Full text: Evangelisches Schulblatt - 46.1902 (46)

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I. Abteilung. Abhandlungen. 
sprachlichen Übungen an das Lesebuch anzuschließen, damit sie an einem Gedanken 
inhalte vorgenommen würden. Dafür zeugt ferner die Forderung, daß die 
Aufsatzübungen ihren Inhalt aus dem gesamten Gebiete des Sachunterrichts 
entnehmen sollen. Mit dieser Forderung ist anerkannt, daß die Schriftsprache, 
wenn sie gedeihen soll, ganz besonders auf dem Boden des Sachunterrichts er 
wachsen muß.) 
Soweit dürfte erwiesen sein, daß ein ganz hervorragender Gewinn darin 
steckt, wenn der Sprachunterricht in Verbindung mit dem sachlichen Lernen ge 
halten wird. — Die Sprache erhält ihren Inhalt, die Vorstellungen, aus allen 
Gebieten des Wissens und Erkennens, aus Religion, Geschichte, Naturkunde u. s. w., 
kurz aus den Wissensfächern. „Sie empfängt" bemerkt Dörpfeld so treffend 
in seinem didaktischen Materialismus (3. Aust., S. 65) „ihr inneres Licht von 
den Sachen und leuchtet wiederum mit ihrem Formenlichte in alle Sachgebiete 
hinein. Wenn nun die Methodik eine angemessene Verbindung zwischen Sach- 
und Sprachunterricht fordert, so heißt das nichts anders, als beiden Teilen 
wieder zu ihrem natürlichen Rechte zu verhelfen." Diese wechselseitige 
Förderung kann glücklicherweise auch bei den meisten vorzunehmenden Übungen 
(Lesen, Reden, Hören) geschehen, weil sie für beide Teile, für den Sach- und 
den Sprachunterricht dieselben sind, wie Dörpfeld in seinen Grundlinien (2. Ausl., 
S. 42) ausführt, wo es heißt: „Die drei Lehrmittel, welche der Sachunterricht 
zum gründlichen Durcharbeiten seines Stoffes gebraucht: Hören, Reden, Lesen und 
freies Aussprechen, sind genau dieselben, auf welche auch der Sprachunterrichl 
hingewiesen ist. Jemehr nun einem Lehrer an der Sachbildung gelegen ist, 
je eifriger er demgemäß die drei Lernoperationen treibt, desto erfolgreicher arbeitet 
er zugleich für die Sprachbildung und zwar auf die beste Art, welche die 
Sprach Methodik ersinnen kann. Und umgekehrt: je mehr einem Lehrer die 
Sprachbildung am Herzen liegt, je eifriger er demnach am Wissensstoffe die 
drei sprachlichen Übungen treibt, nämlich durch das wohlpräparierte mündliche 
Lehrwort ein aufmerksames Hören weckt, tüchtig lesen läßt und fleißig das 
freie Aussprechen übt, desto erfolgreicher arbeitet er zugleich für die Sach 
bildung und zwar auf eine Weise, welche die Methodik des Sach Unterrichts 
nicht bester ersinnen kann. — Wenn es sonst Kunst heißt, zwei Töpfe über 
einem Feuer kochen zu können, — hier, bei der Association von Sach- und 
Sprachunterricht, ist es Natur. Doch dieses Bild sagt nicht genug. Jeder 
dieser beiden Lehrzweige kann nicht besser für sich selbst sorgen, als wenn er 
mit eifersüchtiger Liebe für den andern sorgt, — und kann nicht schlimmer sich 
schaden, als wenn er in thörichter Eigensucht von dem andern sich isoliert. 
Kurz, Sachunterricht und Sprachunterricht gehören zusammen wie rechtes 
Bein und linkes Bein, wie rechte Hand und linke Hand, wie Mann und 
Weib, wie Vernunft und Sprache. Vernunft und Sprache, Denken und Reden,
	        

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