Full text: Evangelisches Schulblatt - 46.1902 (46)

III. Abteilung. Litterarischer Wegweiser. 
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0. Rechenbücher, welche nur für eine Gchulftufe bestimmt sind. 
1. Wiemesch und Teutsch: Rechenbuch für die Mittelstufe. 2 Hefte. Kronstadt 1899, 
Zeidner. 20 und 25 Kreuzer. 
Das erste dieser empfehlenswerten, aus der Praxis hervorgegangenen Rechenhefte 
behandelt den unbegrenzten Zahlenraum und das Rechnen mit einfach und mehrfach 
benannten Zahlen. Das zweite Heft enthält die Bruchrechnung und in einem Anhang 
Regeldetri und Durchschnittsrechnung. Die Aufgabengruppen zeigen in ihrer Auf 
einanderfolge einen streng stufenmäßigen Fortschritt vom Leichten zum Schweren. Jede 
neue Aufgabenart beginnt mit einem konkreten Beispiel. Überhaupt sind die Sach 
gebiete in allen Teilen der Hefte nach Gebühr berücksichtigt. Auch in Bezug auf den 
Zusammenhang der Rechenoperationen zeigt das Rechenwerkchen die schon früher an 
andern Rechenbüchern erwähnten Vorzüge. Eine Eigentümlichkeit sind die jedem Rechen 
abschnitt beigefügten Fragen und Regeln, welche sich zur mündlichen oder schriftlichen 
Bearbeitung vorzüglich eignen und den Schüler noch einmal nötigen, die in dem betr. 
Abschnitt vorgekommenen Rechenfälle kurz zu charakterisieren. Dadurch wird in 
elementarster Weise eine recht praktische Theorie von den Schülern selbst erarbeitet. 
Rechenvorteile werden in fast allen Abschnitten angegeben. Es sind aber mit Recht 
nur diejenigen Fälle berücksichtigt, in welchen sich die welsche Praktik als eine that 
sächliche und dauernde Erleichterung erweist. Der Bruchrechnung geht eine trefflich 
bearbeitete Einleitung, in welcher nach Gruppen (Halbe und Viertel, Drittel und 
Sechstel, Fünftel und Zehntel) geschieden ist, voran. Die Dezimalbruchrechnung wäre 
wohl beffer an die Rechnung mit mehrfach benannten Zahlen angeschlossen worden. 
In Rücksicht auf den Teil der Multiplikation und Division, bei welcher Multiplikator 
und Divisor Brüche sind, dürfte eine Zurückführung auf Multiplikation und Division 
ganzer Zahlen angebrachter sein. Die angewandten Aufgaben des II. Heftes geben an 
vielen Stellen Anlaß zu volkswirtschaftlichen Erörterungen und Ratschlägen. 
Wir erblicken in der Herausgabe der vorliegenden Rechenhefte ein erfolgreiches 
Bemühen der Verfasser, mit der treu bewahrten deutschen Art auch die deutsche 
Pädagogik in der Ostmark hochzuhalten und zu neuen Ehren zu bringen. Dazu kann 
man sie nur von Herzen beglückwünschen. 
2. Für den Gebrauch in der Unterstufe sind bestimmt: 
a) Heuers Rechenbuch. 1. Teil: Die Zahlenreihe von 1—100. Bearbeitet von Magnus. 
100. Stereotyp-Auflage. (72 S ) Hannover 1901, C. Meyer. Ungeb. 35 Pfg. 
Bei einer so alten, bewährten Jubilarin, die in einigem Bilderschmuck dieses Mal 
ein besonderes Festgewand angelegt hat, genügt statt jeder Empfehlung die bloße 
Anzeige. Was der Bearbeiter von ihr erhofft, daß sie bei Lehrenden und Lernenden 
die Last des ersten Rechnens in Lust verkehre, wird sie gewiß halten. 
Denselben Zahlenraum behandelt: 
b) Teubser: Aufgaben für schriftliches Rechnen im Zahlenraum von i—loo, (32 S) 
Leipzig, Hahn. 25 Pfg. 
Diese eigenartige und sehr beachtenswerte Aufgabensammlung ist als Übungsheft 
für die Hand der Kinder im Anschluß an des Verfassers „Methodische Lehrgänge des 
elementaren Rechenunterrichts" gedacht. Der durch mehrere treffliche Arbeiten auf 
diesem Gebiete (Wegweiser zur Bildung heimatlicher Rechenaufgaben — Über den 
pädagogischen Wert der Rechenaufgaben, 23. Jahrbuch des Vereins f. w. P ) wohl 
bekannte Verfaffer legt schon beim ersten Rechenunterricht mit Recht Wert darauf, daß 
sich das Schulrechnen an bestimmt begrenzten, geschloffenen Sachgebieten vollziehe, an 
Stoffen, welche ganz im gegenwärtigen oder zukünftigen Lebenskreise des Kindes liegen. 
So sind die reinen Zehner bis 100 an die Mark, reine Zehner und Einer an Geld 
summen aus Zehnpfennigen und Pfennigen, das Überschreiten des 3. Zehners an die 
Betrachtung des Monats u. s. w. angeschlossen. Ein Wechsel in den sachlichen Ver 
hältnissen soll vor Erlangung der vollen Rechenfertigkeit nach Möglichkeit vermieden 
werden. Dadurch fällt auch ein nicht geringer Gewinn dem bewußten Handeln des 
Kindes zu. Darum ist auch schon hier das selbstthätige Finden und Bilden von Auf 
gaben angebahnt worden, und zwar durch Zahlentafeln, mit deren Hülfe das Kind 
zahlreiche Übungsfälle selbst schaffen kann. 
Was nun die eigentliche Rechenübung im Zahlenkreis von 1—100 anlangt, so 
liegt der Schwerpunkt der Behandlung in den Reihen des kleinen Einmaleins, die 
durch ein sicheres und gewandtes reihenartiges Addieren und Subtrahieren vorbereitet 
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