Full text: Evangelisches Schulblatt - 49.1905 (49)

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-«► III. Abteilung. Literarischer Wegweiser. 
Zur Schulorganisationsfrage. 
Sickinger, Dr. A.: Der Unterrichtsbetrieb in großen Volksschulkörpern sei nicht 
schematsch-einheitlich, sondern differenziert-einheitlich. Verlag von Bensheimer in 
Mannheim. Preis geh. 3,20 M. 
In diesem Buche gibt I>r. S., Stadtschulrat in Mannheim, eine ausführliche 
Zusammenstellung der .einzelnen Etappen seines Reorganisationskampfes in M. Der 
1. Teil enthält einen Überblick über die Entwickelung des Mannheimer Volksschul 
wesens bis zum Anfang der Reformarbeit. Im 2. Teil werden Mitteilungen über die 
Einrichtungen zu Gunsten schwachbegabter Schüler in Basel und Zürich gemacht. 
Einem Gutachten über den Wert und den Fortbestand der Mannheimer Bürgerschule 
folgt sodann ein besonders interessanter Abschnitt, ein „Pädagogisches Gutachten 
Herbarts im Vergleich zum Mannheimer Schulorganisationsplan." Als Haupt 
forderungen Herbarts führt 0r. S. an: 1. Die Anzahl der Klassen soll den Unterrichts 
jahren entsprechen; 2. Die Gesamtheit der Schüler soll einen planvollen Abschluß 
erreichen; 3. die Schule bestimmt nach Maßgabe der Bildsamkeit den vom einzelnen 
Schüler zurückzulegenden Weg; 4. die Schule ist berechtigt, das Kind je nach seiner 
Entwicklung sowohl aus einem erweiterten Unterrichtsganzen in ein einfaches als aus 
einem einfachen in ein erweitertes einzureihen. Für ihn kamen damals als Unterrichts 
stätten das Gymnasium, die Bürger- oder Hauptschule und „die kleine Schule" 
in Betracht. 
Weiter gibt Vers. Bericht über die Stellungnahme des Lehrerkollegiums, der Ärzte 
und des Oberschulrats zu seinem Reformplan Auskunft, um dann die durch die 
gemeinsamen Beratungen gezeitigten modifizierten Reformvorschläge und ihre Durch 
führung ausführlich zu berichten. — Man mag sich zu den Reformplänen selbst ab 
lehnend verhalten, so gewährt doch die Durchsicht des Buches großes Interesse, da es 
einmal die Folgen der von den besten Absichten geleiteten Schulpolitik einer Stadt 
mit ihren Riesenschulen und hochgespannten Lehranforderungen zeigt, andererseits uns 
das Bemühen eines für die Abstellung der gezeifigten Schäden eifrig tätigen Mannes 
vor die Augen führt, der bei den nun einmal vorhandenen großen Schulkörpern doch 
jedem einzelnen Kinde das geben möchte, was ihm gerade gut ist und darum zur 
Organisierung seiner Hilfsklassen für die ganz schwachen, seiner Förderklassen 
für die mittelmäßig begabten, der Abschlußklassen für die das volle Ziel nicht 
erreichenden und der Hauptschule für die gutbegabten und fleißigen Schüler 
gekommen ist. 
Für die innere Schularbeit. 
1. Entwurf zu einem Lehrplan für die Bürgerschulen in Frankfurt a. M. Von der 
Städtischen Schuldeputation beschlossen und der König!. Regierung zu Wiesbadeu 
genehmigt. Frankfurt, Neumann'sche Buchhandlung. 
2. Wigge, H. (Rektor in Ellrich): Lehrplan für die 6—9stufigen Volks- und Mittel 
schulen nach dem Prinzip der Konzentration. Berlin, Gerdes u. Hödel. 2,50 M. 
Der erstgenannte Lehrplan gibt in der üblichen Form zuerst bei jedem Fache das 
allgemeine Lehrziel an, charakterisiert kurz das Lehrverfahren und gibt dann eine ein 
gehende Zusammenstellung des zu behandelnden Stoffes von der 8. bis zur 1. Klasse. 
Die methodischen Winke zeugen von praktischem Blick, die Auswahl des Stoffes hält 
sich in angemessenen Grenzen. 
Eine sehr beachtenswerte Arbeit ist der Lehrplan von Wigge. Bei ihm steht der 
Sachunterricht (Natur-, Kultur- und Menschenleben) im Mittelpunkte des Unterrichts, 
Wort- (Sprache, Gesang, Schreiben) und Formunterricht (Zeichnen und Raumlehre) 
lehnen sich an den Sachunterricht, und der konkrete Zahlunterricht lehnt sich an den 
Sach- und Formunterricht an. Die drei ersten Schuljahre hat Vers, nicht mit auf 
genommen, weil da „tüchüge praktische Arbeiten vorliegen und auf der Unterstufe in 
der Hauptsache Fertigkeiten zur Aneignuug gelangen mit eigenem Unterrichtsgang". 
Es steckt viel Arbeit in dem Plane, und wenn derselbe auch eigentlich nur für Ellrich
	        

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