Full text: Evangelisches Schulblatt - 49.1905 (49)

Zur „Frauenbewegung". 
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d. Gr., u. a., besten gewiß, daß es galt, die Freiheit und damit das Fun 
dament der eigenartigen Entwickelung auf allen Gebieten des Geisteslebens zu 
wahren. — 
Wie hochbedeutsam es für jeden einzelnen sowie auch für jede Volks 
gesamtheit ist, sich der Sonderbegabung und des damit zuge 
wiesenen Sonderberufs klar bewußt und möglichst gerecht zu 
werden, tritt selbstverständlich noch deutlicher und zugleich dringlicher mahnend, 
bezw. strafend ans Licht, wenn wir darauf Hinblicken, daß ein Vergessen und 
Versäumen solcher Gottesordnung die Ursache des Verderbens, bezw. der Ver 
werfung der Säumigen und Widerstrebenden geworden. 
Bei solchem Hinblick tritt uns nun ein besonders beachtenswerter Umstand, 
und zwar wieder zunächst in der Geschichte des jüdischen Volks entgegen. Nach 
dem so hocherfreulichen Aufschwung desselben, namentlich unter dem Regiment 
eines David und in den ersten Negierungsjahren Salomos begann der Nieder 
gang, als die Klage laut wurde (1. Kön. 11, 4 und Neh. 13, 26): „Der 
König, dem kein König der Heiden gleich, der seinem Gott 
sehr lieb war, hat sich durch heidnische Weiber bestricken, und 
sein Herz fremden Göttern zuneigen lassen und somit ver 
gessen des seinem Volke zugewiesenen heiligen Berufes." Als 
bald geht es niederwärts nicht nur auf dem politischen Gebiet (durch die Teilung 
des Reichs), sondern auch auf dem sittlichen, und zwar vornehmlich durch den 
Einfluß verderbter heidnischer Weiber, namentlich einer Jsebel im Reiche der 
zehn und einer Athalja im Reiche der zwei Stämme. Auch schon zur Zeit 
Davids war es ja zu den argen verderblichen Aufständen eines Absalom und Seba 
gekommen, weil der König, wesentlich durch die Mitschuld der Bathseba, 
seines Gottes und seines Berufes vergessend, ein Ehebrecher und Mörder ge 
worden und als solcher auch öffentlich von Absalom und Simei angeklagt 
worden war. 
Wie der Fraueneinfluß ein überaus tiefgehender, nach 
haltiger, ein heilsamer einerseits, sowie ein verderblicher 
andererseits werden kann, das haben sinnige Beobachter aller Zeiten 
wohl erkannt und insbesondere nachdrucksvoll hervorgehoben, daß dem weiblichen 
Geschlecht vornehmlich die Pflege des Lebens in den Familien, die ja mit Recht 
als Grundpfeiler der Völkerentwickelung bezeichnet werden, zugewiesen ist —, 
daß die Mütter zumal, denen vornehmlich die ersten Jahre der Kinder, d. i. 
die für die Entwickelung derselben entscheidungsvollsten, folgenreichsten, gehören, 
„die Seele, das Herz des Hauses" sind. Demgemäß z. B. etliche 
Zeugnisse in den Salomonischen Weisheitssprüchen (s. bes. Kap. 25. 26. 31): 
„Wie die Sonne, wenn sie aufgegangen ist am Himmel, eine Zierde ist, so ist ein 
tugendsames Weib eine Zierde in ihrem Hause, durch sie wird das Haus erbauet, sie 
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