Full text: Evangelisches Schulblatt - 46.1902 (46)

Ein Höhepunkt rc. 
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Heilserkenntnis und Heilserfahrung bei diesem Bekennen vorausgesetzt, die aber 
bei unseren Kindern noch nicht vorhanden sein können. Die evangelische Kirche 
würde nicht geschädigt, wenn der Katechismusunterricht in der Schule wegfiele. 
Jesus muß zu den Kindern reden, die gesamte Schularbeit von der evangelischen 
Lebensauffassung getragen werden. 
Daß man den abstrakten Katechismusunterricht in die Schule eingeführt hat, 
ist als die größte pädagogische Verirrung anzusehen. 
Im Kirchenlied ist vorgeschrieben, daß 20 Lieder zu lernen und IO zu 
lesen sind. Daß sind im ganzen 240 Strophen, von denen 167 gelernt werden 
sollen. Gewiß möchten wir manche nicht preisgeben, aber es findet sich doch 
manches Mittelmäßige darunter, das wir gut entbehren könnten. Es würde bei 
vielen Liedern genügen, wenn man die wichtigsten Strophen memorieren und 
dafür aus den von unserem Volke ungleich lieber gesungenen geistlichen Volks 
liedern die besten behandeln und lernen würde. 
Der Stoff für das Bibellesen ist auch nicht immer richtig ausgewählt. 
Viele Stoffe sind noch nicht für das kindliche Verständnis geeignet und nützen 
darum nichts. Richtiger wäre es deshalb vielleicht, wenn ein Evangelium im 
Zusammenhang gelesen werden könnte. 
Ohne Frage ist also in unserem Religionsunterrichte nach der quantitativen 
Seite ein Übermaß vorhanden, worunter die Freudigkeit leiden muß. 
Wir erschweren uns dazu die Arbeit, wenn wir zu sehr in die Tiefe und 
Breite gehen; bei der Behandlung einer Geschichte gilt es einen Hauptpunkt her 
auszuheben und den ins rechte Licht zu setzen. 
Zum Schluffe sei darauf hingewiesen, daß wir mit den Familien in Be 
ziehung treten müssen, damit sie möglichst in demselben Geiste auf die Kinder 
einwirken, im Lehrerkollegium soll im Geiste gegenseitigen Vertrauens gearbeitet 
werden, sonst liegt ein Bann auf der Erziehung, und auch durch den übrigen 
Unterricht soll derselbe Grundton warmen evangelischen Glaubens hindurchgehen 
wie im Religionsunterrichte. 
Der Hauptpunkt ist und bleibt aber, daß uns persönlich einmal der Psingst- 
geist nahetritt, dann können wir ihn auch andern zeigen. — 
Dem mit großem Beifalle aufgenommenen Vortrage folgte eine l^stündige 
lebhafte Besprechung. Der Forderung des Referenten, daß wir selber christliche 
Charaktere sein müßten, wurde warme Zustimmung gezollt. Unter Hinweis auf 
einen vielgenannten Artikel des Pfarrers Bonus in der „Christlichen Welt", der 
den Religionsunterricht der Schule entzogen haben möchte, wurde ausgeführt, daß 
solche Angriffe uns doch zum Nachdenken stimmen müßten. Wenn Jesus Matth. 
18, 3 uns auffordert, den Kindern gleich zu werden, so will er gewiß damit 
sagen, daß in der Kindesnatur etwas Besonderes liegt. Sie zeigt Demut, 
Empfänglichkeit, Einfalt, Vertrauen. Hegen und pflegen wir diese Eigenschaften 
bei den Kleinen in rechter Weise oder benutzen wir nicht oft geradezu die entgegen 
gesetzten Eigenschaften z. B. den Ehrgeiz, um äußere Resultate zu erzielen? 
Gewiß müssen wir auch im Religionsunterrichte Belehrung geben, aber versäumen 
wir nicht vielleicht oft genug den Hinweis auf den Hauptzweck, die persönliche 
Gemeinschaft mit Gott, die Anwendung des Erkannten im täglichen Leben? 
Wie im Evangelium die Gnade in Christo das Centrum bildet, so muß auch 
diese frohe Botschaft den Kern und Stern unseres Unterrichts bilden, damit den 
Kindern klar wird, daß wir ihnen nicht eine Last auflegen, sondern einen rechten
	        

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