Full text: Evangelisches Schulblatt - 46.1902 (46)

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I. Abteilung. Abhandlungen. 
Sieben stufige Schule. 
1. bis 6. Schuljahr: wie in der achtstufigen Schule. 
7. und 8. Schuljahr (Oberstufe): wie auf der Oberstufe der vierklassigen Schule. 
I. Elementarkursus. 
Versuchen wir nun eine kurze Begründung unseres Planes. Scheinbar hat 
derselbe große Ähnlichkeit mit den Plänen von Professor Ziller und dessen An 
hängern, und doch stellen wir uns principiell auf einen andern Boden, nicht auf 
den der kulturhistorischen Stufen, sondern auf den christozentrischen. Unsere 
Schüler sind Christenkinder; in ihren Herzen lebt bewußt oder unbewußt die 
Bitte jener Griechen an Philippus: „Wir wollten Jesum gerne sehen." Diese 
Bitte wird zu einer Aufforderung an uns Lehrer: „Zeiget uns Jesum!" Da 
mit uns das möglich wird, den Kindern auch im Alten Testament Jesum zu 
zeigen in den typischen Personen, den Opfern, Ceremonien und Weissagungen, 
und so die Kinder von dem Schatten auf die Wirklichkeit, von den Vorbildern 
auf das Urbild hinschauen, und es auf allen Stufen von unserm Religions 
unterrichte gesagt werden kann: „Aller Augen, die in der Schule waren, sahen 
auf Jesum": darum bieten wir vor der Behandlung des Alten Testamentes ein 
„Elementares Lebensbild Jesu." Wenn wir auch die Wahrheit nicht bestreiten 
wollen, daß ein gewisser Parallelismus besteht zwischen der Entwickelung der 
Menschheit und der Entwickelung des einzelnen, so ist doch nicht einzusehen, 
daß die Entwickelung des Kindes gerade in den 8 Schuljahren parallel läuft der 
Menschheitsentwickelung. Und vor allem können wir nicht einsehen, warum 
unsere Kinder, die auf den Namen Jesu Christi getauft sind, von dem Heiden 
tum (Märchenstufe) über das Judentum (Geschichten des Alten Testaments) zum 
Christentum geführt werden müsten; uns scheint es vielmehr natürlich, unsern 
Kindern auch das Alte Testament von vornherein in christlicher Beleuchtung zu 
zeigen. Nur so wird die Geschichte des Reiches Gottes auf Erden in Wahrheit 
zu einer Heilsgeschichte, wenn überall die Quelle des Heils, Jesus Christus, im 
Mittelpunkte steht. 
Aber warum fangen wir nicht gleich am ersten Schultage mit dem elemen 
taren Lebensbilde Jesu an, warum beginnen wir mit einem Vorkursus, in dem 
Hey'sche Fabeln, Krummachersche Parabeln und verwandte Stoffe geboten 
werden sollen? 
Auf Grund des bisher Gesagten ist gewiß jedem ohne weiteres klar, daß 
unserer Maßnahme nur psychologische Erwägungen zu Grunde liegen können. 
Wir sind nämlich der Ansicht, daß die biblischen Geschichten weder in 
Bezug auf den Inhalt, noch inBezug auf dieForm demStand- 
punkte ungeschulter sechsjähriger Kinder entsprechen. Es sei uns 
gestattet, dies des näheren nachzuweisen.
	        

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