnenwelt haften geblieben sein." Heute zwar erkennen wir auf den ersten 
Blick selten sogleich die Beziehungen eines metaphorischen Wortes oder einer 
Wortverbindung zu dem kulturellen Hintergrund, auf dem sie erwachsen sind. 
Heben wir aber nur leise den Schleier, so entrollt sich ein Kulturgemälde so klar 
und deutlich, daß, wie O. Schräder mit Recht sagt, „etwas Berauschendes über 
uns kommt." 4 ) Ackerbau und Viehzucht, Jagd und Schiffahrt, 
Krieg und Rechts wesen, Ansiedlung und Bauwesen. Ritter 
und Bürgerleben, Spielen und Trinken u. s. w., alle kulturellen 
Erscheinungen haben der Sprache neuen, reichen Inhalt und 
Lebenskraft ausgeteilt. 
Das Ergebnis dieser kurzen theoretischen Untersuchung, daß mit der wach 
senden Kultur 
1. der konkrete Wortschatz reicher werden, 
2. die Sprache durch die Bedeutungsübertragung konkreter Wörter auf 
höhere geistige Gebilde sich in reichem Schmucke ausgestalten mußte, 
soll nun in möglichster Kürze an unserer Muttersprache nachgewiesen werden. 
* * 
* 
Als unsere Vorfahren in grauer Urzeit mit ihren Stammesgenosien, die 
man mit dem gemeinsamen Namen der Jndogermanen bezeichnet, noch als * 2 
1) Vgl hierzu Weise, Unsere Muttersprache. Leipzig 1897. S. 238 ff. — Paul, 
Principien. S. 86 ff. 
2 ) Volkmann, Lehrbuch der Psychologie. Köthen. Bd. I, S. 440. 
2 ) Max Müller, Vorlesungen über die Wiffenschaft der Sprache. Deutsch von 
Böttger. Leipzig. S- 331 f. 
0 Q. Schräder, Der Bilderschmuck der deutschen Sprache. Weimar. S. 1.
	        

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