Full text: Evangelisches Schulblatt - 46.1902 (46)

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I. Abteilung. Abhandlungen. 
später Nahrung oder Weide, man redete daher von Weidwerk, ausweiden, 
weidlich. Von der Jagd rühren ferner folgende Wendungen her: einem 
auf die Spur oder auf die Sprünge kommen, nachspüren, stöbern 
(von ahd. stöuber Jagdhund, verwandt mit Staub), Wildfang. DasWild 
geht durch die Lappen, mit denen ein Jagdgebiet umgeben war, es reißt 
aus. Ein oft durchgetriebenes Wild zeigt Schlauheit, Findigkeit und 
Erfahrung, es ist durchtrieben oder auch mit allen Hunden gehetzt. 
Im Busch findet das Wild Zuflucht; der Jäger muß auf den Busch klopfen, 
dann konnte er etwas Herauskriegen. Hat er es erst einmal auf dem 
Striche oder dem Zuge (des Gewehres), so kann er es erlegen (d. i. 
liegen machen; vgl. das spätere renommierende auf Knall und Fall) und 
bald zieht er ihm die Haut über die Ohren. Bei Treibjagden hielt 
man dem Tiere die Waffe (Spieß, Saufeder, Hirschfänger) entgegen und ließ 
es anlaufen. Ost machte man Gruben, um das Wild hereinfallen zu 
lassen oder legte Fußangeln, Schlingen u. s. w. Der Jagdhund 
mußte eine feine Nase haben oder naseweis (d. i. weise, kundig, erfahren 
mit der Nase) sein, er mußte seine Nase in alles stecken. Von der Fuchs 
jagd rührt das Wort prellen her, das ein Faktitiv von prallen ist. Der 
gefangene Fuchs wurde mit Tüchern in die Höhe geschleudert, geprellt d. i. 
prallen gemacht. Die Versuche des Schlaubergers zu entkommen wurden immer 
wieder getäuscht, daher erklärt sich die Bedeutungserweiterung zu betrügen. — 
Dem sehr beliebten Vogelstellen verdanken ihren Ursprung: nachstellen, 
auf den Leim gehen, auf dasPech gehen, Pechvogel, Pechhaben, 
erpicht auf etwas sein d. i. eigtl. nicht loskommen können, davon an einer 
Sache leidenschaftlich festhalten, ferner alle Pfiffe und Schliche kennen 
(nämlich um die Vögel ins Netz zu locken — vgl. Lockvogel), pfiffig sein 
d. i. sich auf das Pfeifen, die Pfiffe verstehen), Pfiffikus. Als Lockvogel 
diente häufig der von allen Vögeln geneckte Kauz, der dabei die wunderlichsten 
Figuren zeigte, daher: ein seltsamer, drolliger, närrischer Kauz. 
Für Krieg und Kriegsspiel hatten unsere Vorfahren die größte Vorliebe; 
davon zeugt eine Menge Wörter, die heute zwar vielfach eine andere Bedeutung 
angenommen haben oder untergegangen sind, z. B. Ernst eigtl. Kampf, Kampf 
anstrengung. bild, gund, bad, bag u. a., während Kamps ein lat. Lehnwort 
(von campus) und ursprünglich eine Benennung der verfeinerten römischen Fecht 
kunst ist. Reise bezeichnet Aufbruch, Kriegszug (davon Reisige), Schirm 
(ahd. scirm), die Brustwehr, (Gesinde (von ahd. sind Reise, Heereszug), die 
Kriegsgefolgschaft. An der Spitze eines Heereszuges stand der Herzog, den 
man auf den Schild erhob. Im Kamps grüßte einer den andern (ahd. 
gruozzen eigtl. angreifen), er fand seinen Mann, mit dem er hand 
gemein wurde oder ins Handgemenge kam. Man konnte seinem
	        

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