Full text: Evangelisches Schulblatt - 46.1902 (46)

Das Volkslied in der Schule. 
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3. Es ist bestimmt in Gottes Rat (Feuchtersleben). Anschluß- 
stoffe: Wenn alles eben käme (Fouque); Luther bei dem Tode seines Lenchen 
(Sturm). 
4. Der Liebe Dauer (Freiligrath). Anschluß st o f f e: Wenn du noch 
eine Mutter hast (Kaulisch); Ein getreues Herze wissen (Fleming): Der Mensch 
hat nichts so eigen (Simon Dach). 
5. Der frohe Wandersmann (Eichendorff). Anschlußstoffe: 
Sonntag am Rhein (Reinick); Der Mai ist gekommen (Geibel); Das Wandern 
ist des Müllers Lust (Müller). 
6. Deutschland über alles (H. v. Fallersleben). A n sch l u ß st off e: 
Dem Land, wo meine Wiege stand (Sturm); Treue Liebe bis zum Grabe 
(H. v. Fallersleben); Ich hab mich ergeben (Maßmann). 
7. Die Auswanderer (Freiligrath). Anschlußstoffe: Traute Heimat 
meiner Lieben (Salis-Seewis); Zu Straßburg auf der Schanz (Volkslied); 
Wenn du noch eine Heimat hast (Träger); Abschied von der Heimat (Disselhoff). 
Wenn aber auch eine gute Behandlung der Liedertexte die Begeisterung 
für das Volkslied außerordentlich zu wecken imstande ist, so muß doch vor allem 
der Gesang unterricht dem Liede Seele und Leben einhauchen; erst wenn das 
Lied gesungen wird, gewinnt es wahre Bedeutung für Volksleben und Volks 
gesang. Durch den Gesangunterricht kann die Schule überhaupt am tiefsten, 
fruchtbarsten und nachhaltigsten auf das Volksgemüt einwirken. Die Voraus 
setzungen dazu sind gegeben, wenn der Lehrer selber rechte Lust und Liebe zum 
Gesänge hat, eine gute musikalische Ausbildung und die nötige Einsicht in die 
Methode dieses Unterrichtsfaches besitzt, und wenn ferner die Forderung der „all 
gemeinen Bestimmungen" stets im Auge behalten wird, „daß jeder Schüler nicht 
nur im Chor, sondern auch einzeln richtig singen könne und bei seinem Ab 
gänge eine genügende Anzahl von Chorälen und Volksliedern, letztere möglichst 
unter sicherer Einprägung des ga nzen Textes, als freies Eigentum inne habe!" 
Der Gesangunterricht hat eine hohe Aufgabe zu erfüllen: Er soll die 
Sangeslust im Volke wecken und beleben und dabei das Volkslied zum Allgemein 
gut des Volkes machen. Wo sich junge Leute nach des Tages Hast und Hitze zu 
sammenfinden, wo an langen Winterabenden die Familienglieder und Freunde um 
des Lichtes trauliche Flamme sich scharen, wo man frohe Feste feiert und beim 
schönsten derselben in der geweihten Nacht unter dem Lichterbaume steht: Da 
sollen die lieblichen und ergreifenden Volkslieder von alten und jungen Lippen 
erklingen und um alle ein Band der Eintracht und Zusammengehörigkeit schlingen; 
da soll keiner im frohen Kreise schweigen müssen, weil er das Lied nicht kennt 
oder nicht ganz kennt. 
Um dieses Ziel zu erreichen, ist es dringend geboten, daß in einem größeren 
Verbände, nicht nur in den Schulen eines Ortes, eines Gaues, eines Regierungs-
	        

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