Full text: Evangelisches Schulblatt - 46.1902 (46)

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III. Abteilung. Litterarischer Wegweiser. 
Apostolikums, dessen Lehre vom Vater, Sohn und Geist direkt aus der Schrift entwickelt 
wird. Zu Grunde liegt Jesu Lehre nach den Synoptikern. 
Die Lehre von den Sakramenten, die in diesen Zusammenhang nicht paßt, wird 
am besten mit den sogenannten Unterscheidungslehren im kirchengeschichtlichen Unterricht 
verbunden. 
Der erste Teil (S. 1—3 7) behandelt apologetisch die Grundlagen der natürlichen 
Gotteserkenntnis, besonders dasjenige, was dem Verfasser von aktueller Bedeutung 
schien, die modernen Theorien von der spontanen Entstehung der Welt und der Organis 
men. sowie die alle Moral auflösende Zurückführung des Gewissens auf Erziehung und 
dergleichen Einflüsse. 
Man kann darüber verschiedener Meinung sein, ob derartige Apologetik gelegentlich 
oder systematisch zu treiben ist; daß sie gründlich getrieben werden muß, wird jeder 
Kenner der Verhältnisie zugeben. Es lebt, wie ich aus eigener Erfahrung bezeugen 
kann, in der Jugend, für welche jene Darlegungen bestimmt sind, tzin Heer von Zweifeln, 
Bedenken und Anstößen, so daß der Lehrer, der auf diese Dinge einzugehen versteht, 
des lebendigsten Interesses seiner Schüler gewiß sein kann. Wenn er sodann mit ihnen 
aus dem Vorhof der Apologetik in das Heiligtum des Christenglaubens tritt und ihnen 
so schlicht, warm und herzlich, wie es Koppelmann thut, dessen tiefstes und seligstes 
Geheimnis an der Person des Heilandes aufzeigt, kann diese Arbeit nicht ohne Segen 
bleiben. 
1. Kaufmann, Karl, Bibelknnde, ein Wegweiser durch die heilige Schrift Alten und 
Neuen Testaments auf der Grundlage des geschichtlichen Entwicklungsganges der 
Offenbarung, zum Gebrauche für Seminare und höhere Lehranstalten. Erster Teil. 
Das Alte Testament. Deffau, Oesterwik u. Voigtländer. 178 S. 3 M. 
2. Bamberg, Friedrich, Ausführliche Bibelkunde. Hilfsbuch für Lehrer, Seminaristen 
und Präparanden. Wiesbaden, Otto Nemnich. 175 S- 3 M. 
Beide Bücher behandeln hinsichtlich des Alten Testaments denselben Gegenstand und 
sind auch für dieselben Leser geschrieben. Sie zeigen indessen einen tiefgreifenden Un 
terschied. Bamberg behandelt seinen Stoff ganz nach der traditionellen Auffassung, 
Kaufmann auf der Grundlage des geschichtlichen Entwicklungsganges der Offenbarung 
und wird dadurch an seinem Teile der Forderung der neuen Lehrpläne für die Seminare 
gerecht. Sein Versuch erscheint uns um der maßvollen, besonnenen und gründlichen 
Darstellung willen für den angegebenen Zweck sehr geeignet. Hier werden die Seminaristen 
wirklich zu einem Verständnis der Offenbarungs geschichte und zu einer rechten Würdigung 
ihrer Träger angeleitet. Im ersten Kapitel behandelt der Verfasser die Voraussetzungen 
der alttestamentlichen Geschichtsschreibung, ihre Eigentümlichkeiten und die Bedeutung 
der Geschichtsbücher. Das 2. Kapitel bespricht den Hexateuch in 3 Abschnitten: Das 
jehovistisch- elohistische Geschichtswerk, das Deuteronomium, die Priesterschrift. Schon 
daraus wird man auf den Charakter des Buches schließen können. Überall ist es dem 
Verfasser nicht um das Einzelne, sondern um das Verständnis des Ganzen zu thun, 
um wirkliche Einführung in die Sache. Das zeigt sich namentlich auch in der Be 
handlung der poetischen und prophetischen Bücher. Der Anhang giebt eine Geschichte 
des alttestamentlichen Kanons. Wir wünschen dem Buche auf unseren Seminaren einen 
fleißigen Gebrauch, auch die Lehrer im Amte werden es mit Gewinn gebrauchen können. 
Die Bambergsche Bibelkunde geht, wie erwähnt, ganz im traditionellen Gleise. 
Der Verfasser hat sich bemüht, „neben der grundlegenden Einführung in die Schrift auch 
Fingerzeige zur Erklärung derselben zu geben. Angeregt durch die Leben Jesu Be 
wegung hat er auch versucht, ein übersichtliches Lebensbild Jesu nach den Evangelium 
zu zeichnen." Abgesehen von vielen Halbheiten finden sich eine Reihe von sachlichen Irr 
tümern. Mose hat „unzweifelhaft" den Grundstock des Pentateuchs geschrieben. Der Ver 
fasser kennt nur 2 Quellen desselben, der Endredaktor lebte zur Zeit Samuels oder 
Davids. Auf dem Stirnband des Hohenpriesters stand nicht „Heiligkeit des Herrn", 
sondern „heilig dem Herrn." Seine Amtsgeschäfte sind nicht genau angegeben. Die 
Behauptung, daß im sogenannten Sabbathjahr nicht gesät und geerntet werden durfte, 
sollte jemand, der in solchen Dingen andere belehren will, nicht ausstellen. Jos. 10 13 
wird das „Heldenbnch von der frommen Gemeinde" genannt, während es das Buch 
des Frommen oder Braven ist. Wo der Verfasser sich außer der Inhaltsangabe der 
Kapitel auf „Fingerzeige zur Erklärung" einläßt, kommt man aus dem Staunen nicht 
heraus: so S. 20 (Sauls Wahl zum Könige), S. 22 (Ursachen von Salomos Fall), 
S. 31 (Buch Hiob), S. 38 (Hoheslied), S. 43 (Anordnung des Buches Jesaja) u. an
	        

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