Full text: Evangelisches Schulblatt - 49.1905 (49)

Zur Schulverfassung. 
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weisen deshalb jede derartige Regelung des religiösen oder konfessionellen 
Charakters der Schule mit aller Entschiedenheit als eine ungerechte und unwürdige 
Behandlung ab, und wir gehen darin sogar konseguenterweise noch bedeutend 
weiter als Zillessen. 
Zillessen richtet aber in den Verhandlungen über dir Schulverfassungsfrage 
mit seinen obigen Darlegungen dadurch eine recht böse Verwirrung an, daß er 
als eine der Stellen, die sich der Gewissensbedrückung schuldig mache, auch die 
Schulgemeinde schlechthin bezeichnet. Weder schränkt er diesen Tadel aus 
gewisse Sorten von Schulgemeinden ein, noch nimmt er irgend eine davon aus, 
sondern er faßt sie alle ohne Ausnahme unter diesen Begriff zusammen. In 
folgedessen wird auch die Dorpfeldsche Schulgemeinde von diesem harten Tadel 
getroffen, und auch ihr wird dieses Brandmal der Ungerechtigkeit angeheftet. 
Und doch ist dies, um in der Ausdrucksweise Zillefsens zu reden, ein „himmel 
schreiendes Unrecht" gegen sie. Sie wird dadurch in recht häßlichen Verruf ge 
bracht ohne auch nur die geringste Spur eines triftigen Grundes, denn gerade 
sie und nur sie bietet den einzig gangbaren Weg dar, um die erziehliche 
Gewissensfreiheit allen ohne Ausnahme widerfahren zu lassen und sie alle gegen 
Gewissensvergewaltigung nach Möglichkeit zu sichern. Kann ihr Ansehen deshalb 
wohl schlimmer geschädigt werden, als wenn ihr solch ein schwerer sittlicher 
Makel angehängt wird? — Und das geschieht von einem Manne, der so häufig 
wie kein anderer sich zur Bekräftigung seiner Darlegungen auf Dörpfeld beruft 
und zudem noch nachdrücklich behauptet, „im Geiste und in den Grund 
anschauungen" mit ihm übereinzustimmen; dessen Darstellung also bei jedem 
nicht genügend Orientierten den Anschein erwecken muß, daß er in denselben 
Bahnen sich bewege und demselben Ziele zustrebe wie Dörpfeld. Das Verhalten 
solcher Freunde vermag wohl den Notschrei auszupressen: „Gott, bewahre 
mich vor meinen Freunden, vor meinen Feinden will ich mich dann schon selber 
schützen!" — Oder sollte der Geist von Dörpfelds Streben auf dem Gebiete 
der Schulverfassung so außerordentlich schwierig zu erfassen sein, daß er nur 
sehr wenigen Auserwählten sich erschlösse? — Ich denke, die Leser dieses Blattes 
werden mir darin zustimmen: Was Dörpfeld, ein Meister in der Deutlichkeit 
und Ausführlichkeit, in dieser Hinsicht mehr als 40 Jahre hindurch in den ver 
schiedensten Variationen und von immer neuen Gesichtspunkten aus mit hellen, 
klaren Gründen entwickelt und vertreten hat, nämlich die göttlichen und natür 
lichen Rechte der zurückgedrängten Familie gegenüber den ungebührlichen Vor 
rechten ihrer Vormünder: Staat, Kirche und Kommune, das kann ein jeder 
normale Mensch erfassen. Und Zillessen ist dieser Punkt nachweislich nicht un 
bekannt geblieben, denn er hat sich schon mehrmals bewogen gefühlt, sich mit 
ihm auseinander zu setzen. Warum unterläßt er denn nun aber alles, wodurch 
dem vorgebeugt werden konnte, daß die Dörpfeldsche Schulgemeinde, das wert 
vollste Erbe seines Freundes, durch sein Verhalten so völlig grundlos in 
bösen Leumund gerät? 
Wie höchst ungerecht es ist. die auf dem Familienrecht aufgebaute Dörp 
feldsche Schulgemeinde unter den Begriff der von Zillessen skizzierten Schul 
gemeinde zu stellen, würde seinen Lesern durchaus nicht haben verborgen bleiben 
können, wenn er auch die Rechtsgrundlage der aufgeworfenen Frage einer ein 
gehenden Erörterung unterzogen hätte, was doch eigentlich die unerläßliche Vor 
bedingung war. Holen wir darum sein Versäumnis hier nach, auch schon um
	        

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