Full text: Evangelisches Schulblatt - 46.1902 (46)

Rundschau. 
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eigentliche Feld jedes Blinden, der ein reges Interesse, ein feines Ohr und ein 
gutes Gedächtnis hat. Hemmend wirkte hier für Schmittbetz nur, daß er, da 
erst wenige Bücher der fremdsprachlichen Schullektüre in Blindenschrift gedruckt 
sind, außerordentlich viel Zeit und Mühe aufwenden mußte, diese Werke selbst zu 
übertragen; dies alles zu diktieren, haben sich stets freundliche Damen in liebens 
würdigster Weise bereit finden lassen. Alle schriftlichen, zur Korrektur ein 
gelieferten Schularbeiten, so auch die Abiturientenarbeiten, führte er auf der 
Blickensdorfer Schreibmaschine aus, während er für alle anderen Arbeiten die von 
Braille erfundene Blinden-Punktschrift anwandte. 
Gegen die religiöse Unterweisung von Kindern dissidentischer 
Eltern. Die deutsche Gesellschaft für ethische Kultur hatte im Landtag 
des Großherzogtums Sachsen den Antrag auf Befreiung der Kinder 
dissidentischer Eltern vom Religionsunterricht gestellt. Wie die ,.Monatlichen 
Mitteilungen des Vereins zur Erhaltung der evangelischen Volksschule" berichten, 
wurde derselbe mit großer Majorität abgelehnt. Es wurde von den Gegnern des 
Antrags mit großer Entschiedenheit darauf hingewiesen, in welchem notwendigen 
Zusammenhang Religion und Moral ständen; ferner wurde das Beispiel Frankreichs 
mit seiner religionslosen Schule und seiner furchtbar zunehmenden Kriminalität 
der Jugendlichen angeführt. 
Tie Reifeprüfung an den neunstufigen höheren Schulen. In der 
Budgetkommission des Abgeordnetenhauses hat sich der Vertreter der Regierung 
über die Neuordnung der Reifeprüfung an den Vollanstalten in bemerkenswerter 
Weise geäußert. Das Hauptgewicht wird aus der schriftlichen in die mündliche 
Prüfung gelegt, um dem Prüfling Gelegenheit zu geben, bei ungünstigen sonstigen 
Leistungen sich einen Ausgleich zu schaffen. Deshalb sollen die schriftlichen Prüfungs 
arbeiten verringert werden unter Verlängerung der Frist für die Anfertigung der 
Arbeiten. Die Bestimmung von 1892, nach welcher die Prüflinge in den 
Fächern, in welchen sie nach den Klassenleistungen und den Prüfungsarbeiten 
wenigstens ,,genügend" erhalten hatten, vom mündlichen befreit waren, ist auf 
gehoben. Diese Befreiung hat sich vielmehr auf die ganze Prüfung zu er 
strecken, sie tritt aber nur dann ein, wenn sie als wirkliche Auszeichnung für — 
über das Mittelmaß hinausgehende Leistungen — besonders im Deutschen — und 
gute Haltung gelten kann. Doch kann der Vorsitzende in einzelnen Fächern bei 
einzelnen Schülern die Prüfung abkürzen oder ganz fortfallen lassen. — Es soll 
besonders auf tüchtige Leistungen im Deutschen gehalten werden. 
Aus dem preußischen Etat für das Volksschulwesen. 
Für die Seminare sind 7 475 848 M. eingesetzt, also 315305 M. 
mehr als im Vorjahre. Die Hauptausgaben verursachen die Besoldungen: 
3332 005 M. (134 Direktoren, 140 Oberlehrer, 659 ordentliche Lehrer, 5 
Hilfslehrer, 4 Oberlehrerinnen und 56 Lehrerinnen.) Mit den neu zu grün 
denden Seminaren haben wir 140 Seminare, und zwar 128 für Lehrer und 
12 für Lehrerinnen. 
Die Präparandenan st alten verursachen einen Aufwand von 1290142 M. 
289509 M. mehr als im Vorjahre. Die größten Aufwendungen erfordert der 
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