Full text: Evangelisches Schulblatt - 46.1902 (46)

Zur Frage des deutschen Geschichtsunterrichts. 413 
Geschichtslehrkunde gegeben ist. Nicht das birgt den bildenden Gehalt der Ge 
schichte, daß man erzählt, wie unsere Vorfahren gegessen, getrunken, gewohnt, sich 
gekleidet und bestattet haben. Gewiß sind diese Thatsachen auch oft recht 
anziehend für die Jugend, aber für die Gegenwartsbildung sind sie ohne Wert, 
wenn ihnen nicht durch geschickte Behandlung, durch die von Lorenz so sehr ge 
haßte lehrhafte Zugabe und unterrichtliche Ausbeute ein solcher abgewonnen wird, 
indem man sie in einen Hähern Gedankengang einordnet oder als Mittel zur 
Erklärung für Anschauungen, Gebräuche, Redensarten u. s. w. verwendet. Die 
Sprachweise und die Bekleidungsart der Deutschen im 17. und 18. Jahrhunderte 
hat z. B. nur insofern eine allgemeine geschichtliche Bedeutung für uns, als diese 
Nachahmung französischer Trachten und diese Verlotterung der deutschen Sprache 
nur eine Teilerscheinung und ein sinnfälliges Kennzeichen der damals allgemein 
verbreiteten Nachäffung des Franzosentums, der staatlichen und kulturlichen Ohn 
macht Deutschlands war; hieraus aber ergiebt sich die wichtige Thatsache, daß die 
staatliche Schwäche auch eine Verkümmerung des Volkstums nach sich ziehen muß, daß 
beide in engem Zusammenhange stehen. Hieraus leiten wir ferner die Richt 
schnur für unser völkisches Gesamtwollen ab; stets dessen eingedenk zu sein in 
Reden, Wollen, Handeln, Sitte und Gewohnheit, Haltung und Kleidung u. s. w. 
ein Deutscher zu sein. So bildet niemals die bloße Kulturgeschichte an sich den 
Leitstern der Stoffauswahl und Stoffdurchgeistigung, sondern nur die völkische 
Erziehung und Bildung. 
Folgende Hauptabschnitte unterscheide ich in völkischer Hinsicht und empfehle, 
sie dem Unterrichte der Oberstufe zu Grunde zu legen. 
1. Der siegreiche Kampf des Urdeutschtums mit dem staatlich gefestigten 
weltreichischen Römertum. 
2. Das Verbluten der deutschen Volkskraft in der Völkerwanderung, die 
Folge verkehrter 'Wanderungspolitik. 
3. Die Gründung eines alldeutschen Weltreiches durch Karl den Großen 
und sein Verfall. 
4. Die Gründung des völkischen Deutschreiches unter Heinrich I. und 
Otto I. 
5. Die Verbreitung des Christentums und Deutschtums nach Osten und 
die verkehrte südländische Weltreichspolitik der sächsischen, fränkischen und hohen- 
staufischen Kaiser. 
6. Der deutschvölkische Wehrstand in seiner höchsten Blüte. 
7. Das deutsche Bürgertum in seiner Entwicklung und mittelalterlichen 
Blüte. 
8. Die deutsche bürgertümliche See- und Handelsmacht im Mittelalter, ihre 
Entwicklung und Blüte. 
9. Das Deutschtum unter der Herrschaft der weltstaatlichen Papstkirche. 
10. Die Befreiung des Deutschtums von der Knechtschaft des römischen 
Weltstaatskirchentums. 
11. Die Zerfleischung und Verblutung des Deutschtums durch die Herrschsucht
	        

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