Full text: Evangelisches Schulblatt - 46.1902 (46)

III. Abteilung. Litterarischer Wegweiser. 
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Jugendschriften. 
Matthias Claudius, der Wandsbecker Bote. Aus seinem Leben und aus seinen Werken. 
Für die Jugend und das Volk dargestellt und ausgewählt von Heinrich Möhn. 
Mit neun Abbildungen. Gütersloh 1901, C. Bertelsmann. 112 S. 1 M., 
geb. 1,50 M- 
Ein schlichles Büchlein, einem schlichten Manne gewidmet. Es ist als Jugend 
schrift gedacht. Der „Wandsbecker Bote" ist einer von denen gewesen, die unter das 
Wort fallen: „Selig sind die reines Herzens sind, denn sie werden Gott schauen." 
Das macht den Mann so anziehend für rechte Christenleute, daß Wort und Wesen 
durchleuchtet waren von jenem wunderbaren Morgenglanz der Ewigkeit. Das vorliegende 
Büchlein läßt das Bild des Mannes mit dem reinen, kindlichen Gemüt in herz 
gewinnender Weise in Erscheinung treten. Der I. Teil giebt einen Einblick in das 
Leben und Wirken dieses Mannes, den aufrichtige Seelen lieb gewinnen, wenn sie ihn 
kennen lernen. Der U. Teil enthält zweckmäßig ausgewählte Proben seiner Dichtung. 
Das Schriftchen sei besonders als Jugendlektüre hiermit warm empfohlen. 
A. Grünweller. 
Pädagogik. 
1. Pädagogisches Lesebuch für Lehrerseminarien von vr. W. Ostermann, Provinzial 
schulrat in Breslau. Zweite Auflage. Oldenburg und Leipzig 1901, Schulzesche 
Hof-Buchhandlung und Hof-Buchdruckerei. (A. Schwartz). 662 S. Pr. 5 M. 
Der Vers, ist der Meinung, daß es der pädagogische Unterricht an Lehrerseminarien 
„weniger auf die Vollständigkeit eines alle Zeiten und Völker umfassenden Wissens, als 
vielmehr auf möglichste Vertiefung in einzelne für die Gegenwart hervorragend be 
deutsame Erscheinungen abzusehen habe." Er ist ferner der Ansicht, daß die bereits 
vorhandenen pädagogischen Lesebücher" ihren Zweck nicht voll und ganz erfüllen können, 
weil ihr Lesestoff „fast durchweg zu dürftig und bruchstückartig" sei. Er will ein 
räumen, daß sich der pädagogische Leseunterricht häufig mit Auszügen und bloßen 
Bruchstücken begnügen müsse, verbindet damit aber die nachdrückliche Forderung, daß 
besonders wichtige und ihrem ganzen Umfange nach dem Schüler verständliche päda 
gogische Schriften ganz gelesen werden sollen. Das gesamte pädagogische Lese 
material, soweit es in der Seminarzeit zu verarbeiten ist, sollte in dem vorliegenden 
Lesebuche zusammengestellt werden. Daß sich für eine derartige, geordnete und dem be 
absichtigten Zweck ohne Zweifel völlig entsprechende Zusammenstellung des pädagogischen 
Lesestoffs überzeugende Gründe anführen lasten, wird man dem Verfasser nicht be 
streiten können. Vor allen Dingen wird man auch dem Verfasser darin beistimmen 
müsten, daß der Grundsatz: non muUa, seck multum! für den pädagogischen Unterricht 
nicht scharf genug betont werden kann. Wenn man die pädagogischen Lehr- und Lern 
bücher nach diesem Grundsätze einer Musterung unterzieht, kann man wohl zu der 
Meinung kommen, daß elementare pädagogische Grundsätze für die Pädagogik selbst keine 
Geltung haben. Die alte Geschichte: „Kein Prophet ist angenehm in seinem Vater 
lande." Oder ist es bei den Seminarprüfungen üblich, daß die pädagogische Bildung 
nach der Elle gemessen wird? Uns ist davon nichts bekannt. Die vorliegende Schrift 
umfaßt 28 Nummern. Manche Quellenschriften, wie z. B. Salzmanns Ameisen- 
büchlein, und Pestalozzis Lienhard und Gertrud sind unverkürzt aufgenommen 
worden. Die von dem Verfasser beigegebenen kurzen Vorbemerkungen und Anmerkungen 
sind sachlich, treffend und zweckentsprechend. Auch da ist die Objektivität gewahrt, wo 
die Veranlastung zur grundsätzlichen Bekämpfung pädagogischer Theorien für ihn gegeben 
war, wie z. B. bei Herbart. — Das ganze Werk verrät den zielbewußten, erprobten 
Fachmann. Wir sind überzeugt, daß es für die pädagogische Vor- und Fortbildung 
ausgezeichnete und dem ausgesprochenen Zweck entsprechende Dienste leisten kann. In 
welchem Umfange es für den lehrplanmäßigen pädagogischen Unterricht an den 
Seminarien verwertet werden kann, vermögen wir nicht zu beurteilen. Für den Privat 
gebrauch während und nach der Seminarzeit sei es bestens empfohlen. 
2. Grundzüge der evangelischen Volksschulerziehung. Erster Teil. Das Wesentlichste 
aus der Geschichte der Erziehung. Dargestellt von F. Herm. Kahle, ch Regierungs-, 
und Schulrat. Mit 10 Holzschnitten. Elfte vermehrte und verbesserte Auflage, 
bearbeitet von Eduard Sperber, Geh. Regierungs- und Schulrat. Breslau 
1900, Karl Dülfer. 174 S. Pr. 2 M, in Leinenbd. mit Titel 2,50 M. Zweiter
	        

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