Full text: Evangelisches Schulblatt - 49.1905 (49)

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Rundschau. 
veranlaßt, dazu mit folgendem Beschlusse Stellung zu nehmen: „Die Auszeichnung 
einzelner verdienter Lehrer schließt mit Naturnotwendigkeit die Minderung des Ansehens 
anderer in sich, die der Schule, der Gemeinde und dem Staate mit gleicher Pflichttreue 
gedient haben. Diese ungewollte Nebenwirkung tritt, wie die Erfahrung in Leipzig und 
anderwärts bewiesen hat, sowohl bei den Schülern und deren Eltern wie auch in der 
eigenen Familie und dem Bekanntenkreise des Betreffenden hervor und beeinträchtigt 
seine bürgerliche Stellung und seine berufliche Wirksamkeit. Das Streben nach äußerer 
Auszeichnung ist aber zugleich geeignet, im Lehrerstande jene ideale Auffassung des 
Berufes, die allein in dem Bewußtsein gewissenhafter Pflichterfüllung den Endzweck 
alles Wirkens macht, zu beeinträchtigen. Die Leipziger Volksschullehrer halten es darum 
für ihre Pflicht, gerade gegenwärtig, wo von den Besten unseres Volkes immer ein 
dringlicher über Veräußerlichung deutschen Lebens und Strebens geklagt wird, die 
Gelegenheit zu ergreifen, ihre Auffassung über die vorliegende Frage öffentlich zu 
bekunden und in besonderen Eingaben die Behörden zu bitten, von der Verleihung des 
Oberlehrertitels an Volksschullehrer künftig abzusehen." 
Mehr Fühlung mit den Lehrerkreisen! Die Königl. Regierung in Bromberg hat 
folgende Verfügung erlassen: „Aus den uns zugegangenen Berichten der Herren Kreis 
schulinspektoren haben wir ersehen, daß sich die meisten von ihnen von den Zweig 
vereinen des Posener Provinziallehrervereins geflissentlich fernhalten und dessen Be 
strebungen fremd gegenüberstehen. Wir können solches Verhalten gegenüber Vereinen, 
denen der größte Teil unserer Volksschullehrer angehört, durchaus nicht billigen, müssen 
es vielmehr als wünschenswert erachten, daß die Schulaufsichtsbeamten auch außer 
dienstlich Fühlung mit den ihnen unterstellten Lehrkreisen unterhalten, damit in letzteren 
nicht die Vermutung Raum gewinne, als brächten die vorgeordneten Schulbehörden 
ihren fördernswerten und berechtigten Bestrebungen kein Interesse entgegen. Viele 
Ausschreitungen in den Lehrervereinen dürften auf diese Annahme zurückzuführen sein. 
Wir ersuchen daher die Herren Kreisschulinspektoren, sich den Lehrervereinen tunlichst zu 
nähern und zu versuchen, auf ihre Leitung und Entwicklung Einfluß zu gewinnen, 
jedenfalls aber etwaige Einladungen zur Teilnahme an den Bereinssitzungen nicht 
kurzerhand abzulehnen." 
Eine soziale Frauenschule, die erste ihrer Art, soll in einem der Zimmerschen 
Reformmädchenpensionate, dem (internationalen) Töchterheim Heimathaus in Berlin- 
Zehlendorf, zu Ostern eingerichtet werden. Es ist das wohl überhaupt der erste Ver 
such einer zusammenhängenden systematischen Einführung in das Gesamtgebiet der 
„Volkspflege", einer erst im Werden begriffenen Wissenschaft, die Bolkserziehung und 
Wohlfahrtspflege zusammenfaßt. Selbstverständlich wird in dieser Erziehungs- und 
Bildungsanstalt für junge Mädchen die Volkspflege speziell unter dem Gesichtspunkt der 
sozialen Frauentätigkeit behandelt. Der Unterricht erstreckt sich auf allgemeine Volks 
erziehungslehre, die Organisation der Volkspflege, Volksgesundheitspflege, wirtschaftliche 
und staatsbürgerliche Vollserziehung, Vollsbildung, Volkskunstpflege, sittliche und religiöse 
Volkserziehung. An Übungen tritt ergänzend hinzu der Besuch von Anstalten der 
kommunalen, industriellen, konfessionellen und Humanitären Wohlfahrtspflege, ein Fröbel- 
kursus, Beteiligung an der Arbeit in Bewahranstalt und Kindergarten, an hauswirt- 
schastlichem Jugendunterricht, an Museumsführungen, volkstümlichen Bilderausstellungen, 
Volks-Konzerten, -Theatern und -Vorträgen, an Bolksunterhaltungsabenden und am 
Kindergottesdienst. Wegen alles Näheren wende man sich an den Begründer der 
Töchterheime, Professor Dr. Zimmer in Berlin-Zehlendorf. 
Großbetrieb. In Friedenau bei Berlin soll ein neues Vollsschulgebäude für 
4300 Kinder errichtet werden. Für den Bauplatz, der kürzlich noch durch Zukauf ver 
größert worden ist, waren schon vor 3 Jahren 111600 M. gezahlt werden. Die neue 
Schule wird 72 Klassenräume nebst zwei Schulhöfen von zusammen 6500 gm Flächen 
raum und einen großen öffentlichen Turn- und Spielplatz erhalten. Es läßt sich also 
erwarten, daß uns die Zeitungen demnächst von diesem die „Anforderungen der Neuzeit 
entsprechend Schulpalast" Näheres berichten werden. 
Törpfelds Heilslehre. Die „Katechetische Zeitschrift" berichtet: „In der „Studierstube,, 
1904, H. 5 tritt Pf. Klaehre warm für eine Verwendung von „Törpfelds ,Hetlsiehre' 
als Lehrbuch für den Konfirmandenunterricht" ein. Diese, im Vergleich zu seinem 
ersten Enchiridion noch wenig bekannte Schrift des großen Pädagogen ist, da von ihm 
selbst nicht vollendet, von seinem Schwiegersöhne Dr. von Rohden zu Ende geführt. Was 
über sie gesagt und aus ihr mitgeteilt wird, macht in der Tat Lust, dem Werke näher 
zu treten. T)er Aufsatz bietet übrigens weit mehr als etwa eine Buchbesprechung." 
Verantwortlicher Schriftleiter G. von Rohden in Tüsieldorf-Terendorf.
	        

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