Full text: Evangelisches Schulblatt - 46.1902 (46)

Der Erlaß des Kultusministers vr. Studt über das Lesebuch. 259 
des Lesebuches wie jedes anderen Volkslernbuches nicht zu übersehen sind, braucht 
nicht weiter ausgeführt zu werden. 
Schon bei Prüfung des vorhandenen Bestandes an Lesebüchern muß als 
Ziel demnächst vorzunehmender Umarbeitungen bezw. Neubearbeitungen fest ins 
Auge gefaßt werden, Lesebücher von thunlichster Vollkommenheit zu erlangen, 
welche so lange ohne Schaden ungeändert gebraucht werden können, bis wirklich 
durchgreifende Neuerungen auf den in Betracht kommenden Gebieten eingetreten 
sind. Damit soll nicht etwa ein Stillstand in der Entwicklung der Lesebücher 
herbeigeführt werden. Wirklich besseren Neuerscheinungen wird stets vollste Be 
achtung und Berücksichtigung zu schenken sein. Aber der Herausgeber wie der 
Verleger dürfen nicht in der fast fortlaufenden Herbeiführung kleiner Ver 
änderungen jeder neuen Auflage ihre Kraft zersplittern, sondern sie müssen 
imstande sein, durch die auf längere Zeit ungestörte Arbeit des Suchens und 
Sammelns aus allen einschlägigen Gebieten der Litteratur einen jedesmal bedeut 
sameren Fortschritt herbeizuführen, und es müssen nach Thunlichkeit die Störungen 
vermieden werden, welche der Unterricht zur Zeit nicht selten durch die fort 
währenden, wenn auch geringen Änderungen der einzelnen Auflagen erleidet. 
Bei der Prüfung ist auch zu berücksichtigen, ob und in welcher ungefähren 
Höhe Wohlthätigkeitsveranstaltungen wie Waisenhäuser und dergleichen auf Grund 
rechtlicher Vereinbarungen von den Einnahmen aus dem Vertriebe der Lesebücher 
unterstützt werden. Dabei ist anzugeben, welche Hindernisse für die etwa er 
forderliche Beseitigung von Lesebüchern sich daraus ergeben, und wie diese über 
wunden werden können. 
Die Regierung wolle unter Beifügung der Gutachten über die einzelnen 
Bücher eine übersichtliche Nachweisung des Ergebnisses der Gesamtprüfung, sowie 
Vorschläge über die im Gebrauche zu behaltenden oder in Gebrauch zu nehmenden 
Bücher bis zum 1. Oktober d. I. an das Königl. Provinzial-Schul Kollegium 
einsenden, welches mit der Weitergabe beauftragt ist. 
Gleichzeitig sind mir Persönlichkeiten namhaft zu machen, welche sich als 
besonders tüchtig auf dem Gebiete der Lesebuchfrage erwiesen haben. Ich behalte 
mir Erwägungen darüber vor, ob aus ihnen in den einzelnen Provinzen Aus 
schüsse zu bilden sein werden, welche Gutachten abzugeben imstande wären, auf 
Grund deren die Provinzial-Schul-Kollegien über die Ablehnung von Lesebüchern 
zu befinden oder über ihre Einführung an mich zu berichten haben würden. 
Die angegebenen Gesichtspunkte lassen, wie ich ausdrücklich hervorhebe, 
erkennen, daß die Aufgabe, wirklich brauchbare Lesebücher herzustellen, nur durch 
die vereinte Kraft vieler gelöst werden kann. Neben den Pädagogen jeder Art 
und Stellung werden Männer und Frauen von reicher Litteraturkenntnis mit 
zuarbeiten haben und auch solche des praktischen Lebens, die befähigt sind, Dinge 
und Vorgänge richtig zu beurteilen und womöglich in mustergiltiger Weise zu 
beschreiben und darzustellen. 
Es sind alle Kräfte heranzuziehen, welche durch ihre Bildung und durch 
ihre Erfahrung dazu geeignet erscheinen. 
Unter Aufhebung des Ministerial-Erlasses vom 10. April 1880, welcher 
durch einen Sonderfall veranlaßt war, mache ich daher schon jetzt darauf auf 
merksam, daß bei der Herstellung guter Lesebücher durch Neubearbeitung oder 
Umgestaltung die Hilfe von Schulaufsichtsbeamten und Seminardirektoren grund 
sätzlich ferner nicht ausgeschlossen werden soll. Allerdings wird daran festzuhalten
	        

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