Full text: Evangelisches Schulblatt - 49.1905 (49)

130 H. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc. 
zahlreich als Eigenschaftswort gilt: die einzelnen Auflagen enthielten eine große 
Zahl von Büchern; über die Zahl der Auflagen ist nichts bestimmt. Man darf 
daher nicht von zahlreichen Auflagen reden statt von manchen oder vielen; zahl- 
reich muß wirklich Eigenschaftswort bleiben. „Auf dem Boden Italiens haben 
sich viele (manche) Völker getummelt." Das läßt sich nicht mit dem Ausdruck 
„zahlreiche Völker" in demselben Sinne ausdrücken. Denn die letzte Wendung 
hebt nur hervor, daß die einzelnen Völker zahlreich gewesen seien, während sie 
über die Zahl der Völker nichts bestimmt. „Die Alpen sind von zahlreichen 
Heeren überstiegen worden" sagt, daß die einzelnen Heere zahlreich waren; über 
die Zahl der Heere ist aber nichts mitgeteilt, zwei oder mehrere sind es freilich 
gewesen. Der Ausdruck darf also nicht für viele oder manche Heere gabraucht 
werden. Es geht mithin aus diesen Beispielen hinreichend deutlich hervor, daß 
sich die Ausdrücke viele und manche nicht glatt gegen zahlreiche vertauschen laffen. 
Eine zahlreiche Bibliothek enthält eine große Anzahl von Büchern. Zahl 
reiche Bibliotheken sind solche, bei denen jede an Büchern reich ist. Bei dem 
Ausdruck viele Bibliotheken ist über den Reichtum an Büchern gar nichts 
bestimmt, einige mögen immerhin recht klein sein. — Ebenso gibt es in der 
Pflanzenwelt „zahlreiche" Arten, Arten, die reich an Zahl der Pflanzen auf 
treten. Aber eine Pflanzengattung, die viele Arten unter sich begreift, darf man 
deswegen doch noch nicht als Gattung mit „zahlreichen" Arten bezeichnen. Da 
ist sofort Mißverständnis und Unklarheit möglich. 
Merke: es empfiehlt sich nicht, das Wort zahlreich als unbestimmtes Zahl 
wort zu benutzen; es verbleibe vielmehr stets Eigenschaftswort besonders für 
Sammelnamen, oder es werde als Umstandswort gebraucht. 
Üppig. 
Man führt das Wort auf übel — ahd. auch upil — schlecht, schlimm, böse 
zurück. Auch hat man ahd. uppi bösartig, leichtfertig, locker, eitel, nichtig, sa 
wie üppig überflüssig, unnütz, leer, unziemlich, übermütig. Und so vermutet 
man rückwärts Zusammenhang mit dem Verhältniswort über, nämlich „das 
über die Gesetze und Schranken der Natur und Sitte Gehende". Aber 
bestimmtes ist nicht darüber zu sagen. Von diesem lediglich hochdeutschen Worte 
feien einige Beispiele angeführt: Ülppigheit, üppsksit, Leben in Überfluß, in 
Eitelkeit, in Übermut und Leichtfertigkeit. Uppi chosi ahd. unnützes, leicht 
fertiges Gespräch. Der Ausdruck kommt in einer Beichte vor, so wie in einer 
altfränkischen Beichte der Ausdruck in uppigsmo scerno, in leichtfertigem 
Scherze oder Spott. Man soll so Frauen ziehen, sprach Siegfried der Degen, 
daß sie üppge Reden lasten unterwegen. Simrock. Heutzutage findet man 
folgende Verbindungen: Üppige Pflanzen, Auen, Fluren, Beete, Speisen, Körper 
formen, Gestalten. Üppiger Mensch, üppige Kleidung, Gesellschaft, Tafel, üppiges 
Leben. 
Ziehen. 
Althochdeutsche Formen: tiohan, mhd. riishon; got. tinhan, as. tiohan, 
mnd. ten (toch, getogen). Wenn diesem letzten Worte einzelne Formen 
fehlen, so werden sie durch solche von tiohan oder von dem ndd. trekken 
ersetzt. Deutsche Wurzel ist tuh (tug); in der lat. Sprache nimmt sie die 
Form duk an und erscheint auch bei uns in Lehnwörtern: Duktus, Zug beim
	        

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