Full text: Evangelisches Schulblatt - 46.1902 (46)

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III. Abteilung. Litterarischer Wegweiser. 
Provinz behandelt. Die Herausgeber sind Seminarlehrer und Schulleiter, also Schul 
männer, von denen in erster Linie die Förderung sowohl der methodischen Bearbeitung 
als auch die stoffliche Darbietung der einzelnen Schuldisciplinen erwartet werden darf. 
Wir erblickten in dem Zusammenarbeiten eines solch stattlichen Kreises von Fachmännern 
einen besonderen Vorzug dieses Werkes. Für jede Provinz ist ein Fachmann gewonnen 
worden, von dem eine gründliche Kenntnis seiner Heimatprovinz vorausgesetzt wurde. 
Methodisch stehen sämtliche Versaffer auf den oben bezeichneten Grundsätzen, die wir 
kurz in die beiden Worte „Landschaftsbilder"*) und Rittersche Weise" zusammenfassen. 
Die Vereinigung beider Grundsätze macht ganz von selbst eine große Stosimenge not 
wendig: denn wo das „Warum" gründlich erörtert werden sosi, da muß eine breite 
Grundlage, ein großer Stoffkreis geschaffen werden. Aus den Einzelbildern der ver 
schiedenen Landschaften ergießt sich wie von selbst ein charakteristisches Gesamtbild der 
betreffenden Provinz. Dieses letztere wird von allen Verfassern im 2. Hauptteile ihrer 
Arbeit nach ziemlich denselben Gesichtspunkten behandelt. Naturgemäß drängen die 
meisten Verfasser das Gesamtbild auf einen weit engeren Raum zusammen als den 
einzelnen Landschaftsbildern zugewiesen ist. Die zahlreichen Illustrationen sind hübsch 
und eine Zierde des Werkes; nur müßte, zur befferen Verwertung derselben, auch im 
Texte darauf Rücksicht genommen werden, — wie das z. B. Harms in seiner Erdkunde 
thut. Die Beifügung guter Kartenbilder ist sehr zu loben. Der Preis für das gut 
gebundene Einzelbändchen ist 1—1,20 2R. * 2 ) 
7. Gleisberg, Robert. Kulturgeographie Stoffe für den kulturgeographischen Unter 
richt im letzten Schuljahre. Minden und Leipzig 1902. Volkening. 
Das Buch ist eine vorigjährige Weihnachtsgabe. Der Verfasser läßt überall etwas 
von dem Licht der Christnacht auf die menschlichen Kulturfortschritte fallen; denn 
auch er hat sich „ein religiöses Denken" bewahrt. (S. 10.) — Umfang, Anlage, In 
halt und Art der Ausführung unterscheiden sich sehr vorteilhaft von manchen Bear 
beitungen desselben Gegenstandes. Verfasser will die geographischen Unterrichtsstunden 
der letzten Schuljahre ausfüllen. Er zieht mit Recht die Belehrungen über Himmels 
kunde, der Erd-Entstehung und -Gestalt mit in den Bereich der Kulturgeographie. Deutsch 
lands Lage, Bodenbeschaffenheit und Bewässerung — kurz, seine physische Gestaltung 
erscheint auch ihm als die Quelle deutscher Kultur, wie sich dieselbe in dem Bestand 
und Wachstum der Volksmenge, seinem Charakter und Bildungsstande erweist. — Mit 
diesem 1. Teil seiner Arbeit hat der Verfaffer gleichsam eine breite Grundlage für die 
Darstellung der materiellen Kultur des deutschen Volkes — in der anderen Hälfte seines 
Buches — geschaffen. Ein wertvoller Inhalt und eine klare lebendige Darstellungs 
weise machen den Hauptwerk des Buches aus. An keiner Stelle begnügt sich der Ver 
faffer mit trockenen Auszählungen. Er weiß die einzelnen Zweige der Bodenkultur ebenso 
interessant darzustellen wie diejenige des Bergbaues, der Industrie und des Handels. 
Nicht minder interessant werden die Verkehrsmittel für den Binnen- und Weltverkehr 
besprochen. Überall schöpft der Verfasser aus dem Vollen, und lebendig, einfach-schön, 
klar und anschaulich stießt der darstellende Sprachstrom dahin. — Über die Verwendung 
seines Büchleins spricht der Verfaffer sich im Vorwort ausführlich aus. Wir freuen 
uns, alle Kollegen auf diese Bearbeitung eines nicht leicht interessant darzustellenden 
Stoffes als auf ein ganz vorzügliches Hilfsmittel empfehlend hinweisen zu können. 
8. Fritzsche, Rich. Methodisches Handbuch für den erdkundlichen Unterricht in der 
Volks-, Bürger- und Mittelschule. I. Teil: Das deutsche Reich. Langensalza. 
1901. Beyer. 
Eine 400 Druckseiten umfaffende Arbeit, die als geographisch-methodisches Handbuch 
nur Deutschland umschließt, muß vernünftigerweise sich eine besondere Aufgabe ge 
stellt haben. Der Verfaffer will die dem erdkundlichen Unterrichte „innewohnende geist 
bildende Kraft" entfalten helfen. Wo aber der Geist genährt und seine Kräfte entwickelt 
werden sollen, da muß vor allem eine klare Anschauung dargeboten, eine der Wirklich 
keit entsprechende Vorstellung erzeugt, das Denken und Schließen geübt werden. Kurz: 
Da muß psychologisch-methodisch zu Werke gegangen werden. In dem vorliegenden 
Buche ist zur Lösung dieser schwierigen Aufgabe der nach u. D. einzig richtige Weg 
1) Aus praktischen Rücksichten ist hie und da über die natürlich abgegrenzten Land 
schaftsgebiete hinausgegangen worden. 
2 ) Daß nicht bei allen Werken der Preis angegeben ist, ist Schuld der Verleger, 
die dem „Schulblatt" die Bücher ohne Preisangabe zugestellt haben.
	        

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