Full text: Evangelisches Schulblatt - 46.1902 (46)

352 
II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc. 
sich an: die juristische mit 5053, die medizinische mit 2928 und die theologische 
mit 2230 Studierenden. Die Stärke der einzelnen Fakultäten entspricht nicht 
durchweg der Gesamtfrequenz. Von den Theologen sind 1289 evangelisch, 941 
katholisch. Unter den protestantischen Fakultäten ist die am besuchtesten die zu 
Halle-Wittenberg 352, es folgen Berlin 274, Marburg 148, Greifswald 133, 
Göttingen 108, Königsberg 88, Bonn 71, Breslau 65, Kiel 50. Unter den 
katholisch-theologischen Fakultäten zählen Münster 332, Breslau 327, Bonn 282. 
Die 5053 Juristen verteilen sich wie folgt: Berlin 1714, Bonn 588, Breslau 
539, Halle 450, Göttingen 420, Marburg 413, Kiel 363, Königsberg 335, 
Greifswald 231. Bei den medizinischen Fakultäten ergiebt sich folgende Übersicht: 
Berlin 1018, Kiel 439, Greifswald 237, Bonn 235, Breslau 228, Mar 
burg 210, Königsberg 201, Halle 198 und Göttingen 162. 
Der Kultusminister hat dem Verein „Mädchenglimnasium" in Köln 
gestattet, zunächst versuchsweise einen sechsjährigen Lehrgang für Mädchen ein 
zurichten, der zu den Zielen des Gymnasiums führt. Die Anstalt ist dem Kgl. 
Provinzial-Schulkollegium unterstellt worden und soll die Bezeichnung „Gymnasial 
klassen für Mädchen" führen. Die aufzunehmenden Schülerinnen müssen die 
Reife für die Oberstufe einer höheren Mädchenschule nach dem Lehrplan vom 
31. Mai 1894 nachweisen und beim Beginn des Schuljahres das 12. Lebens 
jahr vollendet haben. 
Lehrer im Schulvorstande. Von der Regierung zu Frankfurt a. O. 
ist eine Verfügung erlassen worden, die in den Kreisen der Landschullehrer große 
Befriedigung hervorgerufen hat. Danach gehört vom 1. Oktober d. I. jeder 
erste bezw. alleinige Lehrer auf dem Lande zum Schulvorstande. Bisher war es 
eine Seltenheit, daß ein Lehrer in den Schulvorstand gewählt wurde, während 
er fortan ohne weiteres in denselben aufgenommen werden muß, vorausgesetzt, 
daß er endgiltig angestellt ist und sich nicht erhebliche Bedenken gegen seine Per 
sönlichkeit ergeben haben. 
Die Schulleitung im Orient und im Occident. Professor Geheimrat 
O. Jäger sagt in seinem Buche: „Aus der Praxis": „Man kann auf zweierlei 
Art regieren: Auf die orientalische: mit viel amtlichen Verordnungen, Zirkularen, 
Protokollen, Fachkonferenzen, allgemeinen Konferenzen, Referaten, Korreferaten, 
Lehrplanfolianten. Dabei kannst du auf deinem Zimmer bleiben, deinen Schlafrock 
in würdige Falten legen, und der Schuldiener trägt dir alles zu, bis die Stunde 
schlägt. Du zeigst dich wenig, wie einst die Perserkönige, damit deine Unter 
thanen nicht den Respekt verlieren; erscheinst du dann einmal, so macht das um 
so mehr Effekt. — Es giebt noch eine andere, die man die occidentalische, ger 
manische, menschliche nennen kann. Sie besteht darin, daß man auf dem Platze 
ist und die Augen offen hält, — am Gespräch der Kollegen in den Pausen mit 
Heiterkeit teilnimmt; für jedes Desiderium zugänglich ist — diese Methode hat 
den großen Vorteil, daß man sehr vieles im Keime ersticken — ruhig schlichten 
kann, ehe es an die große Glocke kommt. Wenn da etwas Dummes gesagt 
wird — von dir und deinen Mitarbeitern, es ist ja doch möglich, das wird 
wenigstens nicht protokolliert."
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.