Full text: Evangelisches Schulblatt - 46.1902 (46)

Björnstjerne Björnson. 
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in den Tagen der Vergangenheit stark gewesen, sondern sie ist alle Tage neu. 
Er will auch euch die Sünden eurer Jugend vergeben, die ihr ausrichtig bereut, 
denn so wie die Bösen Lust haben an der Verführung und Irreleitung, so hat 
Er, der gute und fromme Gott, Lust an der Führung und Zurechtleitung der 
Elenden. Und wer täglich sein harret, der wird erfahren: die Wege des Herrn 
sind eitel Wahrheit und Güte denen, die seinen Bund und Zeugnis halten/' 
Ja, seinen Bund und Zeugnis habt ihr kennen gelernt, lieben Kinder, nicht 
um nur davon sprechen zu köunen, sondern, um Kinder seines Bundes zu bleiben 
für und für. Und nun lasset uns, wenn wir das Lied gesungen haben, von 
Gottes großen Thaten hören und von dem Bund der Gnade, in den er uns 
aufgenommen hat. Amen. 
Björnstjerne Björnson. 
Unsere Leser wissen, welche grundlegende Bedeutung der ethischen Maxime 
derabsolutenWertschätzung inne wohnt. Das Entwicklungsprincip, 
das sonst allenthalben die Wissenschaft beherrscht, das sich auch gerne als ge 
schichtliche Betrachtung der Dinge einführt, möchte zu gerne auch die Ethik 
auf ihren Flugsand auferbauen oder sie als geschichtlich geworden in den Fluß 
des absoluten Werdens hineinziehen und ihre festen Pfeiler hinwegschwemmen. 
Das große Publikum berauscht sich schon in dem, wenn auch nicht immer voll 
bewußten, Gedanken, daß gewisse Schranken der Sittlichkeit sich versetzen, hin- 
und herschieben lasten, daß überlieferte sittliche Urteile und Forderungen ihres 
heiligen und unumstößlichen Charakters entkleidet werden. 
Da ist es nun eine höchst bemerkenswerte Erscheinung, wenn ein so durch 
und durch moderner Geist, wie der bekannte norwegische Dichter Björnson, 
doch schließlich Zeugnis ablegen muß für die Absolutheit der Ethik, wenn er in 
seiner Künstlersprache dem Publikum, das die Sprache der Bibel und der strengen 
Wissenschaft nicht mehr versteht, jene alten Wahrheiten von einem Ding, das 
sich Gewissen nennt, das nicht ungestraft verachtet wird, wieder einprägt. Groß 
erschien mir Björnson, als er seinen Vortragszug durch Skandinavien antrat, 
um der Zuchtlosigkeit der „Gebildeten" gegenüber klar und fest sein starkes 
Zeugnis von der Unverbrüchlichkeit der Ehe, von dem christlich-sittlichen Grund 
princip der Monogamie, das auch das Leben vor der Ehe zu bestimmen habe, 
ablegte. Größer und reifer noch tritt er in seinen wunderbaren neuen Dramen 
auf „Über unsere Kraft" und vor allem in „Laboremus." Im 
Märzheft des Kirchlichen Monatsblatts für Rheinland und Westfalen findet sich 
von Pastor Brüssaus Hand eine so verständnisvolle Charakteristik dieser ethisch so 
bedeutungsvollen Dramen, daß ich sie mit gütiger Erlaubnis der Redaktion 
möglichst vollständig den Lesern des Schulblattes mitteilen möchte. 
I. 
Das Doppeldrama „Über unsere Kraft' führt im ersten Teil in das Land 
der Mitternachtssonne. Dort lebt der Pfarrer Sang, weithin bekannt durch seine 
Kraft des Gebets, Kranke zu heilen. Nur im eigenen Hause versagen Glaube und 
Gebet. Frau Klara kann dem einfachen und starken Glauben des Mannes nicht 
folgen. Als sie, zermürbt durcb dw Sorgen einer 2djährigen Ehe an der Seite eines 
beständig sorgenlosen Gatten, aufs Siechbett fällt, kann seine Gebetsgabe an ihr nichts 
ausrichten, weil der Glaube der Kranken ihm nicht entgegenkommt. Auch seine halb-
	        

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