Full text: Evangelisches Schulblatt - 46.1902 (46)

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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc. 
„Die größere Berücksichtigung des Volkstümlichen in der Volksschule würde 
den Vorteil gewähren, daß die Kinder sich in der Schule, weniger in eine andere, 
ganz fremde Welt versetzt fühlen würden, als es leider nur zu oft zu großem 
Unheil für Lehre und Erziehung der Fall ist." Alb. Richter, a. a. O. 
Rundschau. 
Die Mittelschul-Lehrer- und Rektorenprüfung fand in diesem Jahre 
in Koblenz zum erstenmale nach den neuen Bestimmungen statt. Als Prüfungs 
kommissar des Provinzial-Schulkollegiums und zugleich als Examinator für Deutsch 
fungierte, wie schon seit vielen Jahren, Geh. Provinzial-Schulrat Linnig. Die 
Prüfungskommission setzte sich aus folgenden Herren zusammen: Geh. Regierungs- 
und Schulrat Anderson aus Koblenz (evang. Religion), Seminardirektor Schulrat 
Bürgel aus Boppard (kath. Religion), Regierungs- und Schulrat Dr. Wimmers 
aus Aachen (Pädagogik und Geschichte), Oberlehrer Bode aus Koblenz (Französisch 
und Englisch), Seminarlehrer Pfund aus Neuwied (Mathematik, Geographie 
und die Naturwissenschaften). Letzterer aber wird in Zukunft die beiden erst 
genannten Fächer an Oberlehrer Wirz in Koblenz abtreten. Zum erstenmale 
war es den zu Prüfenden überlassen, anzugeben, aus welchem der beiden Haupt 
fächer die Hausarbeit, zu der acht Wochen Zeit gelassen ist, gewünscht wird; 
es sollten sogar Wünsche bezüglich des besonderen Gebietes innerhalb des be 
treffenden Faches berücksichtigt werden. Auffallend muß es erscheinen, daß eine 
größere Anzahl der zur Mittelschullehrer-Prüfung angemeldeten Herren 
nicht erschienen war. Von 42 Bewerbern hatten sich nur 27 gestellt. (Es mag 
hier angeführt werden, daß eine mit genügend zensierte Hausarbeit noch zum 
nächsten Termine Gültigkeit behalten kann, wenn der Bewerber nachweislich ver 
hindert war, zu erscheinen.) Die meisten Bewerber ließen sich in Religion und 
Deutsch oder Geschichte, oder in den beiden letzteren Fächern prüfen. Daß nur 
sehr wenig Fremdsprachler zur Prüfung erschienen, hat jedenfalls in der Er 
schwerung dieses Examens seinen Grund, da zunächst, entgegen der früheren Ge 
pflogenheit, kein Wörterbuch gebraucht werden durfte, dann aber die Prüfung 
sich auch auf den mündlichen Gebrauch der beiden fremden Sprachen erstreckte 
und mehr als früher die Litteratur Berücksichtigung fand. Weniger zu verstehen 
ist die Abnahme der Mathematiker und Naturwissenschaftler, da dieses Examen 
insofern leichter geworden ist, als man jetzt nur in einem Zweige der Natur 
wissenschaften geprüft wird, während früher das ganze Gebiet zu bearbeiten war. 
Von den 27 erschienenen Kandidaten bestanden nur 19 das Examen. — Für 
die Rektorenprüfung fungierte ebenfalls die eingangs erwähnte Kommission. 
Es waren von 47 angemeldeten Bewerbern 43 erschienen, von welchen 30 das 
Examen bestanden. Die Ergebnisse beider Prüfungen sind also wesentlich schlechter 
als die der meisten früheren, was jedenfalls darauf zurückzuführen ist, daß die 
Bewerber sich nicht in der nötigen Weise mit den neueren Bestimmungen über 
das Mittelschullehrer- und Rektorexamen vertraut gemacht hatten. Empfehlens 
wert ist die vollständige Ausgabe dieser Bestimmungen von Schulrat Flügel.
	        

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