Full text: Evangelisches Schulblatt - 49.1905 (49)

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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc. 
Tribut. Hütte er die Heilsgeschichte besser zu würdigen verstanden, dann hätte 
er z. B. gerade aus dem von ihm so gering geschätzten Alten Testament, aus 
den Propheten die besten Stützen für seine scharfe Scheidung von moralischer 
und statutarisch-gottesdienstlicher Religion gefunden, eine Unterscheidung, die ja 
gerade das Thema der Botschaft vieler Propheten bildet. Jedenfalls aber schätzt 
er die Offenbarung viel höher ein, als seinen rationalistischen Zeitgenossen 
zuläsiig schien und lieb war. Wollen wir daher nicht an dem Unbefriedigenden 
seiner Religionslehre, zumal der gequälten Umdeutung der christlichen Heils 
wahrheit in dem 2. Kapitel, hasten bleiben, sondern uns dessen freuen, was Gott 
auch diesem „großen Kirchenlehrer" offenbart hat und ihm so nachdrücklich zu 
sagen gegeben hat, daß das Kriterium der christlichen Religion in ihrer reinen 
Sittlichkeit beruht! 
Zur Geschichte des Schul 
wesens. * Biographien. 
Korrespondenzen, m M 
II. Abteilung. 
Q.S 
Lehrproben. m m 
Erfahrungen aus dem 
Schul- und Lehrerleben. 
Die Ursachen des Lehrermangels). 
Tagesblätter, wie die Tägliche Rundschau haben in letzter Zeit die Auf 
merksamkeit auf den Mangel an Volksschullehrern gelenkt. Er ist nicht über 
Nacht eingetreten. Wer auf dem Gebiete der Volksbildung ein wachsames Auge 
hat, konnte schon seit Jahren das Gespenst aufsteigen und sich verdichten sehen. 
Aber im Banne der technischen Riesenfortschritte, unter der wesentlich materiell 
bestimmten Entfaltung des Volkslebens übersah man die Imponderabilien, schenkte 
der Geistesarbeit, die abseits und unberührt vom Tagesgeräusch getan wird, nur 
nebenher Beachtung, und nicht immer wohlwollende. Eine bedenkliche Vogelstrauß 
politik ; und eben sind wir auf dem Schulgebiete schon an dem Punkte angelangt, 
wo die Versäumnis sich bitter rächt. 
Man suche die Ursachen des Übelstandes doch nicht in Nebensachen und 
Äußerlichkeiten! Das langjährige Ringen des Lehrerstandes nach der Berechtigung 
zum einjährigen Militärdienste, nach auskömmlicher Besoldung, nach Fachaufsicht 
im Berufe und Teilnahme an der Schulverwaltung hat gewiß Ermüdung, Ver 
bitterung heraufgeführt, an welcher der ganze Stand noch lange leiden wird. 
Es spielte bei diesen Kämpfen, die übrigens noch nicht zu Ende sind, auch eine 
starke Unterschätzung des aufstrebenden Standes mit; sonst hätte den Behörden 
nicht jedes Zugeständnis schier entrissen werden müssen. Aber man möge uns 
getrost alle Wünsche der Lehrer in dieser Richtung erfüllen; wir fürchten, daß 
damit der Lehrermangel nicht beseitigt wird. 
Die Ursachen liegen tiefer. Die Entwicklung der Schule ist seit 3—4 
Dezennien in verhängnisvolle Bahnen geraten. Die Schule ist mehr und mehr 
Verwaltungsobjekt geworden, und dadurch ist ihre Stellung im Volksleben 
verschoben worden. Die Volksliebe ist ihr verloren gegangen. 
') Der Aufsatz war ursprünglich für einen andern Leserkreis bestimmt.
	        

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