Full text: Evangelisches Schulblatt - 49.1905 (49)

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Zur Geschichte des Schul 
wesens. * Biographien. 
Korrespondenzen. SA SA 
II. Abteilung. 
<2 S 
Lehrproben. SA SA SA 
Erfahrungen aus dem 
Schul- und Lehrerleben. 
Zum Geschichtsunterricht. 
Von Rektor Brune in Weitmar. 
Wenngleich der Geschichtsunterricht zur Pflege aller Interessen beizutragen 
vermag, so erachten wir doch als seinen vornehmsten Zweck die Erzeugung der 
Liebe und Begeisterung für das deutsche Vaterland und seinen Fürsten. Dieses 
Ziel wird nur erreicht durch Vermittlung der Kenntnis des deutschen Volkes in 
seinem Streben, indem ein Verständnis für diese Bestrebungen und zugleich die 
Wertschätzung für dieselben erzeugt wird. Indem aber die Fürsten an der Spitze 
marschiert sind, die Wege geebnet und überhaupt die Arbeiten und Ziele des 
Volkes gefördert haben, stehen diese zumeist im Mittelpunkt der Betrachtungen. 
Natürlich können nur solche Bestrebungen Anspruch auf Beachtung machen, die 
auch sittlich wertvoll, wenigstens einwandsfrei sind. In diesem Sinne kann man 
die Geschichte zu den ethischen Fächern zählen, und in dem Maße, als sie dem 
Kinde Muster der Gemeinnützigkeit und des Opfersinnes zur Veranschaulichung 
darbietet, dient sie zur Pflege des idealen Sinnes, zur Charakterbildung. 
Wofür ein Mensch sich begeistern soll, das muß ihm der Begeisterung wert 
erscheinen. Wenn der Mann Gut und Blut für König und Vaterland freudig 
opfern soll, so müssen ihm dieselben hoch im Preise stehen. Die Wertschätzung 
für die idealen Aufgaben, für die nationalen Bestrebungen, für alles das, was 
zur Erhaltung und Förderung des Gemeinwesens notwendig ist, wird aber in 
dem Maße gesteigert, als das Kind erkennt, daß es das Erbe seiner Väter 
antritt, daß es für die gleichen Güter einzutreten hat, die auch sie zu erstreben 
suchten. Die Kenntnis der Gegenwart aber eröffnet dem Kinde sowohl den 
Blick für die mannigfachen Bestrebungen derselben, wodurch eben nur eine rechte 
Teilnahme ermöglicht wird, als es auch durch sie zu der Einsicht gelangt, daß 
gar manche Aufgabe der vollen Lösung harrt, daß das gesamte Kulturleben nicht 
still steht, daß es mit erwerben muß, um zu besitzen. Das rechte Verständnis 
für das allmähliche Werden, wie es aus der Kenntnis der Vergangenheit und 
Gegenwart gewonnen wird, vermag die rechte Achtung vor dem mühsam Ge 
wordenen zu erzeugen und desgleichen die Pietät vor denen, die an demselben 
gearbeitet haben. Drängt sich dabei dem Kinde die Überzeugung von dem 
fortschreitenden Gelingen auf, muß es auf Grund der rechten Einsicht der Gegen 
wart in mancher Beziehung den Vorzug vor der Vergangenheit einräumen, so 
kann der beabsichtigte Zweck nur gewinnen. Würde ihm dagegen die Vergangenheit 
in einem rosigen Lichte erscheinen, so müßte eine gewiffe Unzufriedenheit mit der 
Gegenwart die natürliche Folge sein. 
Freilich ist nicht stets das Gefühl gegenwärtiger drückender Zustände fern 
zuhalten, liegen doch in ihnen auch die kräftigsten Antriebe zum Ringen nach 
dem Besseren. Wir erinnern an die Zeit der französischen Bedrückungen von 
1806—1813. Denn diese letzteren waren im Bunde mit den Vorstellungen 
einer früheren befleren Zeit, einer vergangenen Größe, die wirksamsten Hebel der 
nationalen Erhebung von 1813. Wie zum Zwecke der Vervollkommnung des
	        

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