Full text: Evangelisches Schulblatt - 46.1902 (46)

Rundschau. 
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Geistliche Schulinspektion. Am 15. und 16. April behandelte der 
Hannoversche Pfarrverein in Geestemünde u. a. auch die Sch u lauf 
sich t sfr a ge. Im „Stader Sonntagsblatt" wird über die betreffenden Ver 
handlungen folgendermaßen berichtet: In einer späten Abendsitzung wurde noch 
über die Angelegenheit „Kreisschulinspektion im Nebenamt" verhandelt. Ein 
Teil der Versammlung äußerte sich dahin, daß die Kirche kein Interesse daran 
habe, das Amt der staatlichen Kreisschulinspektion weiter zu versehen. 
Wenn die Staatskasse nur erst Geld genug habe, werde der Staat ohnehin 
allenthalben Inspektoren im Hauptamt einstellen. Auch sei das Verlangen der 
Lehrer nach Fachaufsicht als berechtigt anzuerkennen, und es stehe zu hoffen, daß 
sich nach ihrer Einführung das Verhältnis zwischen Pastor und Lehrer, Kirche 
und Schule bessern werde. In betreff der L okalsch u linsp ekt ion einigte 
man sich dahin, um Instruktionen für die Lokalschulinspektoren zu bitten, auch 
den Wunsch an geeigneter Stelle zum Ausdruck zu bringen, daß die kirchlichen 
Behörden solchen Pastoren, die dies Amt nicht übernehmen wollten oder es 
niederzulegen wünschten, die Genehmigung dazu nicht versagen. 
Ferner wird der „Preuß. Schulztg." aus Pommern geschrieben: „Für die 
Fachaufsicht der Schulen hat sich wieder eine Anzahl Geistlicher mit großer 
Entschiedenheit ausgesprochen. In der letzten Sitzung des Pfarrvereins Stolp- 
Schlawe-Rummelsburg hielt der Kreisschulinspektor Pastor Co n n ik-Quakenburg 
einen Vortrag über die geistliche Lokal- und Kreisschulaufsicht. Er führte aus, 
daß die Schulaufsicht sich mit dem Amt eines Geistlichen nicht vereinen lasse, 
und forderte ihre Beseitigung und Einführung der Fachaufsicht. Diese werde 
der Schule und ihren Lehrern zum Segen gereichen. Bei der an den Vortrag 
sich anschließenden, regen Debatte äußerten sich sämtliche Redner in demselben 
Sinne. Eine Abstimmung über die Frage: „Ist die Einführung der Fach 
aufsicht für unsere Schulen notwendig?" ergab das Resultat daß alle Anwesen 
den mit nur einer Ausnahme für die Aufhebung der geistlichen Schulaufsicht und 
für Einführung der Fachaufsicht stimmten." 
Ländliche Fortbildungsschulen. Die Kgl. Regierung zu Minden 
übermittelte unterm 2, April den Kreis- und Ortsschulinspektoren Grundzüge 
über die Einrichtung ländlicher Fortbildungsschulen mit dem Ersuchen, die in 
ihren Aufsichtsbezirken befindlichen ländlichen Fortbildungsschulen gelegentlich zu 
revidieren. Nach der „Lehrerztg. für Westfalen rc." lauten die Grundzüge 
folgendermaßen: „Die ländlichen Fortbildungsschulen haben die Aufgabe, die 
Volksschulbildung ihrer Zöglinge zu ergänzen und, soweit sich die Möglichkeit 
dazu bietet, mit besonderer Rücksicht auf die ländlichen Gewerbe und den Betrieb 
der Landwirtschaft zu erweitern. Bei dem Mangel gesetzlicher Unterlagen, auf 
Grund deren allein eine Nötigung zur Errichtung, sowie zum Besuch solcher 
Schulen eintreten könnte, und bei der großen Verschiedenheit der für deren Ein 
richtung maßgebenden Verhältnisse, als der räumlichen Ausdehnung und Boden 
beschaffenheit der Schulbezirke, der Erwerbsverhältnisse ihrer Bewohner, des Zu 
standes ihrer Schulen, der Befähigung der an diesen beschäftigten Lehrer, ist 
eine Gleichförmigkeit der ländlichen Fortbildungsschulen weder zu erreichen, noch 
auch zu erstreben. Es muß vielmehr genügen, einige allgemeine Grundzüge für 
diese vorzuzeichnen.
	        

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