Full text: Evangelisches Schulblatt - 49.1905 (49)

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I. Abteilung. Abhandlungen. 
Künste solches verschuldet —, wie bekanntlich von Rousseau in einer preis 
gekrönten Abhandlung behauptet worden, sondern vielmehr, wie namentlich ein 
Lessing ooutrg. Rousseau darlegte, „der Mißbrauch der Wissenschaften und 
Künste", ist klärlichst nachgewiesen. Und woher solcher Mißbrauch, woher die 
Sittenverderbnis? Überall war die zunehmende Sittenlosigkeit, so lautet das 
Zeugnis der Geschichte, eine Folge des Versinkens in den mehr und mehr herr 
schend gewordenen, sittenverderbenden Polytheismus. Überall, zumal bei den 
Griechen und Römern, mehrten sich gar bald die Zeichen der Zerrüttung des 
ehelichen Lebens. Die Klage des Tacitus, „daß die Frauen selbst die keusche 
Zucht in wüste Lasterhaftigkeit verkehren", galt nicht nur von den römischen 
Frauen. Welche entsetzliche Sittenlosigkeit herrschte namentlich zur Zeit eines 
Perikles in Griechenland! Selbst ein Plato hatte in seiner „Republik" 
nichts gegen die Unsitte einzuwenden gefunden, die Ehefrau leihweise einem 
andern abzutreten, desgleichen ein Sokrates nichts gegen das Hetärenwesen. 
Wie überaus verderblich der Einfluß sittlich gesunkener Frauen gewesen, namentlich 
zur Zeit der römischen Kaiser, zeigen die Lebensbilder einer Poppäa, Agrip- 
pina, Messalina u. a. 
Es konnte nicht fehlen, daß die Frauen, da sie nun mehr und mehr ihrer 
Aufgabe, vornehmlich Hüterinnen und Pflegerinnen der Sittlichkeit zu sein, ver 
gaßen, besonders peinlich das „Nsns mens tsksl" des hereinbrechenden schweren 
Gerichts erfahren mußten. Wir finden sie bei allen Heidenvölkern in tiefster 
Entwürdigung, als Sklavinnen der Männer. Bei den Chinesen gilt jetzt im 
Gegensatz gegen die frühere Anschauung (s. o.) „der Mann als der Himmel 
seines Weibes", sie nur als sein „Schatten und Wiederhall" und als ihre 
Pflicht: „Früh aufstehen, sich müde arbeiten, wenig esien, noch weniger Geld 
verbrauchen, schweigen, sich verbergen, gehorchen, eher Schläge, Hunger ja den 
Tod leiden, als sich beklagen". Ähnlich bei den Indern und andern Orientalen. 
Es war ja selbstverständlich, daß der Niedergang auf dem Gebiete der 
Moral sich auch auf andern Gebieten als hemmend erweisen mußte. Gar bald 
erfolgte die Schwächung der physischen Kräfte, daher denn die Griechen mit 
Leichtigkeit von den damals noch sittenreinen Römern und desgl. später die 
sittlich gesunkenen Römer von den „weniger gebildeten, aber gesittetem Ger 
manen" überwunden werden. Besonders bemerkenswert ist auch der dem ent 
sprechende Niedergang auf dem Gebiete der Kunst. „Die Blütezeit der 
babylonischen Kunst", so bezeugt;. B. ein Semper, „war ums Jahr 
4000 v. Chr., also am Anfange der babylonischen Geschichte; 
desgleichen zeigt sich in der ägyptischen Kunst eine allmähliche 
Versteinerung und Erstarrung früherer Frische und Bewegung." 
„Als nun die Zeit erfüllet, das Heidentum einen wesentlichen Teil seiner 
Aufgabe gelöst und die Dunkelheit und Kälte der hereinbrechenden Nacht immer
	        

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