Full text: Evangelisches Schulblatt - 46.1902 (46)

Rundschau. 
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mit dem Kopfe, sondern mit dem Herzen. Was Gesetzgebung und 
Verwaltung auf diesem Gebiete innerhalb des letzten Jahrzehnts erreicht haben, 
ist nicht zum geringsten Teile seine That und sein Verdienst. Besonders bleibt 
die preußische Lehrerschaft, für deren Bildung und Wohlfahrt er un 
ablässigbesorgtwar, ihm zum Danke verpflichtet. Noch seine letzte größere 
Arbeit im Kultusministerium galt der Neuordnung des Lehrer- 
bildungs- und Prüfungswesens. Seine Wirksamkeit blieb nicht auf 
den Kreis amtlicher Pflichten beschränkt. Die genaue Kenntnis der politischen und 
kulturellen Verhältnisse unserer Ostmarken kam den Aufgaben der Ansiedelungs 
kommission, deren Mitglied er war, zu gute. Er gehörte dem Zentralausschuß 
vom Roten Kreuz an und war bei der Neuorganisation der Genossenschaft 
freiwilliger Krankenpfleger im Kriege an leitender Stelle beteiligt. Nachhaltige 
Förderung verdanken ihm auch der Lette-Verein und das Viktoria-Lyceum. Groß 
ist die Zahl derer, denen die stets hilfsbereite Güte seines Herzens, die der 
überlegenen Kraft seines Geistes gleichkam, Wohlthaten gespendet hat. Unerwartet 
schnell ist Dr. Kügler an der Schwelle seines neuen Amtes vom Tode ereilt 
worden. Er hatte sich gewöhnt, erst in letzter Reihe an sich zu denken, und der 
Unermüdliche war in seiner Widerstandskraft durch die langjährige Arbeitslast 
gebrochen: „patriae inserviendo consumptus.“ („Im Dienste des Vater 
landes verbraucht.") 
Die deutsche Lchrerversammlung tagte in der diesjährigen Pfingst- 
woche in Chemnitz. Von den dort gehaltenen Vorträgen zieht wohl der erste 
vor allem unser Interesse auf sich. Professor Dr. Rehmke aus Greifs 
wald sprach über das Thema: „Universität und Volksschullehrer." 
Er kennzeichnete zunächst die Eigenart der Universität. Dieselbe sei keine Berufs 
schule, sie bezwecke vielmehr Lehre und Pflege der Wissenschaft und sei nur eine 
wissenschaftliche Vorbereitungsanstalt zu gewissen Berufsarten. Deshalb müsse 
dem Lehrer wie dem Hörer volle Freiheit gewährt werden, dem ersteren in der 
Darbietung, dem letzteren in der prüfenden Aufnahme. — Das Recht auf diese 
Freiheit werde auf den sogenannten „höheren Schulen" erworben. Redner prüfte 
nun in sehr weitherziger und allen Lehrern gewiß hochwillkommener Weise das 
Recht der Seminarabiturienten auf die akademische Bildung. Mit besonderer 
Rücksichtnahme auf den Kieler Erlaß (20. Nov. 1900), durch welchen für 
Preußen die Gymnasien, Realgymnasien und Oberrealschulen als gleichwertige 
Vorbildungsanstalten für das Universitätsstudium erklärt werden, zeigte er, daß 
auch das Seminar nach seinem Lehrplane als „höhere Schule" bezeichnet werden 
müsse, daß also die Abgangszeugnisse der Seminare „Freibriefe für den Be 
such der Universität" seien. Doch stellte er der Gleichwertigkeit die 
Gleichberechtigung gegenüber. Die letztere sprach er den Seminaristen ab: 
sie hätten wohl den Schlüssel zum Universitätsgebäude, aber nicht, wie die 
Gymnasiasten, die Schlüssel zu allen Räumen desselben. Ihnen stehe nur das 
Fachzimmer für die mathematisch-naturwissenschaftlichen und die philosophischen 
Studien offen. Den letzteren legte er mit Rücksicht auf die berufliche Thätigkeit 
des Lehrers sehr hohe Bedeutung bei. — Sehr wichtig war die Feststellung, 
daß die akademische Bildung keine notwendige Ergänzung der Seminar 
bildung sei. Für den aber, der eine leitende Stellung einnehmen wolle, 
sei es wichtig, daß er sich eine wissenschaftliche Bildung, die zu seinem
	        

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