Full text: Evangelisches Schulblatt - 46.1902 (46)

306 
II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc. 
welche den Hauptmangel der amerikanischen Colleges ausmacht, kann auf diese 
Weise vermieden werden. Den Abschluß würde die Darstellung der Weltanschauung 
der großen Denker bilden, zu denen die in den aufsteigenden Kursen sich ver 
stärkende Betonung der ideellen Seite in der Geographie, Kulturgeschichte, 
Sprachgeschichte, Ästhetik, Psychologie und Biologie das Verständnis vorbereiten 
müßte. C. Schwell. 
Die Gewinnung der Schule für eine regere Beteiligung 
an dem Kampfe gegen den Alkoholismus 
macht überraschende Fortschritte. Von größter Tragweite in dieser Beziehung sind 
die auf dasselbe Ziel gerichteten Erlasse des preußischen und des österreichischen Kultus 
ministers an die ihnen unterstellten Landesschulbehörden. Die Volksschule ist nunmehr 
offiziell aufgeboten und nicht eine einzige darf sich der nachdrücklichen Beteiligung 
an den Kämpfen gegen das unheilvolle Übel der Trunksucht entziehen" (Minister 
Studt). Die sächsische Regierung wird in den nächsten Wochen zu diesen Fragen 
Stellung zu nehmen haben, denn es liegt dem Landtag eine Petition des Sächsischen 
Landesverbands gegen den Mißbrauch geistiger Getränke vor, in welcher u. a. Schul 
unterricht über Natur und Wirkung des Alkohols gefordert wird. Indessen haben mit 
Genehmigung des sächsischen Kultusministers an den drei Dresdener Lehrerseminaren 
bereits ärztliche Vorträge über die Alkoholfrage stattgefunden. Dem Vernehmen 
nach ist in Aussicht genommen, diese Einrichtung auf sämtliche Schullehrerseminare 
des Landes auszudehnen. An katholischen Priesterseminaren Süddeutschlands sind 
derartige Vorträge namentlich vom Pfarrer Jos. Neumann in Mündt (Rheinland) 
gehalten worden. Vor allem am Platze wären sie bei den Gymnasiasten, welche 
unbedingt von Ärzten über die Gefahren der studentischen Trinksitten aufgeklärt 
werden müßten. Bis jetzt ist das nur in Heidelberg für die Sekunda und Prima 
geschehen durch den Vorsitzenden des dortigen Bezirksvereins gegen den Mißbrauch 
geistiger Getränke, Medizinalrat Dr. Kürz. Der Vorsitzende des Dresdener 
Bezirksvereins, Dr. nasä. Meinert, durfte auf Ersuchen des Stadtschulrats vor 
den versammelten Direktoren der Dresdner Volks- und Fortbildungsschulen sprechen. 
Massenverbreitung von Mäßigkeitsschriften unter den Lehrern 
und Schülern hat, ebenfalls durch die betr. Bezirksvereine gegen den Mißbrauch 
geistiger Getränke, in Dresden und Leipzig stattgefunden, in Dresden ist auf 
diese Weise letzthin sogar das leider nicht ganz billige (1 M.), vom preußischen 
Kultusminister empfohlene Lehrbuch „Die Schädlichkeit des Mißbrauchs geistiger 
Getränke", herausgegeben von den Ärzten Dr. Dicke und Dr. Kohlmetz in die 
Hände der Volksschuldirektoren gelangt. 
Zu den in Deutschland neuen Erscheinungen gehören auch die Schüler 
vereinigungen zur Pflege der Enthaltsamkeit, wie sie in München, 
Nürnberg und Urach (Württemberg) an dortigen Gymnasien entstanden sind. 
Auch derartige Gruppierungen dürfen in ihrer Bedeutung durchaus nicht unter 
schätzt werden. Ging doch aus einer derselben jene schwedische Nüchternheitsgesellschaft 
mit ihren jetzt 20000 Mitgliedern hervor, durch die bekanntlich das am tiefsten 
im Alkoholsumpf steckende europäische Land zum mäßigsten emporgehoben wurde.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.