Full text: Evangelisches Schulblatt - 46.1902 (46)

III. Abteilung. Litterarischer Wegweiser. 
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könnte an einigen Stellen (Heft III, S. 3, 4, 5, 27) übersichtlicher sein. Die Innen 
seiten der Heftumschläge sind zur Darstellung von Anschauungsmitteln praktisch aus 
genutzt worden. Hier findet man Abbildungen unserer Münzen und Maße (wodurch 
die eigentliche Anschauung nicht überflüssig gemacht werden soll), ausländischer Münzen, 
die Darstellung der Uhr, eine Einmaleinstabelle, eine Währungstafel und eine Stunden 
zonenkarte für Europa. Bei einer praktischen Benutzung in der Schule würden sich in 
diesem wie in den genannten Rechenwerken zweifellos noch manche weniger offensichtliche 
Vorzüge ergeben. 
Rücker, I.: Deutscher Schulkalender für Schulaufsichtsbeamte, Lehrer und Lehrerinnen, 
Seminaristen und Präparanden. Für das Jahr 1902/1903. 31. Jahrg. Berlin, 
Max Rockenstein. 0,75 M. 
Die Vorzüge dieses Kalenders sind: Reichhaltigkeit des Inhalts, deutlicher Druck, 
gutes Papier und schöne Ausstattung. Durch Vermeidung längerer Ausführungen 
über pädagogische Fragen, die nicht in einen Kalender hineingehören, ist genügender 
Raum für notwendige Notizen gewonnen. Unter den Beigaben befindet sich auch das 
bekannte juristische Gutachten aus der „Pädagogischen Zeitung" über die Verschärfung 
der Haftpflichtsbestimmungen. Das Büchlein kann empfohlen werden. Pr. 
Anders, Fritz, Skizzen aus unserm heutigen Volksleben. Leipzig 1900. Grunow. 4 M. 
Gewiß,-gewiß — es soll ja manches faul sein im Staate Dänemark, man sagt es — 
und wieder andere sagen, es ist doch vieles besser geworden gegen frühere Zeiten. 
Tausend noch einmal! wem glaubt man nun? Blindlings keinem, em jeder sieht die 
Welt durch seine Brille, auch Herr Anders. Da geißelt er m dem Brandschaden in 
Oberförsters Haus die Schreibseligkeit unserer Büreaukratie und zeigt, wie aus einem 
Hauch, um es zart auszudrücken, ein Donnerschlag wird. Das ist aber in der Welt 
auch öfter dagewesen, und Schema F hatten auch die Väter schon. Wenn aber beim 
Königsgeburtstag es in seliger Kleinstädterei nicht klappen will, nun so ist der Tag wahr 
haftig nicht dazu angethan, solche intimen Angelegenheiten vor das Forum der Öffent 
lichkeit zu ziehen, und es ist durchaus gleichgültig, ob der Herr Superintendent oder 
der Herr Landrat zuerst redet, es kommt nur darauf an, daß sie beide gut reden, nicht 
schön — unser erhabener Monarch hat es wahrhaftig nicht nötig, gelobhudelt zu werden. 
Aber eins verlangen wir, die wir mit zu Tische sitzen, daß der Stolz aus der Rede 
klingt, daß wir Wilhelm haben, und wenn wir unser Glas erheben, in welchem Kräh 
winkel es auch sei, so geschieht es in Liebe und Verehrung, und es ist uns gleichgültig, 
wer es war, der die Saiten in unserm Herzen dazu erklingen ließ, und wenn einer der 
beiden Herren doch vom Feste verstimmt nach Hause ziehen sollte, daß er zu zweit her 
ankam, was mir übrigens nicht einleuchten will, so mag er sich mit dem alten Wahr 
wort trösten: „Der Klügste giebt nach! 
Das Ragout, das Herr Anders uns dann im weitern vorsetzt, nun das ist eben ein 
Ragout, das Altes in anderer Form bietet. Daß ein Geizhals durch seinen Geiz um 
kommt, wissen wir längst, wie ebenso, daß Duelle oft um ganzer Lappalien willen aus- 
gefochten werden, dazu brauchen wir nicht erst 4 M. zu bezahlen, um diese alte Neuigkeit 
zu erfahren. Wenn aber der Herr Konsistorialrat auf seiner späteren wohldotierten 
Pfründe, die er annahm, weil es ihm als Rat an Beschäftigung mangelte, am eignen 
Leibe erfahren muß, wie wenig seine eigenen früher verfügten Verfügungen ihm nun 
nützen, so gönnen wir das dem Konsistorialrat von Herzen, bedauern aber doch, wie 
diese Figur wieder hat herhalten müssen, um ins Lächerliche gezogen zu werden. Waren 
Sie denn schon Konsistorialrat, mein werter Herr Anders, um die Schwere dieses Amtes 
ermessen zu können. Ich glaube, wir haben in unserer Zeit alle Ursache, unsere Diener 
am Worte zu stützen, und wo sie in sozialpolitischem Übereifer gefehlt, da wird das be 
kannte Kaiserwort sie den rechten Weg wieder finden lassen, uns gebührt es nicht, 
diesen zu weisen. Doch das so nebenbei: Das Büchelchen plaudert auch etwas Päda 
gogisches. „Was das Volk von Goethe weiß!" natürlich nichts — oder doch? Nun, 
Herr Anders, die Schule, die Ihnen das Heideröslein vorführte, ist leider eine verspätete 
Blüte aus dem vorigen Jahrhundert gewesen, denn heute haben wir Naturgeschichte auf 
dem Plane auch der letzten Dorfschule und brauchen nicht mehr beim „Heideröslein" 
die Struktur der Blüte zu erörtern, es wäre auch zu jämmerlich, die Blüte nach den
	        

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