Full text: Evangelisches Schulblatt - 46.1902 (46)

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in. Abteilung. Litterarischer Wegweiser. 
leidenschaftlichen Chauvinismus predigen. Ein „verständiger französischer Lehrer" 
hat dem Dr. v. Gizycki zwar gesagt: „Dieser Chauvinismus herrsche mehr in 
den Schulbüchern, welche in der Pflege des Patriotismus hinter einander nicht 
zurückstehen wollten, als in den Köpfen und Herzen der Lehrer," — allein er 
wird doch gelehrt und vor allem gelernt! 
III. Abteilung;. Litterarischer Wegweiser. 
Für den Lehrer der Kleinen. 
Engel Ernst, Das erste Schuljahr. Gekrönte Preisschrift der Diesterwegstiftung. 
Berlin. 1899, L. Oehmigkes Berlag (R. Appelius) 80 S. 1.60 M. 
Inhalt: Einleitung — der Zögling: Allgemeines, das Individualitätsbild, die 
Analyse des kindlichen Gedankenkreises — der Unterricht: Unterrichtsform und Unterrichts 
stoff: Anschauungsunterricht, Singen, Zeichnen und Stäbchenlegen; der Religionsunterricht; 
Lesen, Schreiben und Rechnen: Spielen und Turnen: Konzentration der Unterrichtsstoffe, 
Pensenverteilung und Stundenplan — Hygiene der Elementarklasie - der Lehrer. 
Fuß, Emil, Der Unterricht im ersten Schuljahr. Von der Diesterwegstiftung mit 
dem ersten Preis gekrönt. Dresden. 1899, Bley! und Kaemmerer. 120 S. 2,40 M- 
Inhalt: 1. Einleitung. 2. Allgemeines. 3. Religionsunterricht. 4. Naturkunde. 5. 
Geographie. 6. Sprachbildung im allgemeinen. 7. Lesen, Schreiben und Sprachlehre. 
8. Rechnen. 9. Gesang. 10. Schlußwort. 
Auf die beiden Preisschriften der Diesterwegstiftung möchte ich die Lehrer der Unter 
stufe nachdrücklich hinweisen, insbesondere auf das kleinere Büchlein von Engel. Es 
hat zwar nicht den ersten Preis bekommen, ist aber zur Förderung der Durchschnitts- 
praris weit mehr geeignet als das Buch von Fuß. Und das ist unter den obwaltenden 
Umständen von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Denn grade auf dem Gebiet des 
ersten Unterrichts ist zwischen der ziemlich gut ausgebauten Theorie und der traditionellen 
Praxis noch eine ungeheure Kluft befestigt. Diese zu überbrücken oder vielmehr auszu 
füllen ist unsre dringendste Aufgabe, und unter diesem Gesichtspunkt betrachtet, möchte 
ich der erstgenannten Schrift entschieden den Vorzug geben. Doch sehen wir uns die 
beiden Bücher einmal genauer an. 
Engel zeichnet mit wenigen kräftigen Strichen einen Grundriß des gesamten ersten 
Unterrichts, die Einzelheiten möge man aus der obigen Inhaltsangabe ersehen. Alle 
überflüssige Kritik und Polemik ist fast gänzlich vermieden. Berechtigte und durchführ 
bare Resormvorschläge sind überall berücksichtigt. Hier und da ist vielleicht ein Abschnitt 
etwas zu knapp weggekommen, so namentlich der über den ersten Relioionsunterricht. 
Dagegen sind andere Teile um so besser gelungen: insbesondere gehören die Aus 
führungen über den Schreibleseunterricht zum Besten, was bisher darüber geschrieben 
worden ist. Wertvoll ist auch der beigegebene Plan über die Stoffverteilung für den 
Anschauungsunterricht. Er schließt sich in der Hauptsache an das an, was Hartmann 
in seiner „Analyse des kindlichen Gedankenkreises" ausgestellt hat. 
Im ganzen sehe ich in dem Buche eine der erfreulichsten Erscheinungen der letzten 
Jahre. Wer sich über die Hauptfragen des Unterrichts der Kleinen schnell und gründlich 
orientieren will, der findet hier alles beisammen, was er für den ersten Anfang braucht. 
Von jüngeren Kollegen ist mir wiederholt bestätigt worden, daß sie für ihre Praxis 
vielseitige Anregung aus dem Büchlein geschöpft haben. Es sei daher noch einmal 
warm empfohlen. — 
Der Verfasser der zweiten Arbeit gehört dem Kreise der Würzburger Zillerianer 
an. Das Unnatürliche und Unzulängliche des herkömmlichen Unterrichts wird von ihm 
vielfach recht scharf und treffend gekennzeichnet. Sein positiver Aufbau hat mich indessen 
nicht befriedigt. Der einseitige Standpunkt des Verfassers macht sich überall bemerkbar, 
besonders in den Ausführungen über den Märchenunterricht, über das Schreiblesen und 
die „Geographie." Was Prof. Rein im Vorwort des ersten Schuljahrs sagt, daß „auf 
die bestehenden Schulverhältnisie so gut wie keine Rücksicht genommen sei und daher
	        

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