Full text: Evangelisches Schulblatt - 46.1902 (46)

348 II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc. 
1. Die ländliche Fortbildungsschule knüpft unmittelbar an die Arbeit der 
Volksschule an, sie nimmt daher ihre Zöglinge in der Regel bald nach ihrem 
Abgang von dieser auf und unterrichtet sie bis zum vollendeten sechzehnten oder 
siebzehnten Jahre; ohne indes strebsame Jünglinge, welche sich der Schuldisziplin 
unterwerfen, auch wenn sie schon älter sind, von der Teilnahme am Unterricht 
auszuschließen. 
2. Die Volksschullehrer des Orts sind auch, soweit es irgend thunlich ist, 
die Lehrer an der Fortbildungsschule, doch ist es nicht ausgeschlossen, daß aus 
nahmsweise ein dafür besonders befähigter anderer Fachmann den Unterricht 
übernehme, und wird dies namentlich da zulässig sein, wo es sich um technische 
Gegenstände (oder in mehrstufigen Schulen um einen über die Ziele der Volks 
schule hinausgehenden Unterricht) handelt. 
3. Lehrgegenstände der ländlichen Fortbildungsschule bilden: die Mutter 
sprache, Rechnen und Raumlehre, Naturkunde auf der Grundlage der Anschauung 
und, wo es angeht, des Experiments, Erdbeschreibung und vaterländische Ge 
schichte, Singen, Turnen, Zeichnen. 
Selbstverständlich werden nicht alle diese Gegenstände nebeneinander betrieben 
werden können, sondern es wird eine Auswahl zu treffen und ein Wechsel vor 
zunehmen sein. Welche Fächer dabei vorzugsweise berücksichtigt werden dürfen, 
hängt von der Vorbildung der Schüler, der Befähigung der Lehrer, den beson 
deren örtlichen Verhältnissen und von der wöchentlichen Stundenzahl ab. Es ist 
indes in jedem Falle Sorge zu tragen, daß die Fortbildungsschule nicht den 
Charakter einer Fachschule annimmt, sondern die Befestigung, Ergänzung und 
Erweiterung der Volksschulbildung und die Befestigung der sittlichen Tüchtigkeit 
als ihre Aufgabe betrachtet. 
4. Was die Zahl der wöchentlichen Unterrichtsstunden angeht, so ist an 
zustreben, daß deren mindestens vier angesetzt und daß unter diese Zahl nur in 
den Gemeinden herabgegangen werde, wo die örtlichen Verhältnisse dies unab 
weisbar fordern. 
5. Die Wahl der Schultage ist der Gemeinde bezw. den Schulvorständen 
zu überlassen; wenn diese den Sonntag wählen, so sind die Stunden des Haupt 
gottesdienstes und, wo kirchliche Katechisationen mit der aus der Schule entlassenen 
Jugend eingeführt sind, auch die für diese bestimmten Stunden vom Unterricht 
freizulassen. 
6. Die ländlichen Fortbildungsschulen stehen unter der Aufsicht der Kgl. 
Regierung, in der Povinz Hannover den Kgl. Konsistorien des bezüglichen Bezirks, 
bezw. der in ihrem Aufträge handelnden Kreis- und Lokalschulinspektoren. Diese 
haben, wo es angeht, zu den Prüfungen und zu Revisionen bewährte Landwirte 
des Bezirks und Mitglieder der Vorstände der landwirtschaftlichen Vereine 
hinzuzuziehen." 
Über den Anteil der Konfessionen am höheren Schulwesen finden 
wir im Reichsboteu (Nr. 118) eine Zusammenstellung von Dr. Werther, aus 
der wir im folgenden die wichtigsten Ergebnisse wiedergeben. — Im Schuljahre 
1900 —1901 kamen in Preußen auf 100 Einwohner 64,60 evangelische, 
33,80 katholische, 1,30 jüdische und 0,30 dissidentische. Von den 627 höheren 
Lehranstalten waren 354 gymnasiale und 273 realistische Anstalten. Die 
Schüler — insgesamt 162057 — verteilten sich auf die Konfessionen derart,
	        

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