Full text: Evangelisches Schulblatt - 46.1902 (46)

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III. Abteilung. Litterarischer Wegweiser. 
kann — man tritt also zurück vom Vertrag. Der Vermieter besteht aber auf 
seinem Schein, verlangt und erhält die Miete. 
Unterhaltungskosten der Volksschulen, über die Ausgaben für die 
Volksschulen in Preußen entnehmen wir der „Rheinisch-Westfälischen Zeitung" 
eine interessante Zusammenstellung. Danach entfielen 
auf je 1 Schule auf je i Schulklasie 
im Jahre 1886 
1891 
1896 
1901 
3424 M. 
4209 „ 
5145 „ 
7 349 „ 
1551 
1767 
2021 
2694 
M. 
auf je 1 
Schulkind 
24 M. 
30 „ 
36 
48 .. 
auf den Kopf der 
Bevölkerung 
4,11 M. 
4,88 
5,84 
7,83 
Die Gesamtausgaben betrugen 1886 - 115 685 326 M., 1901 - 269942 375 
Mark. Statt je 100 M. vor 15 Jahren werden jetzt 233 M. aufgewendet. 
Dabei besteht aber ein erheblicher Unterschied zwischen Stadt und Land. So 
wurden für ein Landkind im Durchschnitt verausgabt 1886 -- 20 M., 1901 -- 
39 M., während die entsprechenden Zahlen in den Städten 34 und 64 M. 
betragen. Der Schüler einer höheren Lehranstalt kostet im Durchschnitt das 
Fünffache von dem eines Volksschülers. 
Schülerlektüre. Der Kultusminister hat eine die Privatlektüre der Schüler 
der oberen Klassen höherer Lehranstalten betreffende Verfügung erlassen, die soeben 
den Direktoren der Anstalten zugegangen ist. Sie besagt, von verschiedenen 
Seiten werde darüber geklagt, daß Schüler, insbesondere der oberen Klassen, durch 
ungeeignete Lektüre in ihrem Fortschreiten in der Schule gehindert würden. Die 
Provinzialschulkollegien werden aufgefordert, über die Erfahrungen, die auf diesem 
Gebiet an den höheren Unterrichtsanstalten ihres Aufsichtsbezirks gemacht worden 
sind, nach Verlauf von sechs Monaten zu berichten. 
Über die sogenannten Hintertreppcn-Romane, ihre Verbreitung und 
ihre Einnahmen, stellen die „Preußischen Jahrbücher" folgende Zahlen zusammen: 
Die ersten Hefte eines solchen Romans sind dazu bestimmt, die Leser zu ködern; 
von ihnen hängt größtenteils der Erfolg des ganzen Werkes ab. Von einem 
Romane, der sich auf 150 Hefte ausdehnte, wurde das Heft in 2500000 
Exemplaren gedruckt; vom zweiten Hefte wurde nur noch der zehnte Teil, also 
250000 Exemplare, hergestellt, und von da an ging die Auflage abwärts bis 
zum fünften Heft, das in 175 000 Exemplaren erschien. Die folgenden Hefte 
wurden nur noch an die Abonnenten abgegeben, deren Zahl aber auch beständig 
abnahm. Trotz alledem werden noch genug Hefte abgesetzt, sodaß der Verleger 
keinen Schaden erleidet. So wurden von einem anderen Roman von Heft 6 bis 
Heft 150 an fünf Millionen Stück abgesetzt, obschon fast fünf Sechstel der Ab 
nehmer vor Beendigung des Werkes „abgesprungen" waren; dennoch wurde der 
Roman als „Durchschläger" bezeichnet. Der Verleger überläßt die Zehnpfennig 
hefte gewöhnlich zu 50 Prozent Rabatt, oft sogar das Stück zu 4^,2 statt 5 
Pfennig. Jene 5 Millionen bezahlter Hefte brachten also etwa 225000 M. 
ein, und da die Ausgaben sich zusammen auf ungefähr 143 000 M. beliefen, 
so hatte der Verleger an jenem Roman einen Gewinn von 80 bis 100 000 
Mark. Diesem Gewinn des Verlegers steht das Honorar des Verfassers des 
Romans mit nur 6750 M. gegenüber. Wie nötig ist solchem Schund gegen 
über die Verbreitung guter, gehaltvoller Lektüre!
	        

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