Full text: Evangelisches Schulblatt - 49.1905 (49)

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I. Abteilung Abhandlungen. 
Gott zugewiesenen Sonderberufs, in dem Bewußtsein, daß sie, er 
wählt und ausgerüstet als „das Volk des Bundes", ein Vorbild und Segen zu 
werden für alle Geschlechter der Erde, und somit vor allem zu überwinden und 
zu vernichten die verderbliche Torheit des Götzentums. In freudiger Zuversicht 
folgen sie den Führern und Zeugen, in denen solcher Glaube an den allmächtigen 
und allgütigen Weltenlenker wunderbar klar zur Erscheinung kam, so namentlich 
einem Mose, Josua, David rc. Wie unermüdlich die Geduld eines Mose —, 
sie merken es wohl, — nachdem er dessen gewiß geworden, daß der lebendige 
Gott ihn, wie er darum gebeten (1. Mos. 23), stets um ihn war, daß „das 
Angesicht Gottes" ihn begleitete als „der mitfolgende, unüberwindliche, lebendiges 
Wasser spendende Felsen" (1. Kor. 10, 4). Recht zuversichtlich wiederholen sie 
einem Josua das Gotteszeugnis: „Fürchte dich nicht, wie der Herr mit Mose 
gewesen, so wird er auch mit dir sein, und niemand wird dir widerstehen", und 
siegesgewiß folgen sie ihm, wie später auch einem David, in den Kampf gegen 
Völker, die ihnen an Zahl, an Waffenrüstung und auch auf den Gebieten der 
Wisienschaften und Künste überlegen waren. In eben solcher Zuversicht geht 
ein Gideon mit seinen 300 gegen Hunderttausende, ein Simson mit einer ver 
achteten Waffe gegen eine große Philisterschar und ein David mit seiner Schleuder 
und etlichen Steinen aus dem Bach gegen den gewaltigen Riesen. Wieder und 
wieder ist das Bileamszeugnis wahr geworden: „Juda erhebt sich wie ein 
Löwenkind, wer wollte ihm widerstehen!" und siegesfreudig jauchzt die Menge in 
Psalmgesängen: „Wenngleich das Meer wütete und wallete und Berge ins 
Meer fielen, so fürchten wir uns nicht, und einer von uns wird hundert, ja 
tausend in die Flucht schlagen, denn der Allmächtige ist mit uns, die Freude 
am Herrn ist unsere Stärke." Und zumal die großen prophetischen Zeugen, 
Samuel, Elias, Jesaias, Jeremias rc., wie sind sie des mehr und mehr gewiß 
geworden, „daß sie von Gott gemacht sind zu einer ehernen Mauer, zu einer 
eisernen Säule, zu einer festen Stadt, und niemand ihnen zu widerstehen 
vermag." (Jer. 1.) 
Entsprechende Erscheinungen finden wir, wie Goethe in dem oben zitierten 
Worte darauf hinweist, in der Entwickelung aller Kulturvölker älterer und 
neuerer Zeit. Ein Rebukadnezar, sowie auch ein Cyrus, Alexander d. Gr., 
Cäsar, Napoleon I. gehen mit unbeugsamem Mut und erstaunlichen Erfolgen 
an die Gründung von Weltreichen, nachdem sie des gewiß geworden, daß sie 
vor andern mit hohen Gaben ausgerüstet seien und die Zeitumstände günstig 
liegen. Desgleichen auch der Sinn des gesamten Römervolks in seiner Erst 
entwickelung, entsprechend der Mahnung eines Vergil: „Tu reZsrs Irnperio 
populos, Romane, memento.“ 
Und wie freudig sind die Söhne unsers Volkes ihren bewährten Führern 
gefolgt, einem Armin, Karl d. Gr., Otto d. Gr., Friedrich d. Gr., Wilhelm
	        

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